anwaltssuche
Kategorie: Anwalt Familienrecht , 11.01.2012 (Lesedauer ca. 2 Minuten)

Familienrecht: Gemeinsames Sorgerecht nichtehelicher Eltern

Trotz der eindeutigen Entscheidung des Bundesverfassungsgerichtes vom 21.07.2010 hat der Gesetzgeber bis zum heutigen Tage noch keine gesetzliche Regelung getroffen, unter welchen Voraussetzungen den Eltern von nichtehelichen Kindern ohne Zustimmung der Mutter das Sorgerecht gemeinsam einzuräumen ist.

In seiner Entscheidung vom 01.07.2011 - 4 F 415/10 hat das Amtsgericht Karlsruhe auf der Grundlage des Beschlusses des Bundesverfassungsgerichtes eigene Kriterien aufgestellt, um prüfen zu können, wann den Eltern das gemeinsame Sorgerecht zum Wohle des Kindes zu übertragen ist:

1. Orientierung an gesetzlicher Regelung für eheliche Kinder
Um eheliche und nichteheliche Kinder soweit wie möglich gleich zu stellen, geht das Gericht davon aus, dass die gemeinsame elterliche Sorge sowohl für eheliche als auch für nichteheliche Kinder grundsätzlich dem Kindeswohl entspricht. Denn bei ehelichen Kindern ist die gemeinsame elterliche Sorge von Gesetzes wegen von Geburt an ohne Rücksicht auf die familiären Verhältnisse und ohne Rücksicht auf die Beziehungen der Eltern zueinander angeordnet.

2. Umstände des Einzelfalles
Des Weiteren sind die Umstände des Einzelfalles zu prüfen. Auch hier werden die gesetzlichen Regelungen für eheliche Kinder herangezogen. Die gemeinsame elterliche Sorge scheidet danach bei nichtehelichen Kindern aus, wenn die gemeinsame elterliche Sorge bei ehelichen Kindern gemäß § 1671 BGB aufzuheben wäre. Es ist konkret zu prüfen, ob die Belange der Kinder durch die gemeinsame elterliche Sorge beeinträchtigt werden.



In dem vom Amtsgericht Karlsruhe zu entscheidenden Fall gelang es den Eltern nicht, sich in Fragen der Gesundheitsfürsorge und in schulischen Belangen der beiden gemeinsamen minderjährigen Kinder zu verständigen. In diesen Angelegenheiten fehlte den Eltern die Kooperationsbereitschaft bzw. -fähigkeit.

Das Amtsgericht lehnte es daher ab, den Eltern die volle gemeinsame elterliche Sorge einzurichten. Es begründete seine Entscheidung damit, es müsse verhindert werden, dass Streitigkeiten der Eltern über die Gesundheitsfürsorge und über die Regelung der schulischen Angelegenheiten auf dem Rücken der Kinder ausgetragen werden.

Diese Entscheidung des Amtsgerichtes Karlsruhe gibt jedem Elternteil eines nicht ehelichen Kindes eine Orientierungshilfe, ob es zum jetzigen Zeitpunkt sinnvoll ist, einen Sorgerechtsantrag beim zuständigen Amtsgericht einzureichen, bevor der Gesetzgeber möglicherweise weitere Hürden normiert.


Rechtsanwältin Kerstin Herms Potsdam
Rechtsanwältin Kerstin Herms
Rechtsanwältin · Fachanwalt für Familienrecht
Jägerallee 26, 14469 Potsdam
(31 Bewertungen)
Zu meinem Profil
Lesen Sie hier weitere Fachartikel im Themenbereich Ehe & Familie
Hier finden Sie bundesweit Rechtsanwälte für Familienrecht

War dieser Expertentipp für Sie hilfreich?
Eigene Bewertung abgeben: stern_grau stern_grau stern_grau stern_grau stern_grau

Stern Stern Stern Stern Stern grau 4.1 / 5 (31 Bewertungen)
Diese Beiträge könnten Sie interessieren:
Kategorie: Anwalt Familienrecht 04.01.2018
Meistens ist es selbstverständlich, dass man seine eigenen Familienmitgliedern mit Rat, Tat und der notwendigen Finanzkraft unterstützt. Besonders nach einer Scheidung ist es aber gut, dass es Regeln gibt, die den Umfang von Betreuung und den Unterhalt festlegen.
Kategorie: Anwalt Familienrecht 07.11.2016
Ob sie wollen oder nicht: Bei einer Trennung müssen Eltern viele Entscheidungen auch weiterhin gemeinsam treffen. Gerade beim Thema Umgangsrecht ist es wichtig, seine Rechte und Pflichten zu kennen, damit die Kinder nicht zum Spielball ihrer Eltern werden.
Umgangsrecht – Der Kontakt zum Kind © freepik - mko
Expertentipp vom 12.02.2019 (1556 mal gelesen)

Bei einer Trennung oder Scheidung streiten Eltern häufig über den zukünftigen Lebensmittelpunkt ihrer Kinder und wie der Umgang mit ihnen geregelt wird. In unserer Checkliste erfahren Sie alle wichtigen Fakten zum Umgangsrecht – kompetent, aktuell und verständlich! Und natürlich finden Sie bei uns auch Anwältinnen und Anwälte für Familienrecht in Ihrer Nähe, die Sie bei diesem sensiblen Thema vertrauensvoll beraten und Ihre Rechte erfolgreich durchsetzen. (Muster Umgangsvereinbarung) Podcast

Stern Stern Stern Stern grau Stern grau 3.3 / 5 (19 Bewertungen)
Sorgerecht – Das Kindeswohl im Fokus © freepik - mko
Expertentipp vom 11.06.2019 (218 mal gelesen)

Wer ist sorgerechtsberechtigt? Wie wird das gemeinsame Sorgerecht ausgeübt? Wer erhält das alleinige Sorgerecht? Was ist der Unterschied zum Umgangsrecht? Wofür benötigt man eine Sorgerechtsverfügung? Wir klären Sie Schritt für Schritt in unserer Checkliste über die wichtigsten Fakten zum Sorgerecht auf – kompetent, aktuell und verständlich! (Checkliste Sorgerecht) Podcast

Stern Stern Stern Stern grau Stern grau 3.5 / 5 (2 Bewertungen)


Alle Expertentipps zum Thema Ehe & Familie

Cookies helfen uns bei der Bereitstellung unserer Dienste. Durch die Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies setzen. Datenschutzerklärung