anwaltssuche
Kategorie: Anwalt Familienrecht , 04.09.2020 (Lesedauer ca. 2 Minuten, 10 mal gelesen)

Kindesumgang in Corona-Zeiten

Kindesumgang in Corona-Zeiten © freepik - mko

Die Corona-Pandemie sorgt in vielen Trennungsfamilien für Unsicherheit beim Umgang des Kindes mit den getrenntlebenden Elternteilen. Kann ein Elternteil den Umgang mit dem gemeinsamen Kind aufgrund der Corona-Kontaktbeschränkungen verweigern? Benötigt ein umgangsberechtigtes Elternteil die Zustimmung zu einer Flugreise mit dem gemeinsamen Kind? Und was gilt, wenn die Umgangsregel krisenbedingt nicht eingehalten werden kann?

Trennungsfamilie: Was bedeutet die Corona-Krise für den Umgang?


Auch in der Corona-Krise ist ein regelmäßiger Umgang des Kindes mit seinen getrenntlebenden Eltern für seine Entwicklung und sein Wohl wichtig. Die in der Trennungsfamilie getroffene Umgangsregel bleibt daher auch in Corona-Zeiten gültig. Es besteht kein Anlass aufgrund der Corona-Pandemie Umgangsregeln abzuändern oder den Umgang auszusetzen. Die Empfehlung soziale Kontakte zu vermeiden, bezieht sich nicht auf die Kernfamilie.

Kann ein Elternteil den Umgang wegen Corona verweigern?


Ein Elternteil kann den Umgang mit dem anderen Elternteil nicht einfach mit dem Hinweis auf die Corona-Pandemie verweigern. Dies entschied das Oberlandesgericht Braunschweig (Aktenzeichen 1 UF 51/20) im Fall eines Vaters, der laut Umgangsregel mit seiner Tochter die Wochenenden verbringen darf, dem aber von der Mutter aufgrund von Corona der Kontakt zu seiner Tochter verweigert wurde. Die Beschwerde der Mutter gegen die Umgangsregel blieb erfolglos. Nach Ansicht des Gerichts bleibt die Umgangsregel während Corona bestehen, auch wenn der Vater nicht im gleichen Haushalt lebt. Der Umgang mit dem Vater gehöre zu einem notwendigen Minimum an Kontaktmöglichkeit für das Kind. Die Situation sei nur dann anders zu bewerten, wenn der Umgang aus tatsächlichen oder rechtlichen Gründen nicht möglich ist. Dies wäre etwa bei einer Covid-19-Infektion des umgangsberechtigten Elternteils der Fall. Eine Corona-Erkrankung des Kindes stellt laut Gericht keinen Grund für die Aussetzung des Umgangs dar. Schließlich könne auch der umgangsberechtigte Elternteil das erkrankte Kind versorgen.

Auch im Fall einer Mutter, die den Umgang mit dem getrenntlebenden Vater verweigerte, weil in ihrem Haushalt die Großeltern leben, die zur Corona-Risikogruppe gehören, entschied das Oberlandesgericht Frankfurt/Main (Aktenzeichen 1 WF 102/20), dass ein einseitiges Abweichen von der Umgangsregel aufgrund der Corona-Pandemie nicht zulässig ist. Es bestehe aufgrund der Corona-Pandemie kein Anlass, das Recht des Kindes am Umgang mit dem getrenntlebenden Vater einzuschränken. Die Mutter hat damit der Umgangsregel zuwidergehandelt und muss ein Ordnungsgeld in Höhe von 300 Euro zahlen.

Ist die Zustimmung zur Flugreise mit dem gemeinsamen Kind notwendig?


Nach einer Entscheidung des Oberlandesgerichts Braunschweig (Aktenzeichen 2 UF 88/20) müssen beide sorgeberechtigte Eltern einer Flugreise in Corona-Zeiten zustimmen, da es sich nicht mehr um eine Angelegenheit des täglichen Lebens handelt. Auch wenn keine Reisewarnung für das Urlaubsziel besteht, muss man laut Gericht zum einen mit Einschränkungen im Reiseverkehr rechnen, so dass für den Rückflug keine Planungssicherheit gegeben ist. Zum anderen besteht die Gefahr einer Quarantäne und damit ein Festsitzen des Kindes im Ausland.

Können Eltern sich nicht einigen, dann kann das Familiengericht auf Antrag einem Elternteil die Entscheidungsbefugnis zu sprechen. Im Fokus ist dabei immer das Wohl des Kindes.

Was gilt, wenn die Umgangsregel corona-bedingt nicht eingehalten wird?


Gerät etwa ein Haushalt auf Grund eines Corona-Verdachts in Quarantäne oder wird eine Ausgangssperre verhangen und es ist dem Kind nicht möglich wie vereinbart zum anderen Elternteil zu wechseln, ist dies sicher keine schuldhafte Verletzung der Umgangsregel. Sollte es zu einem Ordnungsgeldverfahren wegen Umgangsverweigerung kommen, muss der Elternteil, der von der Umgangsregel abgewichen ist, darlegen, dass er die Zuwiderhandlung nicht zu vertreten hat.

Lesen Sie hier weitere Fachartikel im Themenbereich Ehe & Familie
Hier finden Sie bundesweit Rechtsanwälte für Familienrecht