anwaltssuche
Kategorie: Anwalt Versicherungsrecht , 23.03.2020 (Lesedauer ca. 1 Minute, 13 mal gelesen)

Private Unfallversicherung: Unfall ohne Zeugen

Was ist zu tun wenn man bei einem Unfall einen Gesundheitsschaden erleidet und keine Zeuge den Unfallhergang beobachtet haben. Versicherer stellen in solchen Situationen den Unfallhergang gerne in Abrede.

Nach den gängigen Unfallversicherungsbedingungen liegt ein Unfall vor, wenn die versicherte Person durch ein plötzlich von außen auf ihren Körper wirkendes Ereignis unfreiwillig eine Gesundheitsschädigung erleidet.

Nicht selten stehen dem verunfallten Versicherungsnehmer für den Unfallhergang keine Zeugen zur Verfügung, beispielsweise wenn sich der Unfall im häuslichen Umfeld ereignet hat.

Gerade in solchen Fällen kommt der Unfallschilderung des Versicherungsnehmers erhebliche Bedeutung zu. Denn es entspricht „eigentlich“ gefestigter Rechtsprechung, dass eine Beweisführung in diesem Bereich auch durch eine Parteianhörung und weitere Indizien möglich ist.
Gleichwohl ist in der Praxis teilweise zu beobachten, dass sich Versicherer darauf beschränken, den unbeobachteten Unfallhergang ohne weiteren Blick auf vorhandene Indizien in Abrede zu stellen. Mit gleicher Begründung gehen teilweise auch Rechtsschutzversicherer vor, die Kostendeckung für ein gerichtliches Verfahren ablehnen, weil sich „der vom verunfallten Versicherungsnehmer behauptete Unfallhergang vor Gericht nicht von Zeugen bestätigen“ lasse.

In derartigen Fällen kommt es entscheidend darauf an, den in der Unfallschilderung dargestellten Unfallhergang durch weitere Indizien zu untermauern. Eine besondere Bedeutung kommt dabei der ärztlichen Behandlungsdokumentation zu. Ergibt sich aus dieser, dass die Gesundheitsschädigung ursächlich auf das Unfallereignis zurückzuführen ist, kann das, jedenfalls wenn der Versicherungsnehmer „glaubwürdig“ ist, zur Beweisführung ausreichend sein. Es ist dann unerheblich, dass der Unfall nicht von Zeugen beobachtet wurde.

Rechtsanwalt Christoph Kleinherne München
Rechtsanwalt Christoph Kleinherne
Dollinger Partnerschaft Rechtsanwälte
Rechtsanwalt · Fachanwalt für Medizinrecht · Fachanwalt für Versicherungsrecht
Maistraße 37, 80337 München
Zu meinem Profil
Lesen Sie hier weitere Fachartikel im Themenbereich Versicherungrecht & Sozialversicherung
Hier finden Sie bundesweit Rechtsanwälte für Versicherungsrecht

War dieser Expertentipp für Sie hilfreich?
Eigene Bewertung abgeben: stern_grau stern_grau stern_grau stern_grau stern_grau

Stern grau Stern grau Stern grau Stern grau Stern grau 0.0 / 5 (0 Bewertungen)
Diese Beiträge könnten Sie interessieren:
Kategorie: Anwalt Verkehrszivilrecht 17.05.2016
Sie sind unverschuldet in einen Unfall verwickelt worden und müssen Ihr Auto jetzt als Unfallfahrzeug deklarieren? Dadurch erzielen Sie für Ihr Auto im Verkaufsfall einen niedrigeren Preis. Dieser unverschuldeten Wertminderung trägt der Gesetzgeber jedoch Rechnung.
Kategorie: Anwalt Erbrecht 16.06.2016
Ein Nottestament ist ein Testament, das in einer konkreten Gefahren- oder Notsituation angefertigt wurde. Anfertigen kann in Ausnahmenfällen auch bedeuten, dass die Person seinen Willen nur mündlich unter Zeugen äußert.
Expertentipp vom 04.11.2015 (395 mal gelesen)

Eine Entscheidung des Amtsgerichts Nürnberg krempelt die Beweisfindung in vielen Verkehrssachen um. Darum geht’s: Dash-Cams sind kleine, ins Auto eingebaute Kameras, die das Verkehrsgeschehen um den Benutzer herum filmen und so auch zur Unfallaufklärung beitragen können. In vergangenen Urteilen hatten Richter immer wieder ein Beweisverwertungsverbot gegen diese speziellen Kamera-Aufzeichnungen verhängt. Die Begründungen reichen vom Datenschutz über das Recht am eigenen Bild bis hin zum Allgemeinen Persönlichkeitsrecht.

Stern Stern Stern Stern Stern grau 4.1 / 5 (26 Bewertungen)
Verhalten nach dem Verkehrsunfall - Soll ich gleich sagen, wenn ich schuld bin? © mko - topopt
Expertentipp vom 18.04.2017 (412 mal gelesen)

„Ich erkenne die Schuld an“ – mit diesem kurzen Satz beginnt oftmals großer Ärger. Den sollten Sie daher weder schriftlich noch mündlich am Unfallort äußern. Und das, obwohl der Ausspruch keinem Schuldanerkenntnis gleichkommen muss.

Stern Stern Stern Stern grau Stern grau 3.8 / 5 (20 Bewertungen)


Alle Expertentipps zum Thema Versicherungrecht & Sozialversicherung

Cookies helfen uns bei der Bereitstellung unserer Dienste. Durch die Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies setzen. Datenschutzerklärung