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Kategorie: Anwalt Steuerrecht , 29.07.2020 (Lesedauer ca. 4 Minuten, 1139 mal gelesen)

Steuertipps zum häuslichen Arbeitszimmer

junge Frau arbeitet im häuslichen Arbeitszimmer junge Frau arbeitet im häuslichen Arbeitszimmer © freepik - mko

Die meisten Arbeitnehmer können die Kosten für ein häusliches Arbeitszimmer bei ihrer Einkommenssteuer nicht steuerlich geltend machen. Es gibt allerdings Ausnahmen. In welchen Fällen sind die Kosten für das häusliche Arbeitszimmer absetzbar? Was gilt als Arbeitszimmer? Welche Kosten erkennt das Finanzamt an? Und wie sieht es bei einem gemeinsam genutzten Arbeitszimmer aus?

Grundsatz: Kosten für Arbeitszimmer können nicht steuerlich abgesetzt werden


Grundsätzlich sind die Kosten, die durch das Arbeiten zu Hause entstehen bei der Einkommenssteuerklärung nicht abzugsfähig. Es gibt aber Ausnahmen:

Ausnahme 1: Kein anderer Arbeitsplatz steht zur Verfügung


Steht einem Arbeitnehmer kein anderer Arbeitsplatz, als das häusliche Arbeitszimmer zur Verfügung, kann er die Aufwendungen für seine berufliche Tätigkeit in Höhe von max. 1.250 Euro pro Jahr als Werbungskosten bei der Einkommenssteuererklärung geltend machen.

Dies entschied der Bundesfinanzhof (Aktenzeichen VI 11/12) im Fall eines Pfarrers, der die Kosten für sein Arbeitszimmer im Pfarrhaus als Werbungskosten geltend machte, weil sein Büro wegen Baumängel nicht nutzbar war und ihm damit kein anderer Arbeitsplatz als sein häusliches Arbeitszimmer zur Verfügung stand.

In diesem Sinne entschied auch das Finanzgericht Baden-Württemberg (Aktenzeichen 6 K 610/14) im Fall eines Dirigenten, der die Ausgaben für sein häusliches als Betriebsausgaben steuerlich geltend machte. Dem Dirigenten stand für die Erfüllung zahlreicher Verwaltungsaufgaben kein anderer Platz als das häusliche Arbeitszimmer zur Verfügung.

Auch bei Poolarbeitsplätzen kann das häusliche Arbeitszimmer bei der Einkommenssteuer Berücksichtigung finden, entschied ebenfalls der Bundesfinanzhof (Aktenzeichen VI R 37/13). Ein Großbetriebsprüfer eines Finanzamtes teilte sich seinen Arbeitsplatz im Finanzamt mit weiteren sieben Mitarbeitern – sog. Poollösung. Da er an seinem Arbeitsplatz im Finanzamt nicht alle Innendiensttätigkeiten verrichten konnte, hielten die Richter die Aufwendung für sein häusliches Arbeitszimmer als steuerlich abzugsfähig.

Anders der Fall einer Stewardess: Auch sie legte eine Bescheinigung ihrer Fluggesellschaft vor, dass ihr kein anderer individueller Arbeitsplatz neben dem häuslichen Arbeitszimmer zur Verfügung steht, an dem sie sich auf Flüge vorbereiten oder Fortbildungsmaßnahmen erledigen kann. Für das Finanzgericht Düsseldorf (Aktenzeichen 8 K 1262/15 E) erschien es nicht glaubhaft, dass die Stewardess für diese, an nur wenigen Tagen im Jahr zu erledigenden Aufgaben, extra einen Raum als Arbeitszimmer vorhält. Es lehnte daher eine steuerliche Absetzbarkeit der Aufwendungen für das Arbeitszimmer ab.

Auch ein selbstständiger Coach, der sein häusliches Arbeitszimmer nur an 20 Tagen im Jahr nutzte, kann die Kosten nicht von der Steuer absetzen, entschied der Bundesfinanzhof ( Aktenzeichen VIII R 24/12).

Die Kosten für ein Arbeitszimmer können auch nicht steuerlich geltend gemacht werden, wenn ein Arbeitnehmer lediglich an ein oder zwei Tagen in der Woche im Home-Office arbeitet.

Ausnahme 2: Arbeitsplatz ist Mittelpunkt der gesamten beruflichen Tätigkeit


Ist das Arbeitszimmer der Mittelpunkt der gesamten beruflichen oder betrieblichen Tätigkeit können die Kosten uneingeschränkt steuerlich geltend gemacht werden. Diese Voraussetzung ist etwa bei Selbstständigen, Heimarbeitern oder Künstlern erfüllt.

Was gilt als Arbeitszimmer?


Damit ein Arbeitszimmer vom Finanzamt anerkannt wird, muss es sich um einen abgeschlossenen Raum mit Büromöbeln handeln. Eine Arbeitsecke im Wohnzimmer reicht dafür nicht aus. Dies entschied der Bundesfinanzhof (Aktenzeichen VIII R 10/12) im Fall eines Architekten, der Wohn- und Arbeitszimmer mit einem Raumteiler abtrennte. Der Bundesfinanzhof (Aktenzeichen GrS 1/14) stellt klar, dass die Kosten für ein gemischt genutztes Arbeitszimmer – also ein Arbeitszimmer, dass sowohl beruflich wie auch privat genutzt wird – nicht als Werbungskosten bei der Einkommenssteuer geltend gemacht werden können.

Wird ein Arbeitszimmer nur geringfügig zur beruflichen Ausübung und vereinzelt auch privat genutzt, werden die Aufwendungen ebenfalls nicht steuerlich berücksichtigt, so das Finanzgericht Rheinland-Pfalz (Aktenzeichen 6 K 2234/17). Sobald ein Raum nicht nur zur beruflichen Erzielung von Einkünften genutzt werde, sondern auch zu privaten Zwecken genutzt würde, werden die Kosten für den Raum insgesamt nicht mehr bei der Steuer berücksichtigt. Wichtig ist, dass der Raum zu 90 Prozent für berufliche Zwecke genutzt wird. Es schadet nicht, wenn ein Fitness-Gerät im Arbeitszimmer steht. Entscheidend ist, dass der Raum überwiegend beruflichen Zwecken dient.

Einen für Notfälle eingerichteten Behandlungszimmer im privaten Wohnhaus einer Ärztin, dass nur erreicht werden kann, indem private Räume durchquert werden, unterliegt laut einer Entscheidung des Bundesfinanzhofs (Aktenzeichen VIII R 11/17) nicht dem Abzugsverbot für ein häusliches Arbeitszimmer, weil eine private Nutzung des Raums nahezu ausgeschlossen ist.

Werden Kosten für Nebenräume auch steuerlich berücksichtigt?


Kosten für Nebenräume, wie Küche, Bad, Flur, die vorwiegend privat genutzt werden, sind nicht als Werbungskosten bei der Steuer abzugsfähig. Dabei ist die private Nutzung für jeden Nebenraum individuell zu prüfen. Das stellte der Bundesfinanzhof (Aktenzeichen X R 26/13) klar.

Die Kosten für den Umbau eines privat genutzten Badezimmers gehören nach Auffassung des Bundesfinanzhofs (Aktenzeichen VIII R 16/15) nicht zu den abziehbaren Aufwendungen für ein häusliches Arbeitszimmer. Zwar seien Renovierungsarbeiten, die für das gesamte Gebäude anfallen als Gebäudekosten nach dem Flächenverhältnis aufzuteilen und zu berücksichtigen, dies gelte allerdings nicht für privat genutzte Räume.

In diesem Sinne entschied auch das Finanzgericht Baden-Württemberg (Aktenzeichen 9 K 2096/12) und lehnte die Kosten für den Umbau einer auch privat genutzten Toilette als abziehbare Aufwendungen für ein häusliches Arbeitszimmer ab. Bei der Toilette handele es sich nicht um einen betriebsstättenähnlichen Raum.

Welche Kosten können bei der Steuer geltend gemacht werden?


Im Fall, dass das Arbeitszimmer der berufliche Mittelpunkt des Steuerpflichtigen ist, können alle Kosten in unbegrenzter Höhe bei der Einkommenssteuer geltend gemacht werden. Dazu gehören jeweils anteilig die Miete, Strom, Heizkosten oder alle übrigen Ausgaben, die im Zusammenhang mit dem Arbeitszimmer stehen.

Steht dem Steuerpflichtigen kein anderer Arbeitsplatz zur Erledigung seiner beruflichen Aufgaben zur Verfügung, kann er pro Jahr 1.250 Euro für berufliche Aufwendungen geltend machen.

Wie sieht es bei einem gemeinsamen Arbeitszimmer aus?


Nutzen mehrere Personen ein häusliches Arbeitszimmer, so kann jede Person seine Aufwendungen bis zu einem Höchstbetrag von 1.250 Euro bei der Einkommenssteuer geltend machen. Dies entschied der Bundesfinanzhof (Aktenzeichen VI R 53/12 u. VI R 86/13) und änderte damit seine bisherige Rechtsprechung zum Vorteil der Steuerzahler.

erstmals veröffentlicht am 27.03.2018, letzte Aktualisierung am 29.07.2020

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