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Kategorie: Anwalt Steuerrecht , 16.10.2017 (Lesedauer ca. 3 Minuten)

Steuertipps zum häuslichen Arbeitszimmer

Steuertipps zum häuslichen Arbeitszimmer © mko - topopt

Die meisten Arbeitnehmer können die Kosten für ein häusliches Arbeitszimmer bei ihrer Einkommenssteuer nicht mehr als Werbungskosten absetzen. Es gibt allerdings Ausnahmen.

Ausnahme: Kein anderer Arbeitsplatz steht zur Verfügung


Steht einem Arbeitnehmer kein anderer Arbeitsplatz, als das häusliche Arbeitszimmer zur Verfügung, kann er die Kosten als Werbungskosten bei Einkommenssteuererklärung absetzen, entschied der Bundesfinanzhof (Aktenzeichen VI 11/12). Im zu entscheidenden Fall hatte ein Pfarrer die Kosten für sein Arbeitszimmer im Pfarrhaus als Werbungskosten geltend gemacht, weil sein Büro wegen Baumängel nicht nutzbar war. Der Bundesfinanzhof stellte klar, dass als anderer Arbeitsplatz jeder Arbeitsplatz in Frage kommt, an dem Büroaufgaben erledigt werden können.

Das Finanzgericht Baden-Württemberg (Aktenzeichen 6 K 610/14) entschied im Fall eines Dirigent, dass er die Ausgaben für sein häusliches Arbeitszimmer im vollen Umfang (also in Höhe von 1.250 Euro) als Betriebsausgaben steuerlich geltend machen kann. Dem Dirigenten stand für die Erfüllung zahlreicher Verwaltungsaufgaben kein anderer Platz als das häusliche Arbeitszimmer zur Verfügung.

Anders im Fall einer Stewardess: Auch sie legte eine Bescheinigung ihrer Fluggesellschaft vor, dass ihr kein anderer individueller Arbeitsplatz neben dem häuslichen Arbeitszimmer zur Verfügung steht, wo sie sich auf Flüge vorbereiten oder Fortbildungsmaßnahmen erledigen kann. Für das Finanzgericht Düsseldorf (Aktenzeichen 8 K 1262/15 E) war es allerdings nicht glaubhaft, dass die Stewardess für diese, an nur wenigen Tagen im Jahr zu erledigenden Aufgaben, extra einen Raum als Arbeitszimmer vorhält. Es lehnte daher eine steuerliche Absetzbarkeit der Aufwendungen für das Arbeitszimmer ab.

Ausnahme: Poolarbeitsplatz


Auch bei Poolarbeitsplätzen kann das häusliche Arbeitszimmer bei der Einkommenssteuer Berücksichtigung finden, entschied ebenfalls der Bundesfinanzhof (Aktenzeichen VI R 37/13). Ein Großbetriebsprüfer eines Finanzamtes teilte sich seinen Arbeitsplatz im Finanzamt mit weiteren sieben Mitarbeitern – sog. Poollösung. Da er an seinem Arbeitsplatz im Finanzamt nicht alle Innendiensttätigkeiten verrichten konnte, hielten die Richter die Aufwendung für sein häusliches Arbeitszimmer als steuerlich abzugsfähig.

Ausnahme: Heimarbeit


Ist das Arbeitszimmer der Mittelpunkt der gesamten beruflichen oder betrieblichen Tätigkeit können die Kosten nach wie vor steuerlich geltend gemacht werden. Diese Voraussetzung ist etwa immer bei Heimarbeitern erfüllt.

Gemeinsames Arbeitszimmer: Kosten werden personenbezogen ermittelt


Nutzen mehrere Personen ein häusliches Arbeitszimmer, so kann jede Person seine Aufwendungen bis zu einem Höchstbetrag von 1.250 Euro bei der Einkommenssteuer geltend machen. Dies entschied der Bundesfinanzhof in zwei Entscheidungen (Aktenzeichen VI R 53/12 u. VI R 86/13) und änderte damit seine bisherige Rechtsprechung zum Vorteil der Steuerzahler.

Aber: Keine Berücksichtigung für Nebenräume!


Kosten für Nebenräume, wie Küche, Bad, Flur, die vorwiegend privat genutzt werden, sind nicht als Werbungskosten abzugsfähig. Dabei ist die private Nutzung für jeden Nebenraum individuell zu prüfen. Das stellte der Bundesfinanzhof (Aktenzeichen X R 26/13) klar. Damit folgt es einem Urteil des Großen Senats (Aktenzeichen GrS 1/14), der entschied, dass die Kosten für ein gemischt genutztes Arbeitszimmer – also ein Arbeitszimmer, dass sowohl beruflich wie auch privat genutzt wird – nicht als Werbungskosten bei der Einkommenssteuer geltend gemacht werden können.

Auch keine Berücksichtigung der Kosten bei nur geringfügiger beruflicher Nutzung


Die Kosten für ein Arbeitszimmer sind steuerlich allerdings nicht abzugsfähig, wenn das Arbeitszimmer nur geringfügig zur beruflichen Ausübung und vereinzelt auch privat genutzt wird. Dies entschied das Finanzgericht Rheinland-Pfalz (Aktenzeichen 6 K 2234/17). Sobald ein Raum nicht nur zur beruflichen Erzielung von Einkünften genutzt werde, sondern auch zu privaten Zwecken genutzt würde, könnten die Kosten für den Raum insgesamt nicht mehr bei der Steuer berücksichtigt werden, erläuterte das Gericht mit Hinweis auf die Rechtsprechung des Bundesfinanzhofs.

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