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Kategorie: Anwalt Versicherungsrecht , 30.11.2021 (Lesedauer ca. 3 Minuten, 535 mal gelesen)

Unfälle auf der Weihnachtsfeier- Wer haftet?

Unfälle auf der Weihnachtsfeier- Wer haftet? © magdal3na - Fotolia

Galadinner, Bowling, Kochkurse oder der Besuch eines Escape-Rooms: der Vielfalt den Teamgeist im Rahmen einer Weihnachtsfeier zu schärfern, sind kaum Grenzen gesetzt. Doch wie sieht es mit dem Versicherungsschutz des Arbeitnehmers aus, wenn es bei den Weihnachtsfeier-Aktivitäten zu einem Unfall kommt? Unter welchen Voraussetzungen kommt die gesetzliche Unfallversicherung für die Folgen auf?

Wann besteht Versicherungsschutz auf einer Weihnachtsfeier?


Damit ein Unfall auf einer Weihnachtsfeier unter dem Schutz der gesetzlichen Unfallversicherung steht, muss es sich um eine "Betriebsfeier" handeln. Unter welchen Voraussetzungen ein Firmenevent als Betriebsfeier anzusehen ist, hat das Bundessozialgericht definiert.

1. Weihnachtsfeier muss vom Unternehmen organisiert sein


Eine Weihnachtsfeier ist nur dann als Betriebsfeier anzuerkennen, wenn sie von der Betriebsleitung organisiert wurde oder zumindest im Einvernehmen mit dem Chef durchgeführt wird. Veranstalten Beschäftigte aus eigenem Antrieb eine Feier, steht diese nicht unter dem Schutz der Unfallversicherung. Das gilt auch dann, wenn die Unternehmensleitung Kenntnis von der Veranstaltung hat, stellt das Bundessozialgericht (Aktenzeichen B 2 U 7/13 R) klar.

2. Chef oder Vertreter nimmt an der Feier teil


In früheren Urteilen bestand das Bundessozialgericht darauf, dass für das Vorliegen einer Betriebsfeier der Chef oder sein Vertreter an der Feier teilnehmen. Diese Rechtsprechung hat das Bundessozialgericht aufgegeben. So ist die gesetzliche Unfallversicherung laut des Bundessozialgerichts (Aktenzeichen B 2 U 19/14 R) auch dann gegeben, wenn die Weihnachtsfeier im kleinen Kreis ausdrücklich mit der Leitung abgestimmt, die Feier im "dienstlichen" Interesse stand fand und die Firmenleitung daran unter Umständen nicht teilnimmt.

Nach Ansicht des Sozialgerichts Frankfurt am Main (Aktenzeichen S 10 U 2623/03) ist die Weihnachtsfeier und damit auch der Schutz der gesetzlichen Unfallversicherung vorbei, wenn der Chef die Weihnachtsfeier verlässt.
Das Hessische Landessozialgericht (Aktenzeichen L 3 U 71/06) ist der Auffassung, dass die Weihnachtsfeier auch vorbei sein kann, wenn der Chef und ein weiterer Mitarbeiter noch anwesend sind, das Zusammensitzen dann aber eher privaten Charakter hat.

3. Alle Betriebsangehörige sind zur Weihnachtsfeier eingeladen


Nach Auffassung des Bundessozialgerichts (Aktenzeichen B 2 U 7/13 R) sind die an betrieblichen Gemeinschaftsveranstaltung - wie zum Beispiel Betriebsausflügen und Weihnachtsfeiern - Teilnehmende als Beschäftigte grundsätzlich vom Versicherungsschutz der gesetzlichen Unfallversicherung umfasst, wenn die Teilnahme allen Mitarbeitern offensteht und die Veranstaltung von der Autorität der Betriebsleitung getragen wird. Wird eine Weihnachtsfeier aber nur von einem Team von 22 weiteren Teams außerhalb der Arbeitszeit veranstaltet und tragen die Teammitglieder die Kosten der Weihnachtsfeier selbst, kann nicht von einer Betriebsfeier ausgegangen werden, so das Bundessozialgericht. Es lehnte daher den Versicherungsschutz der gesetzlichen Unfallversicherung für den Unfall eines Teammitglieds auf einer Bowlingbahn ab.

Auch das Hessische Landessozialgericht (Aktenzeichen L 3 U 125/13) wies die Klage einer Beschäftigen auf Anerkennung eines Arbeitsunfalls ab, die sich bei einer Weihnachtswanderung mit einer kleinen Gruppe ihrer Abteilung den Arm brach. Zwar können bei großen Betrieben auch einzelne Abteilungen eine betriebliche Weihnachtsfeier durchführen, hier sei die Veranstaltung aber von vorneherein nur auf einen kleinen Teil der Beschäftigen begrenzt gewesen.

Anders das Sozialgericht Berlin (Aktenzeichen S 163 U 562/09): Es erkannt den Beinbruch einer Beschäftigten, der beim Besuch einer Bowlingbahn im Rahmen einer betrieblichen Weihnachtsfeier geschah, als einen Fall für die gesetzliche Unfallversicherung an, da es sich bei der Weihnachtsfeier um eine betriebliche Gemeinschaftsveranstaltung handelte.

4. Die Feier hat den Zweck die Betriebsverbundenheit zu fördern


Ein Unfall auf einer Weihnachtsfeier ist laut dem Verwaltungsgericht Göttingen (Aktenzeichen 3 A 190/03) vom Schutz der gesetzlichen Unfallversicherung gedeckt, wenn die Feier zur Verbesserung des Betriebsklimas dient.
Das Sozialgericht Darmstadt (Aktenzeichen S 3 U 27/07) lehnte den Versicherungsschutz der gesetzlichen Unfallversicherung für eine Fahrt mit einem Snowmobil in Lappland ab. Hier handele es sich nicht um eine Weihnachtsfeier, sondern um eine sogenannte Incentive-Reise nur bestimmte verdiente Mitarbeiter. Dies stelle keine betriebliche Gemeinschaftsveranstaltung dar, so das Darmstädter Gericht.



erstmals veröffentlicht am 04.12.2014, letzte Aktualisierung am 30.11.2021

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