anwaltssuche
Kategorie: Anwalt Verwaltungsrecht , 16.04.2021 (Lesedauer ca. 3 Minuten, 1377 mal gelesen)

Schlechte Abiturnote: Wann lohnt sich ein Widerspruch?

Schlechte Abiturnote: Wann lohnt sich ein Widerspruch? © freepik - mko

Ob für die Zulassung zum Studium oder die Bewerbung für einen Ausbildungsplatz: Eine schlechte Abiturnote können sich Schüler nicht mehr leisten. In vielen Fällen kommt es auf die Zahl hinter dem Komma an. Doch wann lohnen sich Widerspruch und Klage gegen eine schlechte Abiturnote? Und wie überprüfen die Gerichte eigentlich Schulnoten?

Wie überprüfen Gerichte Schul- und Prüfungsnoten?


Schul- und Abiturnoten resultieren aus nach Ansicht der Gerichte aus fachlichen Überlegungen und aus dem konkreten Prüfungsgeschehen. Aus diesem Grund können Gerichte nicht eigene Bewertungskriterien im Hinblick auf die Benotung einer Prüfung entwickeln, sondern sie müssen dem Lehrer einen Beurteilungsspielraum einräumen, der nur eingeschränkt überprüfbar ist.
Die gerichtliche Überprüfung beschränkt sich daher auf Verfahrensfehler, Einhaltung des Gleichbehandlungsgrundsatzes, Verletzung von allgemeingültigen Bewertungsmaßstäben, Anstellung von sachfremden Erwägungen oder unrichtige Darstellung eines Sachverhalts (so das Verwaltungsgericht Koblenz; Aktenzeichen 7 K 90/12.KO).

Wann lohnen sich Widerspruch und Klage gegen eine Note?


Gegen Noten oder Zeugnisse können Schüler innerhalb von vier Wochen nach Erhalt Widerspruch einlegen. Ist der Widerspruch erfolglos, kann eine Klage vor dem Verwaltungsgericht angestrengt werden. Dazu sollten Schüler und Eltern wissen, dass nur jede fünfte Klage gegen eine schlechte Benotung erfolgreich ist. Lehrer haben bei der Benotung einen weiten Spielraum, so dass eine Klage nur bei groben und erheblichen Verstößen des Lehrers Erfolg verspricht.

Abinote Null-Punkte - Schüler darf Abitur wiederholen!


Ein Schüler, der in einer mündlichen Abiturprüfung im Fach Religion Nullpunkte erhielt, darf sein Abitur wiederholen, entschied das Verwaltungsgericht Magdeburg (Aktenzeichen 7 A 645/13 MD).

Ein Abiturient absolvierte seine letzte von fünf Abiturprüfungen im mündlichen Fach Religion. Aufgabe war die Interpretation eines Bibelzitats und dessen Einordnung in den zeitlichen Kontext. Der Schüler hatte bei einer früheren Interpretation im Unterricht die Note eins erzielt, dieses Mal bewertete die Prüfungskommission seine Antwort mit null Punkten. Konsequenz: Der Schüler bestand sein Abitur nicht, denn in Sachsen-Anhalt gilt die Null-Punkte-Regelung. Danach fällt ein Schüler durch das Abitur, wenn er auch nur in einer Abiturprüfung null Punkte erzielt, selbst wenn seine Leistungen in diesem Fach ansonsten ausreichend und besser sind. Das Verwaltungsgericht Magdeburg hält diese Null-Punkte-Regelung in den Abiturvorschriften des Landes Sachsen-Anhalt für unverhältnismäßig und damit rechtswidrig. Glück für den Schüler, denn damit erhält er die Möglichkeit sein Abitur zu wiederholen.

Klage gegen Berechnungsmodus im Abitur scheiterte


Ein Abiturient scheiterte mit seiner Klage auf Neuberechnung seiner Abiturnote von 1,6 auf 1,5 vor dem Oberverwaltungsgericht Rheinland-Pfalz (Aktenzeichen 2 A 10910/14.OVG). Der Abiturient war der Auffassung, dass der Berechnungsmodus zur Ermittlung seiner Abiturnote rechtswidrig war. Obwohl er keine freiwillige Facharbeit geschrieben habe, sei die von ihm im „Qualifikationsbereich“ erreichte Gesamtpunktzahl durch 44 geteilt worden, wenngleich er nur 43 Einzelleistungen eingebracht habe. Das habe zur Folge, dass sich die Nichterbringung einer freiwilligen Leistung für ihn rechnerisch nachteilig niedergeschlagen habe. Das sah das Gericht anders: Die Note im Abiturzeugnis sei in zulässiger Weise berechnet worden. Ein Schüler, der keine Facharbeit erstellt habe, erhalte in der Qualifikationsphase auch insoweit keine Punkte. Dadurch, dass die zusätzliche Leistung einer freiwilligen Facharbeit in Form von zusätzlichen Punkten auch belohnt werden soll, während es sich für diejenigen, die die zeitaufwendige Erstellung einer zusätzlichen Arbeit scheuten, lediglich neutral auswirke, liege eine bewusste Ungleichbehandlung ungleicher Sachverhalte vor. Eine Verletzung des Gleichheitsgebotes sei daher nicht erkennbar. Auch die angewendete Berechnungsformel sei rechtmäßig und insbesondere, als mathematische Berechnungsformel, nicht auslegungsfähig. Selbst für den Fall, dass man von einer Gesamtnichtigkeit der im Streit stehenden Abiturprüfungsordnung ausgehen wollte und daher die vorherige Prüfungsordnung anzuwenden sei, könne der Abiturient ohne Facharbeit keinen bessere Abiturdurchschnitt erzielen, da er auch nach der vorherigen Prüfungsordnung einen Notendurchschnitt von 1,6 erzielt hätte, so die Trierer Verwaltungsrichter.

Mündliche Abiprüfung: Prüfungsfragen dürfen über Unterrichtsinhalt hinausgehen


Das Verwaltungsgericht Koblenz (Aktenzeichen 7 K 1278/05.KO) hat klargestellt, dass in einer mündlichen Abiturprüfung auch Fragen gestellt werden dürfen, die über die im Unterricht vermittelten Inhalte hinausgehen. In einer Abiturprüfung gehöre es zum Anforderungsprofil auch selbständige Begründungen, Folgerungen, Deutungen und Wertungen zu verlangen.

Endkorrektor darf sich nur bei rechtswidriger Beurteilung über Erst- und Zweitkorrektur hinwegsetzen


Der Endkorrektor einer Abiturklausur darf sich nur dann über die Bewertung des Erst- und Zweitkorrektors hinwegsetzen, wenn diese offensichtlich rechtswidrig sind, entschied das Verwaltungsgericht Freiburg (Aktenzeichen 2 K 1145/13).

Übrigens: Privater Abitur-Vorbereitungskurs kann nicht wegen Krankheit gekündigt werden


Ein Schüler kann aufgrund von häufigen krankheitsbedingten Fehlzeiten den Vertrag mit einer Privatschule über einen Vorbereitungskurs zum Abitur nicht einfach kündigen und die Zahlung des Schulgelds verweigern, entschied das Amtsgericht München (Aktenzeichen 242 C 15750/16). Laut einem Sachverständigengutachten litt der Schüler schon seit längerer Zeit unter einem Reizdarm. Es handelte sich somit nicht um eine plötzlich eintretende Erkrankung, die er bei Vertragsabschluss nicht kannte. Der Schüler habe trotz des bekannten Krankheitsrisikos den Vertrag zum Vorbereitungskurs auf das Abitur mit der Privatschule abgeschlossen. Das Risiko von krankheitsbedingten Fehlzeiten falle somit in Sphäre des Schülers. Eine außerordentliche Kündigung des Schulvertrages komme daher nicht in Betracht.

erstmals veröffentlicht am 27.06.2016, letzte Aktualisierung am 16.04.2021

Lesen Sie hier weitere Fachartikel im Themenbereich Staat & Verwaltung
Hier finden Sie bundesweit Rechtsanwälte für Verwaltungsrecht