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Kategorie: Anwalt Arbeitsrecht , 01.09.2015 (Lesedauer ca. 2 Minuten)

Arbeit: Kündigung wegen Diebstahls von 8 halben Brötchen?

Belegte Brötchen, Pommes oder Frikadellen: Arbeitnehmer, die an ihrem Arbeitsplatz auch nur geringwertige Lebensmittel entwenden und verzehren, riskieren eine fristlose Kündigung ihres Arbeitsverhältnisses. Dies musste aktuell auch eine Krankenschwester erfahren, die 8 halbe Brötchen des Arbeitgebers verzehrte und daraufhin eine fristlose Kündigung erhielt.

Fristlose Kündigung wegen Verzehr von 8 halben Brötchen unwirksam!


Im zugrundeliegenden Fall hatte eine Krankenschwester 8 belegte Brötchen aus dem Kühlschrank genommen, die eigentlich für externe Mitarbeiter vorgesehen waren. Die Frau nahm die Brötchen mit in ihren Pausenraum und verzehrte die Hälfte, den Rest aßen die Kollegen. Auf den Vorfall angesprochen, gab sie dies zu und entschuldigte ihren „Diebstahl“ damit, dass man ihr eigenes Essen aus dem Kühlschrank geklaut habe. Ihr Arbeitgeber kündigte ihr daraufhin fristlos das Arbeitsverhältnis.

Die Krankenschwester klagte gegen die außerordentliche Kündigung und erhielt vom Arbeitsgericht Berlin (Aktenzeichen 27 Ca 87/15) Recht. Die Richter begründeten ihre Entscheidung wie folgt: Grundsätzlich könne auch der Diebstahl geringwertiger Sachen, wie Brötchenhälften, zu einer fristlosen Kündigung des Arbeitsverhältnisses führen. Ob der Arbeitgeber gegenüber dem Arbeitnehmer in diesen Fällen zunächst eine Abmahnung aussprechen müsse, hänge davon ab, ob verlorenes Vertrauen überhaupt wieder hergestellt werden könne. In diesem Fall sei eine Kündigung der Krankenschwester unverhältnismäßig. Die Arbeitnehmerin habe 23 Jahre lange für ihren Arbeitgeber ohne Beanstandungen gearbeitet. Sie nun fristlos zu kündigen, weil sie 8 fremde belegte Brötchen zusammen mit ihren Kollegen gegessen habe, stehe in keinem Verhältnis. Hier habe zunächst eine Abmahnung erfolgen müssen.

Fristlose Kündigung wegen Verzehr von zwei Omelettes wirksam!


Das Arbeitsgericht Neunkirchen (Aktenzeichen 2 Ca 856/11) hielt hingegen die fristlose Kündigung einer Verkäuferin in einer Bäckerei für wirksam, weil diese zwei Omeletts unbezahlt gegessen hatte und ein belegtes Brötchen mitnahm. Für das Gericht waren der Verzehr und die Mitnahme der Lebensmittel aufgrund von Zeugenaussagen bewiesen. Dies reichte für die Arbeitsrichter aus, um dem Arbeitgeber einen wichtigen Grund zu zusprechen um das Arbeitsverhältnis mit der Verkäuferin sofort zu beenden.

Fristlose Kündigung wegen Verzehr von Pommes und Frikadellen unwirksam!


Das Landesarbeitsgericht Hamm (Aktenzeichen 8 Sa 711/10) entschied im Fall eines Arbeitnehmers, der in der Gastronomie beschäftigt war und dort unbezahlt Pommes und Frikadellen verzehrte und deshalb eine fristlose Kündigung kassierte, arbeitnehmerfreundlich. Der unbezahlte Verzehr dieser Lebensmittel stellte für die Arbeitsrichter keinen wichtigen Grund für eine außerordentliche Kündigung dar. Das Arbeitsgericht trug dabei unter anderem der Tatsache Rechnung, dass der Arbeitnehmer 19 Jahre zum Betrieb gehörte. Auch hier hielt das Gericht zunächst eine Abmahnung für angebracht.

So ist die außerordentliche Kündigung eines Gastronomie-Mitarbeiters wegen des Verzehrs von Pommes frites und Frikadellen nach einer Gerichtsentscheidung des Landesarbeitsgerichts Hamm (Az.: 8 Sa 711/10) unwirksam. Für die Richter war der behauptete Verzehr der Pommes frites und der Frikadellen kein wichtiger Grund für die fristlose Kündigung. Dabei wurde insbesondere die 19-jährige Betriebszugehörigkeit und der Umstand, dass der Kläger nach den Tarifverträgen des öffentlichen Dienstes nur noch außerordentlich kündbar ist, vom Gericht berücksichtigt. Als milderes Mittel hätte laut Gericht zunächst eine Abmahnung ausgesprochen werden müssen, die dem Kläger als letzte Warnung die Möglichkeit gegeben hätte, das behauptete Verhalten zu überdenken.

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