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Kategorie: Anwalt Erbrecht , 07.06.2016 (Lesedauer ca. 2 Minuten)

Erbrecht: Erbe annehmen oder ausschlagen?

Ein Erbfall ist nicht immer Grund zur Freude. Schulden und Verbindlichkeiten- Viele Erben wissen nicht was sie mit dem Antritt des Erbes erwartet.

Überblick über wirtschaftliche Situation des Erblassers verschaffen!


Um entscheiden zu können, ob man eine Erbschaft annimmt oder besser ausschlägt, sollte man sich zunächst einen Überblick über die wirtschaftliche Situation des Erblassers verschaffen. Hier gilt es Fragen zu klären wie, bestehen Unfall- /Lebensversicherungen die mit dem Tod fällig werden? Gibt es Ansprüche gegen eine private Sterbegeldversicherung? Aber auch: Welche Verbindlichkeiten bestehen? Gibt es Schuldner des Erblassers? Bestehen private Kredite?

Ein Erbe haftet uneingeschränkt. Kommt der Erbe zur Erkenntnis, dass der Nachlass überschuldet ist, empfiehlt es sich daher die Erbschaft auszuschlagen, da der Erbe auch für die Schulden des Erblassers mit dem eigenen Vermögen einsteht.

Vorsicht: Erbannahme auch durch schlüssiges Verhalten möglich!


Eine Erbschaft kann nicht mehr ausgeschlagen werden, wenn der Erbe sie bereits durch schlüssiges Verhalten angenommen hat. Dies ist beispielsweise dann der Fall, wenn er gegenüber Versicherungen des Erblassers Ansprüche geltend gemacht hat oder wenn er sich einen Erbschein ausstellen lassen möchte.
Frist für Erbausschlagung beachten!
Für die Erbausschlagung gibt es eine Frist. Die Erbausschlag muss dem zuständigen Nachlassgericht binnen sechs Wochen nach dem Tod des Erblassers und der Kenntnis von dessen Tod mitgeteilt werden.

Erbe kann Drei-Monatseinrede erheben!


Oft reichen sechs Wochen nicht, um sich ein Bild über den Nachlass zu machen. Es gibt die Möglichkeit, die Erbenhaftung einzuschränken. Zunächst kann der Erbe die Drei-Monatseinrede erheben. Der Erbe kann so die Begleichung von Nachlassverbindlichkeiten erst mal drei Monate zurückstellen, um sich einen Überblick zu verschaffen.

Haftungsbeschränkung des Erben


Stellt sich heraus, dass der Nachlass überschuldet ist, gibt es die Möglichkeit die Haftung des Erben auf den Nachlass zu beschränken. Dafür muss der Erbe ein Nachlassinsolvenzverfahren beim Insolvenzgericht beantragen. Dies muss er tun, sobald er Kenntnis von der Überschuldung des Nachlasses erlangt. Anderenfalls macht er sich gegenüber den Nachlassgläubigern schadensersatzpflichtig. Was nach dem Nachlassinsolvenzverfahren noch übrig bleibt, steht dem Erben zu.

Anfechtung der Erbschaftsannahmeerklärung


Eine Möglichkeit sich von der Erbschaft nach deren Annahme wieder zu lösen, ist die Anfechtung der Annahmeerklärung der Erbschaft. Voraussetzung dafür ist allerdings, dass man entweder durch Drohung oder Täuschung zu Annahme gezwungen wurde, oder wenn man bei der Annahme der Erbschaft einem Irrtum unterlegen ist. Die Anfechtungsfrist beträgt auch hier sechs Wochen ab Kenntnis des Anfechtungsgrundes.
erstmals veröffentlicht am 28.10.2014, letzte Aktualisierung am 07.06.2016

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