anwaltssuche
Kategorie: Anwalt Arbeitsrecht , 27.09.2019 (Lesedauer ca. 4 Minuten)

Minijob – Rechte und Pflichten für geringfügig Beschäftigte

Minijob – Rechte und Pflichten für geringfügig Beschäftigte © freepik - mko

Was versteht man unter einem Minijob? Müssen Sozialabgaben und Steuern gezahlt werden? Gibt es einen Urlaubsanspruch? Wie sieht es mit dem Kündigungsschutz aus? Wie viele Minijobs darf man haben? Unsere Checkliste klärt Schritt für Schritt Ihre Fragen zum Thema Minijobs – garantiert aktuell, kompetent und verständlich!

Was ist ein Minijob?


Unter Minijob versteht man eine geringfügige Beschäftigung, die entweder in der Höhe des Verdienstes begrenzt (450-Euro-Minijob) oder zeitlich begrenzt ist (kurzfristiger Minijob).

Beim 450-Euro-Minijob ist es wichtig, dass der Arbeitnehmer nicht mehr als 450 Euro im Monat verdient. Dabei sind die geleistete Arbeitszeit und das Arbeitspensum unerheblich.

Bei kurzfristigen Minijobs spielt die Höhe des Verdienstes keine Rolle, sondern die Zeitbegrenzung. Hier ist zu beachten, dass der Arbeitnehmer nicht mehr als insgesamt 70 Arbeitstage oder drei Monate im Jahr arbeitet.

450-Euro-Minijob – Worauf Sie achten müssen!


Wo liegt die Verdienstgrenze?


Minijob ZeitungsausträgerBei einem 450-Euro-Minijob darf ein Arbeitnehmer bis zu 450 Euro im Monat bzw. 5.400 Euro im Jahr verdienen. Wird diese Verdienstgrenze überschritten, handelt es sich bei dem Beschäftigungsverhältnis, nicht mehr um einen Minijob.

Aufgepasst. Sonderzahlungen, wie Urlaubs- oder Weihnachtsgeld zählen zum Verdienst! Steuerfreie Einnahmen, wie Nachtarbeitszuschläge, hingegen nicht.

Aufwandsentschädigungen aus nebenberuflichen Tätigkeiten, wie etwa als Ausbilder, Betreuer oder Ehrenamtler, sind steuerfrei und werden bis zu einer bestimmten Höhe nicht dem Verdienst zugerechnet.

Wichtig zu wissen: Auch für Minijobber gilt der gesetzliche Mindestlohn!

Welche Abgaben und Steuern fallen an?


Minijobber auf 450-Euro-Basis müssen nur ihren Arbeitnehmer-Anteil an den Rentenversicherungsbeiträgen bezahlen. Dieser liegt bei den gewerblichen Minijobs bei 3,6 Prozent und bei Minijobs in privaten Haushalten bei 13,6 Prozent. Es gibt die Möglichkeit sich von der Rentenversicherungspflicht befreien zu lassen.

Der Arbeitgeber trägt den Löwenanteil der Abgaben und Steuern. Er zahlt Kranken-, Renten- und Unfallversicherungsbeiträge sowie die Lohnsteuer. Bei der Rentenversicherung zahlt der der Arbeitgeber bei gewerblichen Minijobs einen Pauschalanteil von 15 Prozent und bei Minijobs in privaten Haushalten von fünf Prozent.

Wieviele Minijobs darf man haben?


Minijob BäckereiEin Minijobber ohne sozialversicherungspflichtigen Hauptjob kann mehrere 450-Euro-Minijobs ausüben, er darf nur insgesamt die Verdienstgrenze von 450 Euro monatlich nicht überschreiten. Sollte dies geschehen, gelten alle Jobs nicht mehr als Minijob und sind versicherungspflichtig.

Wer bereits einer sozialversicherungspflichtigen Tätigkeit nachgeht, darf nur einen weiteren Minijob sozialversicherungsfrei ausüben. Weitere Minijobs werden der sozialversicherungspflichtigen Tätigkeit zugerechnet und damit sozialversicherungs- und steuerpflichtig.

Besteht ein Kündigungsschutz?


Für Minijobber gilt der gleiche Kündigungsschutz wie für jeden anderen Arbeitnehmer auch. Hier gibt es keine Besonderheiten: Damit der allgemeine Kündigungsschutz greift, müssen mehr als zehn Beschäftigte und der Arbeitnehmer länger als sechs Monate im Betrieb beschäftigt sein. Ist dies erfüllt, kann der Arbeitnehmer nur bei Vorliegen eines zulässigen Kündigungsgrundes das Minijob-Arbeitsverhältnis kündigen. Auch im Hinblick auf die Kündigungsfristen gibt es keine Besonderheiten zu anderen Beschäftigungsverhältnissen.

Gibt es einen Anspruch auf Urlaub?


Das Bundesurlaubsgesetz gilt auch für Minijobber. Danach hat ein Arbeitnehmer einen Anspruch auf Urlaub von mindestens 24 Werktagen bei einer Sechs-Tage-Woche. Minijobber arbeiten in der Regel nicht an sechs Tagen in der Woche. Aus diesem Grund wird der Urlaubsanspruch abhängig von der Anzahl der Arbeitstage pro Woche errechnet.

Wie sieht es mit Lohnfortzahlung, Urlaubs- und Weihnachtsgeld aus?


Grundsätzlich haben Minijobber, wie auch alle übrigen Arbeitnehmer, keinen gesetzlichen Anspruch auch Sonderzahlungen. Minijobber können aber aufgrund von betrieblichen Übungen oder entsprechenden Regelungen in einem Tarifvertrag einen Anspruch auf Urlaubs- und Weihnachtsgeld haben. Bei diesen Sonderzahlungen sollte immer die Verdienstgrenze von jährlich 5.400 Euro im Auge behalten werden. '

Minijobber haben bei Krankheit, Krankheit des Kindes, Schwangerschaft und Mutterschaft und Arbeitsausfall aufgrund von Feiertagen einen Anspruch auf Lohnfortzahlung.

Kurzfristiger Minijob – Das müssen Sie wissen!


Bei kurzfristigen Minijobs kommt es entscheidend auf die gelegentliche Beschäftigung an. Ist der Minijob dauerhaft und regelmäßig, also nicht nur gelegentlich, liegt kein kurzfristiger Minijob vor. Dabei ist es unerheblich, ob der Arbeitnehmer weniger als 70 Arbeitstage im Jahr arbeitet. Arbeitnehmer und Arbeitgeber können, um dies zu vermeiden, eine Rahmenvereinbarung treffen, wonach die Beschäftigung für längstens zwölf Monate auf 70 Arbeitstage beschränkt wird. Nach dem Ablauf der Rahmenvereinbarung kann nach zwei Monaten Pause eine neue Rahmenvereinbarung getroffen werden.

Ob ein kurzfristiger Minijob vorliegt oder eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung, hängt auch davon ab, ob der Arbeitnehmer berufsmäßig arbeitet. Dies ist der Fall, wenn die Beschäftigung den Lebensunterhalt des Arbeitnehmers sichert und nicht nur nebenbei erfolgt. Liegt eine Berufsmäßigkeit vor, müssen Sozialversicherungsbeiträge gezahlt werden.

Wie viele kurzfristige Minijobs darf man haben?


Bei kurzfristigen Minijobs dürfen mehrere Minijobs ausgeübt werden, wenn die Zeitbegrenzung von drei Monaten oder 70 Arbeitstagen pro Jahr eingehalten wird. Arbeitet ein Minijobber fünf Arbeitstage pro Woche, ist seine Arbeitszeit auf drei Monate beschränkt.

Welche Abgaben und Steuern fallen an?


Minijob KassiererinBei kurzfristigen Minijobs müssen unabhängig von der Höhe des Verdienstes keine Kranken-, Pflege-, Renten- und Arbeitslosenversicherung sowie Sozialversicherungsbeiträge gezahlt werden. Weder vom Arbeitgeber, noch vom Arbeitnehmer. Gezahlt werden müssen vom Arbeitgeber aber die Beiträge zur gesetzlichen Unfallversicherung. Für kurzfristige Minijobs muss immer Lohnsteuer gezahlt werden.

Gibt es Besonderheiten beim Kündigungsschutz, Urlaubsanspruch, Lohnfortzahlung und Sonderzahlungen?


Nein. Für kurzfristige Minijobs gelten die gleichen arbeitsrechtlichen Regelungen beim Kündigungsschutz, Anspruch auf Urlaub, Lohfortzahlung und Sonderzahlungen wie beim 450-Euro-Minijob.

Minijob – Hier wird Ihnen geholfen


Bei rechtlichen Fragen rund um das Thema Minijob sind Sie bei einem erfahrenen und kompetenten Anwalt für Arbeitsrecht in den besten Händen. Vertiefende Informationen finden Sie zudem auf der Internetpräsenz der Minijob-Zentrale.


Lesen Sie hier weitere Fachartikel im Themenbereich Arbeitsrecht
Hier finden Sie bundesweit Rechtsanwälte für Arbeitsrecht

War dieser Expertentipp für Sie hilfreich?
Eigene Bewertung abgeben: stern_grau stern_grau stern_grau stern_grau stern_grau

Stern Stern Stern Stern grau Stern grau 3.7 / 5 (23 Bewertungen)
Diese Beiträge könnten Sie interessieren:
Kategorie: Anwalt Arbeitsrecht 16.11.2017
Für schwangere Frauen gelten umfassende gesetzliche Schutzvorschriften am Arbeitsplatz. Vor und nach der Geburt besteht Mutterschutz - Schwangere müssen in dieser Zeit nicht arbeiten, bekommen aber ihr volles Gehalt. Auch Kündigungen durch den Arbeitgeber sind während des Mutterschutzes nicht oder nur in besonderen Ausnahmefällen möglich.
Falsche Angaben im Unterhaltsverfahren können zum Verlust des Unterhaltsanspruchs führen © DOC RABE Media - Fotolia
Expertentipp vom 27.10.2017 (101 mal gelesen)

Nach einer Trennung kann ein Ehegatte Unterhalt vom Ex-Partner verlangen, wenn dieser über mehr Einkommen verfügt. In vielen Fällen kommt es an dieser Stelle zum Streit und das Familiengericht muss über Unterhaltsansprüche entscheiden. Macht ein Ehegatte hier falsch oder unvollständige Angaben zu seinem Einkommen, kann ihm der Unterhalt verwehrt werden.

Stern Stern Stern Stern Stern grau 4.6 / 5 (7 Bewertungen)
Aufhebungsvertrag – Wie läuft das ab? © mko - topopt
Expertentipp vom 12.07.2019 (252 mal gelesen)

Wann sollte man einen Aufhebungsvertrags vereinbaren? Wie hoch ist die Abfindung? Gibt es immer eine Sperrzeit beim Arbeitslosengeld? Was geschieht mit dem Resturlaub? Unsere Checkliste beantwortet die wichtigsten Fragen zum Aufhebungsvertrag und hilft Arbeitgebern und Arbeitnehmern klassische Fehler zu vermeiden – aktuell, kompetent und verständlich. (Aufhebungsvertrag Muster) Podcast podcast

Stern Stern Stern Stern grau Stern grau 3.5 / 5 (6 Bewertungen)


Alle Expertentipps zum Thema Arbeitsrecht

Cookies helfen uns bei der Bereitstellung unserer Dienste. Durch die Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies setzen. Datenschutzerklärung