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Kategorie: Anwalt Arbeitsrecht , 11.07.2019 (Lesedauer ca. 6 Minuten)

Arbeitsvertrag - Grundlage des Berufslebens

Arbeitsvertrag - Grundlage des Berufslebens © mko - topopt

Gilt auch ein mündlicher Arbeitsvertrag? Wann darf ein Arbeitsvertrag befristet werden? Lohnt sich der Verzicht auf eine Probezeit? Muss der Urlaub im Arbeitsvertrag geregelt werden? Sind Vertragsstrafen üblich? Unsere Checkliste klärt Schritt für Schritt Ihre Fragen zum Arbeitsvertrag – garantiert aktuell, kompetent und verständlich!

Das regelt der Arbeitsvertrag

Hand unterschreibt ArbeitsvertragEin unbefristeter Arbeitsvertrag ist im Hinblick auf Form und Inhalt keinen gesetzlichen Regelungen unterworfen. So hat das Landesarbeitsgericht Kiel (Aktenzeichen 1 Sa 23/18) entschieden, dass ein Arbeitsvertrag schlicht dadurch zustande kommen kann, dass der Arbeitnehmer seine Arbeit tatsächlich aufnimmt und der Arbeitgeber die Arbeit annimmt. Ausnahme: Eine Befristung im Arbeitsvertrag muss immer schriftlich vereinbart werden.

Darüber hinaus gilt bei allen Arbeitsverträgen eine Nachweispflicht im Sinne des Nachweisgesetzes, wonach der Arbeitgeber spätestens einen Monat nach Arbeitsantritt des Arbeitnehmers die Mindestanforderungen des Arbeitsverhältnisses schriftlich dokumentieren muss. Zu den Mindestanforderungen gehören Name und Anschrift der Vertragsparteien, Dauer des Arbeitsverhältnisses, Datum des ersten Arbeitsantritts, Tätigkeitsbeschreibung, Arbeitszeitvereinbarung, Urlaubsregelungen und Kündigungsfristen.

Tätigkeitsbeschreibung

Die Tätigkeitsbeschreibung ist ein wichtiger Bestandteil des Arbeitsvertrages. Je genauer die zukünftige Tätigkeit im Arbeitsvertrag beschrieben wird, desto eher kann ein Arbeitnehmer andere weniger qualifizierte Aufgaben, die ihm der Arbeitgeber zu weist, ablehnen. Auch sollten Stellenbezeichnungen, wie zum Beispiel „Sachbearbeiter“, konkret beschrieben werden. Ein Blick in die Stellenanzeige hilft bei der Formulierung.

Arbeitszeit

Frau unterschreibt Arbeitsvertrag Im Hinblick auf die Arbeitszeit stellt das Arbeitszeitgesetz klare Regeln auf. Danach darf die tägliche Arbeitszeit acht Stunden nicht überschreiten. Zehn Stunden dürfen nur gearbeitet werden, wenn innerhalb einer Zeitspanne von sechs Monaten eine durchschnittliche Arbeitszeit von acht Stunden nicht überschritten wurde. Die Arbeitstage müssen durch eine Ruhezeit von mindestens elf Stunden voneinander getrennt sein. Nach sechs Arbeitsstunden steht dem Arbeitnehmer eine 30minütige Pause zu. Die Arbeit an Sonn- und Feiertagen ist nur für bestimmt Branchen erlaubt und muss mit Freizeit ausgeglichen werden.

Der Umgang mit dem Arbeitszeitkonto sollte im Arbeitsvertrag geregelt werden. Überstunden dürfen vom Arbeitgeber nicht einseitig angeordnet werden, wenn diese nicht im Arbeitsvertrag vereinbart wurden. Sie dürfen nicht pauschal mit dem monatlichen Bruttogehalt abgegolten werden. Überstunden werden in der Regel ausgezahlt oder mit Freizeit ausgeglichen. Dies gilt es im Arbeitsvertrag zu vereinbaren.
Bei Minusstunden kann im Arbeitsvertrag geregelt werden, wie diese verrechnet werden. Minusstunden, die der Arbeitnehmer nicht zu vertreten hat, können ihm auch nicht nachteilig ausgelegt werden.

Probezeit

In vielen Arbeitsverträgen wird eine Probezeit vereinbart. Dies gibt Arbeitnehmer und Arbeitgeber die Möglichkeit sich unkompliziert voneinander zu trennen, wenn es nicht miteinander klappt. Die Dauer der Probezeit ist nicht gesetzlich vorgeschrieben. In der Regel beträgt sie sechs Monate.

Urlaub

glückliche Asiatin hat Arbeitsvertrag unterschriebenDer Anspruch eines Arbeitnehmers auf Urlaub wird im Bundesurlaubsgesetz geregelt. Danach hat jeder Arbeitnehmer mit einer sechstage Arbeitswoche einen Anspruch auf 24 freie Werktage im Jahr. Bei einer fünftage Woche ergibt sich ein Urlaubsanspruch vom 20 Tagen pro Jahr. Jugendliche haben laut Jugendarbeitsschutzgesetz einen Urlaubsanspruch von jährlich 30 Tagen. Darüber hinaus kann der Arbeitnehmer mit dem Arbeitgeber im Arbeitsvertrag noch weitere Urlaubstage vereinbaren.

Kündigung

Ein wichtiger Punkt im Arbeitsvertrag ist die Ausgestaltung der Kündigung. Dabei dürfen die gesetzlichen Kündigungsfristen nicht unterschritten werden.

Ist im Arbeitsvertrag keine abweichende Kündigungsfrist geregelt, gilt eine Frist von vier Wochen zum Monatsende oder zur Monatsmitte. Zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer können aber auch längere Kündigungsfristen vertraglich vereinbart werden.

Kürzere Kündigungsfristen sind nur in Ausnahmefällen möglich.

Viele Kündigungsklauseln in Arbeitsverträgen stellen sich im Nachhinein als unwirksam heraus. Hier empfiehlt sich eine Beratung vom Arbeitsrechtsexperten!


In einem Arbeitsvertrag können zusätzlich noch eine Vielzahl von Vereinbarungen, etwa zu Vertragsstrafen, Geheimhaltungspflichten, Sonderzuwendungen, etc. getroffen werden. Eine Orientierung, wie ein Arbeitsvertrag aussehen kann, finden Sie in unserem kostenlosen Muster „Arbeitsvertrag. Dies ersetzt jedoch nicht die kompetente Beratung eines Anwalts für Arbeitsrecht, der individuell auf Ihre Wünsche und Forderungen bei der Ausgestaltung Ihres Arbeitsvertrag eingeht.

Arbeitsvertrag Muster

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Eine Orientierung, wie ein Arbeitsvertrag aussehen kann, finden Sie in diesem Muster „Arbeitsvertrag“
Quelle: anwaltssuche.de, 15.02.2019 Downloads: 104

Arbeitsvertrag – So gehen Arbeitnehmer am besten vor

Frau erklärt Mann einen ArbeitsvertragIst das Bewerbungsgespräch um einen neuen Job erfolgreich gelaufen, stehen die Verhandlungen zwischen Arbeitnehmer und Arbeitgeber um den Arbeitsvertrag an. Dabei sollten Sie wie folgt vorgehen:

Seien Sie beim Einstellungsgespräch vorsichtig!

Lassen Sie sich im Einstellungsgespräch nicht über persönliche Dinge vom Arbeitgeber ausfragen. So sind Ihre Absicht eine Familie zugründen, Ihre Religionszugehörigkeit oder Freizeitgestaltung in der Regel keine Informationen, die Sie dem zukünftigen Arbeitgeber geben müssen.

Verhandeln Sie über wichtige Positionen!

Verhandeln Sie über alle Positionen, die Ihnen wichtig sind: Gehalt, Urlaub, Fortbildung, Übernahme der Umzugskosten, Home-Office-Tage, Sonderzuwendungen, Arbeitszeit und Arbeitsort. Wer sich hier aus falscher Bescheidenheit zurück nimmt, hat es nach Abschluss des Arbeitsvertrages viel schwerer seine Forderungen durchzusetzen.

Bestimmen Sie Ihre Tätigkeit genau!

Schauen Sie genau auf die Stellenbeschreibung. Je detailliert die Stellenbeschreibung im Arbeitsvertrag beschrieben ist, desto schwieriger wird es für den Arbeitgeber Sie an eine andere Stelle im Unternehmen zu versetzen.

Prüfen Sie den Arbeitsvertrag auf formale und inhaltliche Fehler!


Prüfen Sie den Arbeitsvertrag auf seine formale und inhaltliche Richtigkeit. Eine Liste mit hilfreichen Fragen finden Sie in unserer Checkliste „Wichtige Fragen zum Arbeitsvertrag“. Eventuelle Fehler sollten unbedingt vor der Unterschrift korrigiert werden!

Checkliste Arbeitsvertrag prüfen

Formular Checkliste Arbeitsvertrag prüfen Checkliste Arbeitsvertrag prüfen
Mit dieser Checkliste prüfen Sie Ihren Arbeitsvertrag auf formale und inhaltliche Richtigkeit. Eventuelle Fehler sollten unbedingt vor der Unterschrift korrigiert werden!
Quelle: anwaltssuche.de, 15.02.2019 Downloads: 28


Unterschreiben Sie nie unter Druck!

Unterzeichnen Sie den Arbeitsvertrag nie unter Druck! Lassen Sie sich ausreichend Zeit zur Prüfung und für Nachfragen.

TOP-Irrtümer beim Arbeitsvertrag

Diese Irrtümer treten im Zusammenhang mit dem Arbeitsvertrag immer wieder auf:

Top-Irrtum: Nur ein schriftlicher Arbeitsvertrag gilt

Für den unbefristeten Arbeitsvertrag gibt es kein Schriftformerfordernis. Das bedeutet auch ein mündlicher Arbeitsvertrag ist wirksam. Zu Beweiszwecken empfiehlt es sich aber immer einen Arbeitsvertrag schriftlich abzuschließen.

Top-Irrtum: Probezeitverzicht führt zum Kündigungsschutz

Der Verzicht auf eine Probezeit führt nicht zu einem sofortigen Kündigungsschutz. Dieser tritt immer erst ein, wenn das Arbeitsverhältnis sechs Monate und länger besteht. Arbeitnehmer und Arbeitgeber berauben sich mit einem Verzicht auf eine Probezeit nur der Option, sich schnell und unkompliziert voneinander zu trennen.

Top-Irrtum: Überstunden müssen immer extra vergütet werden

Die Vergütung von Überstunden kann zum Teil mit dem Gehalt abgegolten werden, wenn dies so im Arbeitsvertrag vereinbart wurde. Die Abgeltung aller Überstunden durch das Gehalt ist unwirksam.

Top-Irrtum: Unzulässige Klauseln werden mit Unterschrift wirksam

Enthält der Arbeitsvertrag unwirksame Klauseln, etwa im Hinblick auf Vertragsstrafen, werden diese Klauseln nicht durch das Unterzeichnen des Arbeitsvertrags wirksam. Der Arbeitsvertrag gilt dann in diesem Punkt nicht.

Top-Irrtum: Befristung bei erneuter Einstellung verboten

Eine Befristung ist bei einem Arbeitsvertrag immer möglich, wenn dafür ein sachlicher Grund besteht. Das kann etwa eine Schwangerschaftsvertretung oder eine Vertretung im Krankheitsfall sein.


Kompetente und schnelle Beratung vom Anwalt für Arbeitsrecht
Ein Arbeitsvertrag bildet die rechtliche Grundlage Ihres zukünftigen Berufslebens. Viele Unstimmigkeiten im Berufsalltag können mit Hilfe von arbeitsvertraglichen Vereinbarungen bereits im Vorfeld vermieden werden. Vertrauen Sie Ihre berufliche Zukunft der kompetenten Beratung eines erfahrenen Anwalts für Arbeitsrecht an.



Anwalt konsultieren - was ist zu beachten?

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Häufige Fragen und Antworten zum Arbeitsvertrag


+ Arbeitsvertrag - was muss rein?

Die Mindestanforderungen eines Arbeitsvertrages sind im Nachweisgesetz geregelt. Was alles im Arbeitsvertrag stehen sollte, finden Sie in unserer Checkliste.


+ Wo Arbeitsvertrag prüfen lassen?

Ein Anwalt für Arbeitsrecht ist der kompetente und erfahrene Ansprechpartner für die Prüfung eines Arbeitsvertrags.


+ Arbeitsvertrag - wer bekommt das Original?

Der Arbeitsvertrag wird am besten in zweifacher Ausfertigung erstellt, jeweils mit den Originalunterschriften von Arbeitgeber und Arbeitnehmer.


+ Wer darf den Arbeitsvertrag kündigen?

Der Arbeitsvertrag kann sowohl vom Arbeitnehmer wie auch vom Arbeitgeber entweder außerordentlich oder ordentlich gekündigt werden.


+ Wie Arbeitsvertrag kündigen?

Die Kündigung eines Arbeitsvertrages bedarf der Schriftform und muss persönlich unterschrieben sein. Eine Kündigung per Email oder Fax ist unwirksam.


+ Wie Arbeitsvertrag zurückschicken?

Um den Zugang des Arbeitsvertrags beim Arbeitgeber sicher zu stellen, kann er entweder persönlich dort abgegeben oder per Einschreiben/Rückschein zugestellt werden.




erstmals veröffentlicht am 19.02.2019, letzte Aktualisierung am 11.07.2019

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