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Arbeitsrecht , 22.12.2016

Rechtstipps zur Bewerbung

Die Konkurrenz bei der Jobsuche ist groß. Im Kampf um einen Arbeitsplatz ist die Bewerbung die erste Möglichkeit des Bewerbers aus der Masse hervorzustechen. Hier einige Rechtstipps rund um das Thema „Bewerbung“.

Lügen bei der Bewerbung oder dem Vorstellungsgespräch erlaubt?

Um den Traumjob zu ergattern, nehmen es Bewerber manchmal mit der Wahrheit nicht so genau. Doch Vorsicht: Lügt ein Arbeitnehmer bei seiner Bewerbung etwa hinsichtlich früher Tätigkeiten oder dem Grund seines Ausscheidens aus einem vorherigen Betrieb, kann das später zu seiner außerordentlichen Kündigung führen. Wurde der Arbeitgeber aufgrund einer Lüge des Arbeitnehmers zu dessen Einstellung zumindest mit veranlasst, kann er den Arbeitsvertrag anfechten und möglicherweise den Arbeitnehmer fristlos raus schmeißen. Bewerber, die Arbeitszeugnisse „frisieren“ machen sich im Übrigen wegen Urkundenfälschung strafbar.

Ein Recht zu lügen haben Arbeitnehmer allerdings immer dann, wenn ihnen bei einem Vorstellungsgespräch unzulässige Fragen, etwa zu einer bestehenden Schwangerschaft, Krankheiten oder politischen Gesinnungen, gestellt werden. Unzulässig sind alle Fragen des Arbeitgebers, die nicht arbeitsbezogen sind. Der Arbeitgeber darf den Stellenbewerber grundsätzlich nicht nach eingestellten strafrechtlichen Ermittlungsverfahren fragen. Eine solche unspezifizierte Frage verstößt gegen Datenschutzrecht. Stellt der Arbeitgeber die Frage dennoch und verneint der Bewerber in Wahrnehmung seines informationellen Selbstbestimmungsrechts wahrheitswidrig, dass gegen ihn Ermittlungsverfahren anhängig waren, darf der Arbeitgeber das zwischenzeitlich begründete Arbeitsverhältnis nicht wegen dieser wahrheitswidrig erteilten Auskunft kündigen, entschied das Bundesarbeitsgericht (Aktenzeichen 6 AZR 339/11).

Auskunftsanspruch eines abgelehnten Bewerbers?

Ein Bewerber, der die Voraussetzungen für eine von einem Arbeitgeber ausgeschriebene Stelle erfüllt, dessen Bewerbung jedoch nicht berücksichtigt wurde, hat in der Regel ein Interesse daran zu erfahren, ob ein anderer Bewerber eingestellt wurde und nach welchen Kriterien. Ob es einen solchen Auskunftsanspruch eines abgelehnten Bewerbers gibt, hat das Bundesarbeitsgericht (Aktenzeichen 8 AZR 287/08 (A)) hat dem Gerichtshof der Europäischen Union zur Vorabentscheidung vorgelegt. Das Bundesarbeitsgericht lehnte in diesem Fall einen Auskunftsanspruch der Stellenbewerberin ab. Die Bewerberin behauptet, sie habe die Voraussetzungen für die ausgeschriebene Stelle erfüllt und sei lediglich wegen ihres Geschlechts, ihres Alters und ihrer Herkunft nicht zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen und damit unter Verstoß gegen das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) diskriminiert worden. Das konnte das Bundesarbeitsgericht nicht erkennen. Ob dies den einschlägigen Antidiskriminierungsrichtlinien des Gemeinschaftsrechts entspricht, durfte das Bundesarbeitsgericht nicht selbst entscheiden.

Diskriminierung bei der Bewerbung- was tun?

Will ein Arbeitnehmer geltend machen, er sei wegen eines durch das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) verbotenen Merkmals- wie beispielsweise Alter oder Geschlecht- nachteilig behandelt worden, so muss er für alle Ansprüche auf Schadensersatz innerhalb von zwei Monaten geltend machen. Wird eine Bewerbung abgelehnt, so beginnt die Frist in dem Moment, in dem der Bewerber von der Benachteiligung Kenntnis erlangt, so das Bundesarbeitsgericht (Aktenzeichen 8 AZR 188/11).


erstmals veröffentlicht am 12.05.2014, letzte Aktualisierung am 22.12.2016

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