anwaltssuche
Kategorie: Anwalt Versicherungsrecht , 29.04.2021 (Lesedauer ca. 2 Minuten, 697 mal gelesen)

Zahnzusatzversicherung: Welche Behandlungskosten müssen übernommen werden?

Schöne Zähne mit einem Lächeln Schöne Zähne mit einem Lächeln © freepik - mko

Mit dem Abschluss einer privaten Zahnzusatzversicherung versprechen sich Versicherte die Übernahme von Kosten einer Zahnbehandlung, für die die gesetzliche Krankenversicherung nicht aufkommt. Doch was deckt eine Zahnzusatzversicherung konkret ab? In welcher Höhe werden die Zahnarztkosten übernommen? Für wen lohnt sich der Abschluss einer Zahnzusatzversicherung? Und worauf muss man beim Vertragsabschluss achten?

Welche Zahnarztkosten deckt eine Zahnzusatzversicherung?


Eine private Zahnzusatzversicherung übernimmt in der Regel die Kosten im Bereich Zahnersatz (Kronen, Implantate, Brücken), Kieferorthopädie (Zahnspange), Zahnbehandlung (Füllungen) und Zahnvorsorge (professionelle Zahnreinigung).

So muss nach einer Entscheidung des Amtsgerichts Bonn (Aktenzeichen 110 C 128/11) eine private Zahnzusatzversicherung die Kosten für eine kieferorthopädische Behandlung bei einem Patienten mit einem diagnostizierten Tiefbiss von 6,2 mm übernehmen.

In welcher Höhe werden die Zahnbehandlungskosten übernommen?


Wie hoch der Anteil ist, den eine Zahnzusatzversicherung von den Behandlungskosten übernimmt, hängt vom ausgewählten Versicherungstarif ab. Es gibt Tarife, die 70 bis 90 Prozent der Kosten erstatten.

Wann muss die Zahnzusatzversicherung nicht zahlen?


Die Zahnzusatzversicherung wird von ihrer Leistungspflicht befreit, wenn die Versicherung erst nach Behandlungsbeginn abgeschlossen wurde. Dies entschied das Oberlandesgericht Karlsruhe (Aktenzeichen 12 U 153/12) im Fall eines Patienten, dessen private Zahnzusatzversicherung die Kostenübernahme für die Versorgung mit Implantaten abgelehnt. Der Patient hatte aufgrund eines akuten Eiterherdes im Oberkiefer eine Zahnärztin aufgesucht. Diese klärte den Mann auch über Zahnersatz und Implantate auf, da bei ihm keine der vorhandenen Zähne erhaltungsfähig waren. Nach dieser Aufklärung schloss der Patient eine private Zahnzusatzversicherung mit einer Wartezeit von acht Monaten ab. Diese Wartezeit hielt er auch ein und wurde danach zahnärztlich mit Implantaten in einem Kostenumfang von über 25.000 Euro versorgt. Diese Kosten wollte der Patient von seiner privaten Zahnzusatzversicherung erstattet haben. Zu Unrecht, entschied das Oberlandesgericht Karlsruhe. Der Versicherungsschutz beginne nicht vor Abschluss des Versicherungsvertrages und vor Ablauf der Wartezeit. Die Versicherung hafte nicht für Versicherungsfälle, die- wie hier- vor Beginn des Versicherungsschutzes eingetreten sind.

In einem weiteren Fall vor dem Oberlandesgericht Karlsruhe (Aktenzeichen 12 U 127/12) suchte ein beschwerdefreier Patient seinen Zahnarzt auf und ließ eine Röntgenaufnahme anfertigen. Bei den damit im Zusammenhang stehenden zahnärztlichen Untersuchungen wurde auch festgestellt, dass im Bereich anderer Zähne ein nicht idealer Gebisszustand mit teilinsuffizienter Brücken- und Kronensituation vorhanden war. Der Patient schloss daraufhin eine private Zahnzusatzversicherung ab. Ihm wurden so dann Implantate an den Zähnen 15 bis 17 eingesetzt. Dafür stellte der Zahnarzt ihm rund 7.000 Euro in Rechnung, von denen der Patient entsprechend seinem Versicherungsvertrag 80 Prozent geltend macht. Zu Recht, sagt diesmal das Oberlandesgericht Karlsruhe. Mit der Untersuchung der Zähne 15 bis 17 sei die erstmalige Heilbehandlung beendet gewesen. Die spätere Implantateversorgung stelle einen neuen Versicherungsfall dar, so die Karlsruher Richter.

Für wen lohnt sich eine Zahnzusatzversicherung?


Mit einer Zahnzusatzversicherung können gesetzlich Versicherte ihren Versicherungsschutz erweitern und sich so vor hohen Zuzahlungen bei Zahnbehandlungskosten schützen. Eine Zahnzusatzversicherung ist für gesetzlich Versicherte sinnvoll, denen die Regelversorgung der gesetzlichen Krankenkasse bei der Zahnbehandlung nicht ausreicht.

Auf was sollte man beim Vertragsabschluss achten?


Zunächst sollte man klären, welche Leistungen einem wichtig sind. Danach gilt es die Tarife verschiedener Zahnzusatzversicherungen zu vergleichen. Es gibt Versicherungen, die eine Gesundheitsprüfung vor Vertragsabschluss fordern. Sollten Vorerkrankungen bekannt sein, sind diese gegenüber der Versicherung unbedingt anzugeben, ansonsten riskiert man den Versicherungsschutz.
Das Oberlandesgericht Frankfurt/Main (Aktenzeichen 7 U 44/20) stellt in diesem Zusammenhang klar, dass die Frage einer Versicherung vor Vertragsabschluss nach Anomalien für einen Verbraucher unklar ist. Die Zahnzusatzversicherung kann deshalb später nicht die Kostenübernahme für eine kieferorthopädische Behandlung ablehnen.


erstmals veröffentlicht am 18.07.2013, letzte Aktualisierung am 29.04.2021

Lesen Sie hier weitere Fachartikel im Themenbereich Versicherungrecht & Sozialversicherung
Hier finden Sie bundesweit Rechtsanwälte für Versicherungsrecht