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Kategorie: Anwalt Versicherungsrecht , 30.12.2021 (Lesedauer ca. 2 Minuten, 1603 mal gelesen)

Frostschäden an Haus und Wohnung: Wann zahlt die Versicherung?

Schwere Eiszapfen hängen an einem Gebäude von der Dachrinne Schwere Eiszapfen hängen an einem Gebäude von der Dachrinne © freepik-mko

Frost verursacht im Winter häufig Schäden an Haus und Wohnung. Welche Sorgfaltspflichten haben Versicherungsnehmer, damit Frostschäden vermieden werden? Und welche Versicherung ist der richtige Ansprechpartner bei Frostschäden: Wohngebäude-, Hausrat- oder Haftpflichtversicherung?

Welche Frostschäden reguliert die Wohngebäudeversicherung?


Die Wohngebäudeversicherung übernimmt Schäden, an allen Bauteilen, die fest mit dem Gebäude verbunden sind. Das sind etwa Türen, Fenster oder Treppen. Schäden durch geplatzte Rohre, Heizkessel oder Heizkörper gehören zum Leistungsumfang der Wohngebäudeversicherung, wenn das Risiko Leitungswasser im Versicherungsschutz eingeschlossen ist.

Wann zahlt die Hausratversicherung bei Frostschäden?


Die Hausratversicherung übernimmt Schäden, die im Haus an der Einrichtung entstanden sind. Wurde ein Fußboden oder ein elektronisches Gerät aufgrund des Frostschadens geschädigt, zahlt die Hausratsversicherung. Bei Schäden durch Leitungswasser tritt die Hausratsversicherung nur ein, wenn dieses Risiko mitversichert ist. Ein Blick in die Versicherungspolice ist in diesem Fall hilfreich.

Für welche Frostschäden kommt die Haftpflichtversicherung auf?


Eine private Haftpflichtversicherung zahlt für Schäden, die der Versicherungsnehmer bei einem Dritten verursacht. Kommt es aufgrund einer durch Frost geplatzten Leitungen zu Wasserschäden in einer fremden Wohnung, ist das ein Fall für die private Haftpflichtversicherung. Sie übernimmt die Schäden, die dem Nachbarn aufgrund des Frostschadens entstanden sind.

Welche Pflichten haben Versicherungsnehmer um Frostschäden an Immobilien zu vermeiden?


Versicherungsnehmer haben bei Minusgraden im Winter die Sorgfaltspflicht Frostschäden an Immobilien zu vermeiden. So sollten Außenwasserhähne bei Frost abgedreht und Leitungen vom Wasser entleert sein.

Auch in einem nicht benutzten Gebäude oder Gebäudeteil müssen die Wasserleitungen im Winter entleert werden. Wird dies nicht gemacht und es kommt zu geplatzten Wasserohren, muss die Wohngebäudeversicherung für den Schaden nicht zahlen. Das entschied das Landgericht München I (Aktenzeichen 28 O 14020/01).

Kommt es zu einem Wasserrohrbruch in einer leerstehenden Mietwohnung, weil im Winter nicht geheizt wurde, haftet der Vermieter für die Wasserschäden, die bei den Nachbarn entstanden sind, entschied das Amtsgericht Potsdam (Aktenzeichen 26 C 366/95).
Wohnungen und Häuser müssen auch bei Abwesenheit beheizt und die Heizung muss regelmäßig kontrolliert werden. Steht ein Einfamilienhaus längere Zeit leer und sind die Heizkörper nur aus „Frostwächter“ eingestellt, muss die Heizungsanlage täglich kontrolliert werden, so das Landgericht Bonn (Aktenzeichen 10 O 203/06).

Der Bundesgerichtshof (Aktenzeichen IV ZR 233/06) hat zur Häufigkeit der Heizungskontrolle ausgeführt, dass dafür nicht die Außentemperaturen maßgeblich sind, sondern Bauart, Alter, Funktionsweise, Wartung, Zuverlässigkeit oder Störanfälligkeit der Heizung.

Bei einem Ferienhaus reicht es aus, wenn der Eigentümer die Ventile der Heizkörper auf die Sternstufe gestellt hatte und seine Heizung regelmäßig kontrolliert. Kommt es trotzdem zu einem Frostschaden, muss die Wohngebäudeversicherung zahlen, entschied Oberlandesgericht Oldenburg Aktenzeichen 5 U 190/14).

Wie gehen Versicherungsnehmer bei Frostschäden richtig vor?


Tritt ein Frostschaden auf, ist es für die Begrenzung des Schadens und die Abwicklung mit der Versicherung wichtig, dass der Versicherungsnehmer sich richtig verhält:

• Erster Schritt: Hauptwasserhahn zu drehen und Strom für betroffenen Bereich abstellen! Schadensausbreitung begrenzen!
• Zweiter Schritt: Wertsachen und Einrichtung sichern!
• Dritter Schritt: Frostschaden dokumentieren – Fotos, Videos, kaputte Gegenstände aufheben!
• Vierter Schritt: Versicherung vom Schadensfall informieren und weiteres Vorgehen absprechen!
• Im Zweifelsfall: Lassen Sie sich von einem kompetenten Anwalt für Versicherungsrecht über ihre Ansprüche gegenüber der Versicherung informieren und vertreten.




erstmals veröffentlicht am 26.01.2016, letzte Aktualisierung am 30.12.2021

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