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Kategorie: Anwalt Strafrecht , 04.06.2021 (Lesedauer ca. 3 Minuten, 166 mal gelesen)

Abzocke durch Schlüsselnotdienst: Was tun?

Abzocke durch Schlüsselnotdienst: Was tun? © freepik - mko

Die Wohnungstür fällt zu – der Schlüssel liegt noch in der Wohnung: Wer jetzt keinen Schlüssel beim Nachbarn deponiert hat, kommt um den Anruf beim Schlüsselnotdienst nicht herum. Woran erkennt man einen seriösen Schlüsseldienst? Was ist bei der Beauftragung zu beachten? Was darf das Türe öffnen kosten? Und wann liegt Wucher vor?

Wie wählt man einen Schlüsseldienst aus?


Bei den Schlüsseldiensten gibt es leider immer wieder schwarze Schafe, die in Not geratene Verbraucher abzocken. Daher ist die Auswahl eines seriösen Schlüsseldienstes wichtig. Wer im Internet per Handy nach einem Schlüsseldienst sucht, sollte kostenpflichtige 0900-Rufnummern meiden. Betriebe die im Branchenbuch oder auf ihrer Website keine Kontaktdaten hinterlegt haben ebenfalls. Schlüsseldienste mit auffällig großen Werbeanzeigen, die bei unterschiedlichen Suchanfragen immer wieder erscheinen, sollte skeptisch begegnet werden. Bei diesen bundesweit tätigen Schlüsseldiensten gilt es unter den Kontaktangaben oder im Impressum der Homepage genau zu schauen, wo das Unternehmen seinen Firmensitz hat, um einschätzen zu können, von wo die Anreise erfolgt.

In wichtiges Entscheidungskriterium ist die Ortsnähe. So werden teure Anfahrtskosten vermieden. Viel spricht für einen Schlüsseldienst, der einen Eigennahmen als Firmennamen führt, seine Kontaktdaten vollständig mitteilt und möglicherweise Mitglied in einem Fachverband ist.

Auskunft über seriöse Schlüsseldienste geben auch Branchenverbände, wie der Verband Interkey, oder örtliche Handwerkskammern.

Was ist bei der Beauftragung eines Schlüsseldienstes zu beachten?


Zunächst empfiehlt es sich bei mehreren Schlüsseldiensten anzurufen und die jeweiligen Preise zu vergleichen. Dabei sollte nachgefragt werden, ob Mehrwertsteuer und Anfahrt im Preis enthalten sind und ob ggfs. Extra-Kosten aufgrund des Wochenendes oder nach den regulären Geschäftszeiten dazu kommt.

Ist die Wahl auf einen Schlüsseldienst gefallen, sollte der Name des Gesprächspartners mit dem die Auftragsmodalitäten besprochen wurden, unbedingt notiert werden. Mit der Vereinbarung eines Festpreises ist man auf der sicheren Seite. Im Idealfall sollte ein Zeuge das Telefonat mithören.

Ist der Schlüsseldienst vor Ort eingetroffen, ist ein anwesenden Zeuge für spätere Beweiszwecke ebenfalls von Vorteil. Der Name des Monteurs sollte notiert werden sowie seine Angaben, welche Arbeiten er verrichten muss.

Was darf das Türe öffnen kosten?


Die Preise bei Schlüsseldiensten variieren stark. Nach Ansicht der Verbraucherschützer sind 150 Euro an einem Werktag für das Öffnen eines Schlosses gerechtfertigt. An Wochenenden und Feiertage sowie nachts darf das Türe-öffnen auch bis zu 250 Euro kosten. Dazu können zusätzliche Materialkosten kommen. Zuschläge sind nur außerhalb der üblichen Geschäftszeiten zulässig, entschied das Amtsgericht Frankfurt/Main (Aktenzeichen 31 C 63/98-44). Zuschläge für sog. Sofort-Dienstleistungen, Barzahlungen oder PKW-Kosten sind unzulässig, so das Landgericht Bremen (Aktenzeichen 1 O 725/96).

Wann liegt Wucher vor?


Nicht jede teure Schlüsseldienstrechnung ist gleich Wucher. Dieser Straftatbestand liegt nur dann vor, wenn der Schlüsseldienst eine Zwangslage, die Unerfahrenheit, den Mangel an Urteilsvermögen oder die erhebliche Willensschwäche des Aus- oder Eingesperrten ausnutzt und sich einen Geldbetrag bezahlen lässt, der in einem auffälligen Missverhältnis zur Gegenleistung steht. Eingesperrt sein allein, stellt nach Ansicht des Amtsgerichts München (Aktenzeichen 171 C 7243/19) noch keine Zwangslage dar. Es lehnte daher die Rückzahlungsklage eines Kunden auf seine rund 622 Euro Schlüsseldienstrechnung gegenüber dem Schlüsseldienst ab. Der Mann sei nicht gezwungen gewesen, das schriftlich unterbreitete Angebot des Schlüsseldienstes in Anspruch zu nehmen.

Allein das Aussperren aus der Wohnung stellt ebenfalls noch keine Zwangslage dar, entschied das Oberlandesgericht Köln (Aktenzeichen 1 RVs 210/16) und sprach den Schlüsseldienstbetreiber bei einer Rechnung in Höhe von 320 Euro vom Vorwurf des Wuchers frei. Von strafbarem Wucher könne man nur dann sprechen, wenn der Schlüsseldienst-Betreiber eine Zwangslage ausgenutzt hätte. Zu dem Ausgesperrtsein müssten weitere Umstände hinzukommen, etwa ein unbeaufsichtigtes Kind in der Wohnung, ein eingeschalteter E-Herd oder überlaufendes Wasser. Der Mann hätte sich vor der Beauftragung des Schlüsselnotdienstes über dessen Preise informieren müssen und möglicherweise noch andere Angebote von Schlüsselnotdiensten einholen müssen. Das sei im Wirtschaftsleben Angelegenheit des Auftraggebers, so die Kölner Richter.

Bei einer zu 100 Prozent überteuerten Schlüsseldienstrechnung ist allerdings von Wucher auszugehen, so das Oberlandesgericht Frankfurt/Main (Aktenzeichen 6 W 218/01).

erstmals veröffentlicht am 09.03.2017, letzte Aktualisierung am 04.06.2021

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