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Kategorie: Anwalt Arbeitsrecht , 26.11.2021 (Lesedauer ca. 4 Minuten, 818 mal gelesen)

Wann haben Arbeitnehmer Anspruch auf Weihnachtsgeld?

Wann haben Arbeitnehmer Anspruch auf Weihnachtsgeld? © Marco2811 - Fotolia

Am Ende des Jahres freuen sich viele Arbeitnehmer auf eine Extra-Zahlung vom Arbeitgeber: das Weihnachtsgeld. Doch wer hat einen Anspruch auf die Sonderzahlung? Darf der Arbeitgeber Weihnachtsgeld kürzen? Gibt es die Weihnachtsgratifikation auch nach einer Kündigung oder bei längerer Krankheit? Und muss Weihnachtsgeld versteuert werden?

Wer hat einen Anspruch auf Weihnachtsgeld?


Wichtig zu wissen: Arbeitnehmer haben in Deutschland keinen gesetzlichen Anspruch auf Weihnachtsgeld. Bei der Sonderzahlung handelt es sich um eine freiwillige Leistung des Arbeitgebers.

Ein Anspruch auf Weihnachtsgeld kann sich aber aus dem Arbeitsvertrag ergeben. Wurden hier Sonderzahlungen wie Weihnachts- und/oder Urlaubsgeld vereinbart, muss der Arbeitgeber diese auch zahlen.

Regelt ein Tarifvertrag oder eine Betriebsvereinbarung einen Anspruch auf Weihnachtsgeld, begründet dies auch eine Zahlungspflicht des Arbeitgebers.

Zahlt ein Arbeitgeber drei Jahre hintereinander an seine Belegschaft Weihnachtsgeld aus, stellt das eine sog. betriebliche Übung dar, die auch weiterhin zu einem Anspruch der Arbeitnehmer auf Zahlung von Weihnachtsgeld führt. Der Arbeitgeber kann in diesem Fall die Weihnachtsgratifikation nicht einfach einseitig streichen, so das Landesarbeitsgericht Rheinland-Pfalz (Aktenzeichen 5 Sa 604/10).

Teilt der Arbeitgeber aber seinen Mitarbeitern mit, dass es sich bei der jährlichen Zahlung von Weihnachtsgeld um eine freiwillige jederzeit widerrufbare Leistung handelt (Freiwilligkeitsvorbehalt), entsteht keine betriebliche Übung, so das Bundesarbeitsgericht (Aktenzeichen 10 AZR 705/96). Dabei reicht es aus, wenn im Arbeitsvertrag die Freiwilligkeit der Sonderzahlung vereinbart wurde, entschied das Landesarbeitsgericht Rheinland-Pfalz (Aktenzeichen 6 Sa 46/11). Diese Vereinbarung muss für den Arbeitnehmer allerdings klar und eindeutig verständlich im Arbeitsvertrag formuliert sein. Eine unklare und unverständliche allgemeine Klausel im Arbeitsvertrag verhindert das Entstehen einer betrieblichen Übung nicht, so das Bundesarbeitsgericht (Aktenzeichen 10 AZR 177/17 sowie 10 AZR 671/09).

Ist die Zahlung von Weihnachtsgeld im Arbeitsvertrag zusammen mit anderen Ansprüchen des Arbeitnehmers geregelt, wird der Anschein erweckt, dass der Arbeitnehmer einen Anspruch auf Weihnachtsgeld zusteht – unabhängig von einem auch aufgeführten Freiwilligkeitsvorbehalt, so das Landesarbeitsgericht Baden-Württemberg (Aktenzeichen 9 Sa 146/11).


Erhält ein Mitarbeiter Weihnachtsgeld vom Chef, haben alle anderen Mitarbeiter auch einen Anspruch auf die Sonderzahlung. Der Arbeitgeber hat aber die Möglichkeit die Zahlung des Weihnachtsgelds an die Dauer der Betriebszugehörigkeit zu knüpfen.

Wie viel Weihnachtsgeld bekommt man?


Wie hoch der Anspruch auf Weihnachtsgeld ist, hängt von der vertraglichen Regelung oder betrieblichen Übung ab. Die Höhe des Weihnachtsgeldes kann von der Leistung des Arbeitnehmers abhängig gemacht werden. Die Differenzierungsmerkmale müssen aber vom Arbeitgeber transparent gemacht werden, so das Landesarbeitsgericht Schleswig-Holstein (Aktenzeichen 4 Sa 431/99).

Vorsicht: Anspruch auf Weihnachtsgeld kann verfallen!


In einem Tarifvertrag kann eine Verfallfrist für Ansprüche auf Weihnachtsgeld geregelt sein. Macht ein Arbeitnehmer seinen Anspruch auf Weihnachtsgeld nicht vor Eintritt dieser Verfallsfrist gegenüber seinem Chef geltend, verliert er seinen Anspruch auf diese Sonderzahlung, so das Amtsgericht Hamm (Aktenzeichen 15 Sa 1896/11).

Darf Weihnachtsgeld gekürzt werden?


Die Möglichkeit Weihnachtsgeld zu kürzen kann sich aus Regelungen im Tarifvertrag oder aufgrund einer Betriebsvereinbarung ergeben. Ist die Höhe des Weihnachtsgeldes, etwa als 13. Monatsgehalt, im Arbeitsvertrag festgeschrieben oder ergibt sie sich aufgrund einer betrieblichen Übung kann der Arbeitgeber in der Regel keine Kürzung an der Sonderzahlung vornehmen. Das Bundesarbeitsgericht (Aktenzeichen 10 AZR 376/16) hat aber entschieden, dass der Arbeitgeber aus wirtschaftlichen Gründen auch vertraglich vereinbartes Weihnachtsgeld kürzen kann.

Weihnachtsgeld auch nach einer Kündigung?


Wer sein Arbeitsverhältnis kündigt nachdem ihm Weihnachtsgeld gezahlt wurde oder wer vom Arbeitgeber nach der Sonderzahlung gekündigt wurde, muss diese nur dann zurückzahlen, wenn eine entsprechende Rückzahlungsklausel im Arbeitsvertrag oder in einem Tarifvertrag vereinbart wurde.

Nach einer Entscheidung des Bundesarbeitsgerichts (Aktenzeichen 10 AZR 667/10) kann der Arbeitgeber die Zahlung des Weihnachtsgeldes davon abhängig machen, dass das Arbeitsverhältnis zum Auszahlungszeitpunkt nicht gekündigt ist. Unerheblich ist dabei, wer die Kündigung ausgesprochen hat.

In diesem Sinne entschied auch das Landesarbeitsgericht Mainz (Aktenzeichen 6 Sa 115/11), dass in seiner Entscheidung daraufhin weißt, dass mit dieser Sonderzahlung die auch zukünftige Betriebstreue belohnt wird.

Das Landesarbeitsgericht Hamm (Aktenzeichen 15 Sa 812/10) ist hingegen der Auffassung, dass einem Arbeitnehmer ein Anspruch auf Weihnachtsgeld auch bei einem gekündigten Arbeitsverhältnis zu stehen kann, wenn er gekündigt wurde und sich nichts zu Schulden hat kommen lassen.

Weihnachtsgeld auch für Betriebsrentner?


Auch Betriebsrentner haben einen Anspruch auf Weihnachtsgeld, wenn der Arbeitgeber seinen Betriebsrentnern in drei aufeinanderfolgenden Jahren vorbehaltlos eine Weihnachtsgratifikation in gleicher Höhe gezahlt hat, so das Bundesarbeitsgericht (Aktenzeichen 3 AZR 123/08). Auch in diesem Fall handelt es sich um betriebliche Übung die einen Anspruch auf Zahlung einer Weihnachtsgratifikation gegründet. So urteilte das Bundesarbeitsgericht (Aktenzeichen 3 AZR 118/08) auch im Fall eines Betriebsrentners, der mehr als 15 Jahre lang als Rentner ein Weihnachtsgeld ohne Freiwilligenvorbehalt erhielt.

Legt der Arbeitgeber aber seinen Weihnachtsgeschenken und dem Weihnachtsgeld ein Weihnachtsschreiben bei, in dem er darauf hinweist, dass es sich um eine einmalige jährliche Zuwendung handelt, hat der Betriebsrentner zukünftig keinen Anspruch auf Marzipantorte und Weihnachtsgeld, entschied das Arbeitsgericht Köln (Aktenzeichen 11 Ca 3589/16).

Haben Leiharbeiter auch einen Anspruch auf Weihnachtsgeld?


Nach dem Grundsatz equal pay des Arbeitnehmerüberlassungsgesetzes haben Leiharbeiter den gleichen Lohnanspruch wie angestellte Arbeitnehmer des Betriebs. Das gilt auch für den Anspruch auf Weihnachtsgeld, entschied das Landesarbeitsgericht Schleswig-Holstein (Aktenzeichen 2 Sa 398/12). Das Unternehmen hat aber die Möglichkeit die Weihnachtsgratifikation an einen Stichtag zu knüpfen, an dem nur der Leiharbeiter Weihnachtsgeld bekommt, der an diesem Tag im Unternehmen eingesetzt war.

Weihnachtsgeld auch bei längerer Krankheit?


Ob der Arbeitgeber einem Arbeitnehmer, der über einen längeren Zeitraum arbeitsunfähig erkrankt war, Weihnachtsgeld zahlen muss, hängt vom Zuwendungszweck des Weihnachtsgelds aus. Vergütet der Arbeitgeber mit der Sonderzahlung die geleistete Arbeit, kann er das Weihnachtsgeld streichen oder kürzen. Wird mit dem Weihnachtsgeld die Betriebstreue gewürdigt, ist eine Kürzung oder Streichung des Weihnachtsgeldes nicht erlaubt. Wichtig ist, dass der Arbeitgeber nach einer Entscheidung des Landesarbeitsgerichts Rheinland-Pfalz (Aktenzeichen 6 Sa 723/09) den Arbeitnehmer über die Folge, dass das Weihnachtsgeld aufgrund der Langzeiterkrankung gekürzt oder gestrichen werden kann, rechtzeitig und eindeutig informiert.

Nach Ansicht des Arbeitsgericht Frankfurt am Main (Aktenzeichen 7 Ca 1743/99) darf der Arbeitgeber den kranken Arbeitnehmer nicht mit einer Kürzung des Weihnachtsgeldes bestrafen.

Muss man die Weihnachtsgratifkation versteuern?


Weihnachtsgeld muss – wie alle Zahlungen vom Arbeitgeber - grundsätzlich versteuert und im Rahmen der Beitragsbemessungsgrenze müssen auch Sozialabgaben bezahlt werden.




erstmals veröffentlicht am 12.11.2015, letzte Aktualisierung am 26.11.2021

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