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Kategorie: Anwalt Zivilrecht , 21.12.2020 (Lesedauer ca. 2 Minuten, 1367 mal gelesen)

Jahresende: Verjährung von Forderungen - Was Sie jetzt noch tun können!

Eine Frau arbeitet sich durch Belege und Papiere Eine Frau arbeitet sich durch Belege und Papiere © freepik-mko

Verbraucher sollten sich am Ende des Jahres einen genauen Überblick über ihre Forderungen und Ansprüche verschaffen, denn das Jahresende bedeutet auch die Verjährung von vielen Ansprüchen und Forderungen aus dem täglichen Leben. Jetzt können noch Schritte unternommen werden, um eine drohende Verjährung zu verhindern.

Verträge und ihre Verjährungsfristen


In der Regel verjähren Ansprüche laut Bürgerlichem Recht nach drei Jahren. Dabei beginnt die Verjährung mit dem Jahr, in dem der Anspruch entstanden ist und der Anspruchsberechtigte dies wusste oder wissen sollte. Fällt der letzte Tag der Verjährungsfrist auf einen Sonn-, Feier- oder einen Samstag, dann verschiebt sich das Ende der Verjährungsfrist auf den folgenden Werktag.
Es gibt aber auch eine Reihe von speziellen Verjährungsfristen, etwa bei Miet- oder Bauverträgen. Die kürzeste Verjährungsfrist liegt bei zwei Jahren, die längste bei 30 Jahren. Für alle gilt: Ist die Frist verstrichen, kann die Forderung pfutsch sein!

Verjährungsfrist 2 Jahre


Ansprüche auf Gewährleistung aus einem Kaufvertrag verjähren zwei Jahren nach Übergabe der Sache. Ebenso Ansprüche wegen Mängel aus einem Werkvertrag ab Abnahme des Werks durch den Auftraggeber. Auch für Ansprüche aus einem Reisevertrag – gerechnet ab dem Ende der Reise– gilt die kurze Verjährung von zwei Jahren.

Verjährungsfrist 3 Jahre


Ansprüche auf Zahlung verjähren bei Kaufverträgen, Werkverträgen und Arbeitslohn nach drei Jahren- gerechnet nach Ablauf des Entstehungsjahrs und Kenntnis des Anspruchsberechtigten. Das gleiche gilt für Ansprüche auf Ausgleichszahlungen nach der Europäischen Fluggastrechteverordnung.

Verjährungsfrist 5 Jahre


Bei Baumängel im Rahmen eines Immobilienkaufs haben Bauherren fünf Jahre Zeit diese geltend zu machen – gerechnet ab Übergabe der Immobilie.

Verjährungsfrist 10 Jahre


Für den Anspruch auf Übertragung des Eigentums an einem Grundstück gilt eine Verjährungsfrist von zehn Jahren ab Entstehung des Anspruchs.

Verjährungsfrist 30 Jahre


Nach dreißig Jahren verjähren etwa Herausgabeansprüche bei Eigentum. Ebenso Forderungen, die durch ein Urteil oder einen Vollstreckungsbescheid rechtskräftig wurden. Nach dieser Zeit verjähren auch Schadensersatzsprüche wegen Körper-, Gesundheits- und Freiheitsverletzungen und familien- und erbrechtliche Ansprüche – immer ab Zeitpunkt des Entstehens.

Verjährung droht - was tun?


Verbraucher die kurz vor Jahresschluss merken, dass eine Ihnen zustehende Forderung droht zu verjähren, haben mehrere Handlungsoptionen. Wichtig zu wissen ist, dass ein einfaches Schreiben oder eine Mahnung eine Verjährung nicht verhindert.

Mahnbescheid beantragen


Die schnellste und sicherste Möglichkeit eine Verjährung am Ende des Jahres zu verhindern ist, einen Mahnbescheid zu beantragen. Dies geht schnell per Online-Mahnantrag, der den Mahnantrag automatisch zum richtigen Mahngericht schickt. Der Mahnantrag muss nur gestellt, aber nicht begründet sein, um eine Verjährung der Forderung zu verhindern.

Klage einreichen


Andere Option: Klage einreichen! Mit dem Einreichen einer Klage bei Gericht wird die Verjährung gehemmt. Dies ist allerdings aufwendiger als das Beantragen eines Mahnbescheids, da die Klage begründet werden muss. Ab einer Forderung von 5.000 Euro ist das Landgericht zuständig und es wird ein Rechtsanwalt zur Klageerhebung benötigt.

Musterfeststellungsklage anschließen


Verbraucher, die sich einer bestehenden Musterfeststellungsklage anschließen, in dem sie ihre Ansprüche in einem entsprechenden Klageregister anmelden, verhindern ebenfalls eine Verjährung der Ansprüche.

Beschwerde bei Schlichtungsstelle einreichen


Auch eine Beschwerde bei einer Schlichtungsstelle oder einem Ombudsmann hemmt die Verjährung einer Forderung. Erst nach Anschluss des Schlichtungsverfahrens beginnt die Verjährungsfrist nach sechs Monaten wieder zu laufen.

Verhandlungen führen


Eine weitere Möglichkeit die Verjährung zu verhindern ist, ernsthafte Verhandlungen mit dem Forderungsgegner zu führen. Auch hier reicht ein einfaches Schreiben an den Anspruchsgegner nicht aus, es muss sich erkennbar ernsthaft um eine Lösung des Konflikts bemüht werden.

erstmals veröffentlicht am 03.12.2015, letzte Aktualisierung am 21.12.2020

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