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Private Unfallversicherung: Wann muss sie zahlen?

Ob es der Sturz von der Leiter oder der infektiöse Dornenstich im Garten ist: Um sich vor den finanziellen Folgen eines Unfalls zu schützen, schließen viele Privatpersonen eine Unfallversicherung ab. Ärgerlich, wenn die dann im Falle eines Unfalls nicht zahlen will …

Versicherungsschutz bei Tod durch Dornenstich?

Das Oberlandesgericht Karlsruhe ( Aktenzeichen 12 U 12/13) verurteilte eine Versicherung zur Zahlung von 15.000 Euro nebst Zinsen an die Witwe ihres Versicherungsnehmers, der durch einen infektiösen Dornenstich verstarb.
Der Versicherungsnehmer hatte eine Versicherung für den Fall des Unfalltodes mit einer garantierten Leistung von 15.000 Euro bei der Versicherungsgesellschaft abgeschlossen. Seine Frau ist Bezugsberechtigte der Versicherung. Der Ehemann der Klägerin verletzte sich beim Schneiden von Rosenstöcken am linken Mittelfinger durch einen Rosendorn. Wegen dieser Verletzung wurde er zunächst stationär behandelt, da eine Infektion mit Staphylococcus aureus festgestellt worden war. Aufgrund dieser Infektion musste der linke Mittelfinger teilweise amputiert werden. Nach einer weiteren Verschlechterung seines Gesundheitszustandes verstarb der Ehemann wegen einer Sepsis bei Staphylococcus aureus-Bakteriämie. Seine Witwe verlangte daraufhin Zahlung der Versicherungssumme von der Versicherung.

Die maßgeblichen Bedingungen der Unfallzusatzversicherung lauten:

„§ 2: Ein Unfall liegt vor, wenn die versicherte Person durch ein plötzlich von außen auf ihren Körper wirkendes Ereignis (Unfallereignis) unfreiwillig eine Gesundheitsschädigung erleidet.....
§ 3: In welchen Fällen ist der Versicherungsschutz ausgeschlossen? ...
i) Infektionen
Wir werden jedoch leisten, wenn die Krankheitserreger durch eine unter diese Versicherung fallende Unfallverletzung in den Körper gelangt sind. Nicht als Unfallfolgen gelten dabei Haut- oder Schleimhautverletzungen, die als solche geringfügig sind und durch die Krankheitserreger sofort oder später, in den Körper gelangen; für Tollwut und Wundstarrkrampf entfällt diese Einschränkung...“

Mit Erfolg, entschied das Oberlandesgericht Karlsruhe und stellte fest: Ein Unfall liegt vor. Klassische Fälle für das Merkmal „von außen auf den Körper wirkend“ seien Zusammenstöße des Körpers mit Sachen, Tieren oder anderen Personen, ein solcher Zusammenstoß mit einer Sache liege auch bei einem Stich mit einem Rosendorn vor.
Der Unfallbegriff wäre zwar nicht erfüllt, wenn die Eigenbewegung und die Kollision gewollt gewesen seien und dabei lediglich eine ungewollte Gesundheitsbeschädigung eingetreten sei. Hier gebe es aber keine Anhaltspunkte dafür, dass der Versicherte bewusst in einen Rosendorn gefasst haben könnte. Unstreitig habe sich der Versicherte an einem Rosendorn infiziert und sei aufgrund der Infektion verstorben. Eine Leistung sei nicht aufgrund der Infektionsklausel ausgeschlossen. Nach dem Wortlaut der Versicherungsbedingungen sei der Versicherungsschutz nur dann ausgeschlossen, wenn die Krankheitserreger lediglich durch eine „Haut- oder Schleimhautverletzung“, die als solche geringfügig sei, in den Körper gelangt seien. Bei einer Verletzung an einem Rosendorn sei es aber nicht gesichert, dass lediglich Haut- oder Schleimhautschichten durchstochen worden seien. Möglich sei auch, dass der Rosendorn tieferliegendes Gewebe erfasst habe. Dass dies hier nicht geschehen sei, hätte die beklagte Versicherung beweisen müssen. Ein Beweisantritt sei aber trotz der Beweislast der Versicherung für das Vorliegen von Leistungsausschlüssen nicht erfolgt.




Letzte Aktualisierung am 2016-12-22 13:30:54.0

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