anwaltssuche
Kategorie: Anwalt Versicherungsrecht , 05.10.2021 (Lesedauer ca. 2 Minuten, 744 mal gelesen)

Wann muss die private Unfallversicherung zahlen?

Bewustloser wird nach Arbeitsunfall auf eine Trage gehoben Bewustloser wird nach Arbeitsunfall auf eine Trage gehoben © freepik-mko

Ob der Sturz von der Leiter, ein Autounfall oder eine Sportverletzung: Wer einen Unfall erleidet, kann zumindest die finanziellen Folgen mit Hilfe einer privaten Unfallversicherung abfedern. Doch unter welchen Voraussetzungen zahlt die private Unfallversicherung? Bei welchen Unfällen besteht kein Versicherungsschutz? Welche Fristen müssen Versicherungsnehmer beachten? Und wieviel zahlt die private Unfallversicherung?

Unter welchen Voraussetzungen zahlt die private Unfallversicherung?


Die private Unfallversicherung zahlt nur dann, wenn der Versicherungsnehmer dauerhaft durch die Unfallfolgen beeinträchtigt ist. Eine Gesundheitsbeschränkung, die nur temporär ist, wie etwa ein gebrochener Arm, ist in den meisten Fällen nicht vom Versicherungsschutz gedeckt. Ebenso wenig sind Krankheiten vom privaten Unfallversicherungsschutz umfasst. Wichtig ist auch, dass der Unfall ursächlich für die bleibende Gesundheitsbeeinträchtigung ist.

Von einem Unfall spricht im Sinne des Versicherungsrechts immer dann, wenn der Versicherungsnehmer durch ein plötzlich von außen auf seinen Körper einwirkendes Ereignis einen dauerhaften Schaden an seiner Gesundheit erfährt.

Bei welchen Unfällen besteht kein Versicherungsschutz?


Für welche Unfälle die private Unfallversicherung nicht haftet, steht in der Regel in den allgemeinen Versicherungsbedingungen am Ende des Versicherungsvertrags. Ausgeschlossen ist der Versicherungsschutz häufig für Unfälle, die sich aufgrund von Alkohol ereignen. Ebenso Unfälle beim Begehen einer Straftat oder Unfälle, die aufgrund eines Kriegsereignisses geschehen.

Auch Vergiftungen und Infektionen sind in der Regel nicht vom Versicherungsschutz umfasst. Im Fall einer Witwe, deren Mann als Versicherungsnehmer aufgrund eines infektiösen Dornenstichs verstarb, entschied jedoch das Oberlandesgericht Karlsruhe (Aktenzeichen 12 U 12/13), dass die Versicherung 15.000 Euro nebst Zinsen an die Witwe zahlen muss. Die private Unfallversicherung könne sich nicht durch die Infektionsklausel in ihren Versicherungsbedingungen von der Zahlung befreien, da bei einem Dornenstich nicht nur über die Haut Bakterien in den Körper eindringen können, sondern auch tiefer liegende Gewebe verletzt worden sein können. Das dies nicht so war, hätte die private Unfallversicherung beweisen müssen.

Vom Versicherungsschutz ausgeschlossen sind manchmal auch Hobbys mit einer erhöhten Verletzungsgefahr, wie etwa Fallschirmspringen oder Autorennen.

Welche Fristen müssen Versicherungsnehmer beachten?


Damit die private Unfallversicherung die Folgen eines Unfalls übernimmt, muss sich die bleibende Gesundheitsbeeinträchtigung innerhalb eines Jahres nach dem Unfall beim Versicherungsnehmer einstellen und spätestens 15 Monate nach dem Unfall durch einen Arzt bestätigt werden.

Wie viel zahlt die private Unfallversicherung?


Wie viel Geld dem Versicherungsnehmer nach einem Unfall zu steht, hängt von dem Grad seiner dauerhaften Gesundheitsbeeinträchtigung ab und von der Versicherungssumme, die vereinbart wurde. 100 Prozent der Versicherungssumme gibt es bei einer 100 prozentigen dauerhaften Invalidität.


erstmals veröffentlicht am 01.04.2014, letzte Aktualisierung am 05.10.2021

Lesen Sie hier weitere Fachartikel im Themenbereich Versicherungrecht & Sozialversicherung
Hier finden Sie bundesweit Rechtsanwälte für Versicherungsrecht