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Kategorie: Anwalt Verkehrsrecht , 22.12.2016

Vorsicht Wildwechsel!

Vorsicht Wildwechsel! © Dan Race - Fotolia

Im Herbst beeinträchtigen nicht nur Nebel und Regen die Autofahrer, es besteht auch die erhöhte Gefahr von Wildwechsel und damit von Wildunfällen. Die Tiere tauchen insbesondere auf Landstrassen oft aus dem Nichts auf und ein Zusammenprall ist für den Autofahrer meist unvermeindlich. Wie verhält sich der Autofahrer nun richtig?

Kein Ausweichmanöver!



Befindet sich Wild auf der Straße, setzen Autofahrer beim Ausweichen vor dem Tier möglicherweise ihren Teilkaskoversicherungssschutz aufs Spiel: Nach einer Entscheidung des Bundesgerichtshof (Aktenzeichen IV ZR 321/95) ist es als fahrlässig anzusehen, wenn ein Autofahrer beispielsweise einem Hasen ausweichen will und dabei einen Schaden verursacht. Beim Zusammenstoß mit kleinen Tieren seien weder für das Auto, noch für den Autofahrer schlimme Schäden zu erwarten.

Unfallstelle absichern



Ist es zu einem Zusammenprall mit einem Tier gekommen, sollte die Unfallstelle zügig abgesichert werden. Tote Tiere sollten von der Fahrbahn entfernt werden, lebende verletzte Tiere sollten vom Autofahrer nicht berührt werden. Nach der Absicherung der Unfallstelle muss umgehend die Polizei und am besten auch die Forstdienststelle verständigt werden. Die Polizei nimmt den Wildunfall auf und fertigt ein Unfallprotokoll an, das später wichtig bei der Regulierung des Unfallschadens mit der Versicherung wird. Blut- und Haarspuren des Tieres sollten nicht vom Fahrzeug entfernt werden, da sie als Beweis für den Wildunfall dienen. Wichtig zu wissen ist auch, dass tote Tier vom Autofahrer nicht mitgenommen werden dürfen, das wäre Wilderei.

Regulierung des Wildunfalls mit der Versicherung



Im nächsten Schritt muss der Autofahrer nun den Wildunfall bei seiner Versicherung anzeigen. Ob die Regulierung des Schadens von der Versicherung übernommen wird, hängt von der Versicherung ab.

Die Teilkaskoversicherung übernimmt die Schäden am eigenen Fahrzeug bei Zusammenstößen mit Haarwild, wie etwa Rehen oder Wildschweinen, nicht aber bei einem Habicht. Darüber hinaus muss es sich bei dem Tier um Jagdwild handeln, ansonsten lehnt die Teilkaskoversicherung eine Übernahme des Wildschadens ab. Dies wurde vom Landgericht Coburg (Aktenzeichen 23 O 256/09) bestätigt, der eine Einstandspflicht des Teilkaskoversicherers bei einem Zusammenstoß mit einem Eichhörnchen verneinte.

Bei der Vollkaskoversicherung wird der Versicherungsschutz von den Gerichten dann schon großzügiger angesetzt. Nach einem Urteil des Oberlandesgerichts Hamm (Aktenzeichen 20 U 134/07) muss die Vollkaskoversicherung die Kosten für einen Wildschaden selbst dann übernehmen, wenn der Autofahrer den Wildunfall nicht eindeutig nachweisen kann. Das sieht bei der Teilkaskoversicherung anders aus: Hier muss der Autofahrer den Zusammenstoß mit dem Wild beweisen, wenn er nicht auf dem Schaden sitzen bleiben will.




erstmals veröffentlicht am 29.09.2014, letzte Aktualisierung am 22.12.2016

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