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Kategorie: Anwalt Verkehrsrecht , 28.09.2021 (Lesedauer ca. 4 Minuten, 955 mal gelesen)

Wildunfall: Wann haftet die Kfz-Versicherung?

Wildunfall: Wann haftet die Kfz-Versicherung? © freepik - mko

Der Wildwechsel im Herbst stellt für Autofahrer eine erhöhte Unfallgefahr dar. Wie kann man Wildunfälle vermeiden? Wie verhält man sich als Autofahrer nach einem Zusammenstoß mit einem Tier richtig? Welche Kfz-Versicherung ist zur Schadensregulierung der richtige Ansprechpartner? Und wer zahlt für einen Unfallschaden aufgrund eines Ausweichmanövers?

Wie kann man einen Wildunfall vermeiden?


Autofahrer können eine Kollision mit einem wilden Tier vermeiden, in dem sie bei Dämmerung oder in der Nacht zu den üblichen Wildwechselzeiten mit einer angepassten Geschwindigkeit auf der Landstraße fahren. Den Straßenrand sollte man immer im Auge haben, insbesondere wenn man durch Waldgebiete fährt.

Steht ein Tier am Straßenrand, sollte man sofort die Geschwindigkeit reduzieren, das Abblendlicht einschalten und hupen. Aufgepasst: Ein Tier kommt selten alleine. Bei der Weiterfahrt sollte man damit rechnen, dass weitere Tiere auftauchen.

Wildunfall- Was tun?


Kommt es zu einem Zusammenstoß mit einem Wildtier, gilt es zunächst eventuell verletzte Fahrzeuginsassen zu versorgen und gegebenenfalls einen Rettungsdienst zu verständigen.

Danach muss die Unfallstelle gesichert werden, denn ein totes oder verletztes Tier auf der Fahrbahn stellt eine Gefahr für andere Verkehrsteilnehmer dar. So im Fall einer Autofahrerin, die mit einem Reh zusammengestoßen war und einfach weiterfuhr, weil sie davon ausging, dass das Reh tot am Straßenrand lag. Das auf der Straße liegende Tier verursachte daraufhin eine Kollision mit zwei weiteren Fahrzeugen. Der Autofahrerin wurde vom Landgericht Saarbrücken (Aktenzeichen 13 S 219/09) eine Mitschuld an dem Unfall gegeben, da sie die Unfallstelle nicht gesichert hat.

Wurde das Tier nur verletzt, sollte es unter keinen Umständen angefasst werden, da es möglicherweise den Autofahrer aus Panik angreift. Ein totes Wildtier darf auch nicht einfach in den Kofferraum gepackt und mitgenommen werden – das ist eine strafrechtlich geahndete Wilderei.

Im Anschluss an die Sicherung der Unfallstelle sollte die Polizei verständigt werden. Diese fertigt ein Unfallprotokoll an, sichert Beweise – wie Blutspuren und Haarproben - und benachrichtigt den zuständigen Jagdpächter über den Wildunfall.

Nachfolgend empfiehlt es sich seine Versicherung über den Wildunfall zu informieren.

Welche Versicherung übernimmt Schadensregulierung bei einem Wildunfall?


Unfallschäden am eigenen Fahrzeug aufgrund einer Kollision mit Wild übernimmt die Kaskoversicherung. Oft machen die Versicherer ihre Kostenübernahme davon abhängig, dass es sich um Haarwild, wie Reh oder Wildschwein, handelt. Für welche Tiere der Versicherungsschutz von Vollkasko oder Teilkasko gilt, ist im Versicherungsvertrag geregelt. Das Landgericht Coburg (Aktenzeichen 23 O 256/09) engt den Versicherungsschutz auf Jagdwild ein und lehnt die Kostenübernahme der Teilkasko für einen Zusammenstoß mit einem Eichhörnchen ab.

Aufgepasst: Für einen Zusammenstoß mit einem toten Wildschwein muss die Kaskoversicherung nicht zahlen, so das Landgericht Stuttgart (Aktenzeichen 5 S 244/06). Für eine Einstandspflicht der Versicherung muss das Fahrzeug in Bewegung sein, nicht das Tier.

Wer zahlt für den Unfallschaden bei einem Ausweichmanöver?


Steht außerorts ein Reh am Straßenrand oder springt ein Hase auf die Fahrbahn, weicht ein Autofahrer dem Tier in der Regel reflexmäßig aus. Nicht selten kommt es trotzdem zu einem Unfallschaden am Fahrzeug. In vielen Fällen weigern sich die Kfz-Versicherungen für Unfallschäden aufgrund eines Ausweichmanövers aufzukommen.

Während bei der Teilkaskoversicherung der Autofahrer den Wildunfall beweisen muss, muss die Vollkaskoversicherung die Kosten für einen Wildunfallschaden selbst dann übernehmen, wenn der Autofahrer den Wildunfall aufgrund eines Ausweichmanövers nicht eindeutig nachweisen kann, so das Oberlandesgericht Hamm (Aktenzeichen 20 U 134/07).

Ob die Teilkaskoversicherung bei Ausweichmanövern zahlen muss, wird von den Gerichten anhand der Größe des Tiers beurteilt.

Nach einer Entscheidung des Bundesgerichtshofs (Aktenzeichen IV ZR 321/95) riskiert ein Autofahrer seinen Teilkaskoversicherungsschutz, wenn er außerhalb einer Ortschaft etwa einem Hasen ausweicht und dabei einen Schaden verursacht. Beim Zusammenstoß mit kleinen Tieren seien weder für das Auto, noch für den Autofahrer schlimme Schäden zu erwarten. Bei einem Fuchs beurteilt der Bundesgerichtshof die Lage schon anders (Aktenzeichen XII ZR 197/05) und zwingt die Versicherung zur Übernahme der Unfallkosten.

Liegt ein totes Tier auf der Straße und kommt es aufgrund eines Ausweichmanövers zu einem Unfall, muss die Versicherung laut dem Landgericht Stuttgart (Aktenzeichen 5 S 244/06) den Unfallschaden regulieren, weil es egal sei, ob das Tier tot auf der Straße liegt oder über sie läuft. Das sieht das Oberlandesgericht München (Aktenzeichen 10 U 4630/85) anders: Überfährt ein Autofahrer ein totes Tier, realisiert sich keine spezifische Tiergefahr mehr, die ein Eintreten der Versicherung rechtfertigen würde.

Weicht ein Autofahrer einem am Waldrand stehenden Reh aus, um einen etwaigen Zusammenstoß zu vermeiden, gerät dadurch ins Schleudern und verunfallt, muss die Teilkaskoversicherung den Schaden als sogenannten Rettungskostenersatz erstatten, so das Amtsgericht München (Aktenzeichen 345 C 3874/08).

In diesem Sinne entschied auch das Oberlandesgericht Saarbrücken (Aktenzeichen 5 U 356/10 - 57) und macht darauf aufmerksam, dass die Versicherung nur dann zahlen muss, wenn der Fahrer nicht reflexmäßig ausgewichen ist und die Größe des Tieres ein Ausweichmanöver rechtfertigt.

Muss der Autofahrer die Straßenreinigung nach einem Wildunfall zahlen?


Der Autofahrer muss die Straßenreinigung nach einem Wildunfall nicht zahlen, entschied das Niedersächsische Oberverwaltungsgericht (Aktenzeichen 7 LC 34/17, 7 LC 35/17 und 7 LC 37/17). Der Autofahrer könne nicht für die toten Tiere auf der Straße verantwortlich gemacht werden. Aus diesem Grund muss laut Gericht die Kommune oder das Land die Kosten für die Beseitigung und Entsorgung der verendeten Wildtiere tragen.


erstmals veröffentlicht am 29.09.2014, letzte Aktualisierung am 28.09.2021

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