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Kategorie: Anwalt Verkehrsrecht , 29.06.2020 (Lesedauer ca. 3 Minuten, 4801 mal gelesen)

Autofahren: Auch barfuß, mit Flip Flops oder Sandalen erlaubt?

mit High-Heels am Steuer mit High-Heels am Steuer © freepik - mko

Sommer, Sonne, Autofahren – da stellt sich für viele Autofahrer die Frage nach dem richtigen Schuhwerk. Sind Sandalen oder Flip Flops am Steuer erlaubt? Darf man auch barfuß Autofahren? Was passiert, wenn es mit Schlappen am Steuer zu einem Verkehrsunfall kommt? Zahlt die Versicherung den Unfallschaden oder kann sie aufgrund des Schuhwerks die Regulierung ablehnen?

Barfuß oder mit Sandalen Autofahren – eine Ordnungswidrigkeit?


Gut zu wissen: Im deutschen Verkehrsrecht gibt es keine gesetzlichen Regelungen zum Schuhwerk beim Autofahren. Aus diesem Grund sind Sandalen, Schlappen, Flip Flops oder auch High-Heels am Steuer erlaubt. Dies gilt auch für das Barfuß-fahren.
Eine Entscheidung des Oberlandesgerichts Bamberg (Aktenzeichen 2 Ss OWi 577/06) stellt klar: Das Führen eines Kraftfahrzeugs mit ungeeignetem Schuhwerk oder ohne Schuhe stellt alleine noch keine Verkehrsordnungswidrigkeit dar. Die Vorschriften der StVO über die ordnungsgemäße Ladung und Besetzung haben laut Gericht nichts mit dem vom Fahrer getragenen Schuhwerk zu tun.

Und wenn es zu einem Verkehrsunfall kommt?


Aber: Kommt es aufgrund des ungeeigneten oder fehlenden Schuhwerks zu einem Verkehrsunfall oder einer Behinderung Dritter, ist ein Bußgeld fällig. In diesem Fall sorgt das ungeeignete oder fehlende Schuhwerk dazu, dass der Autofahrer sein Fahrzeug nicht mehr sicher beherrscht und damit gegen die Pflichten eines sorgfältigen Kraftfahrzeugführers im Sinne der Straßenverkehrsordnung verstößt, so das Oberlandesgericht Bamberg.

In diesem Sinne urteilte auch das Oberlandesgericht Celle (Aktenzeichen 322 Ss 46/07) im Fall eines LKW-Fahrers, der seinen Truck mit Sandalen lenkte und dafür ein Bußgeld in Höhe von rund 58 Euro zahlen sollte. Der Mann trug eine Art Birkenstock-Sandalette, die vorne geschlossen und hinten ohne Riemchen offen war. Das Gericht kam zum Schluss, dass mit der Sandalen-Fahrt weder ein Dritter geschädigt, gefährdet oder belästigt wurde und somit kein Tatbestand einer Ordnungswidrigkeit erfüllt ist.

Das Gericht nahm in diesem Urteil auch zum barfuß Autofahren Stellung: Beim Fahren ohne Schuhwerk bestehe die Gefahr vom Pedal abzurutschen. Doch auch hier gilt: Solange kein Dritter geschädigt oder belästigt wird, ist barfuß Autofahren nicht verboten.

Was gilt für Berufskraftfahrer?


Für Berufskraftfahrer gelten die Unfallverhütungsvorschriften der Berufsgenossenschaften. Danach sind sie verpflichtet beim Autofahren festes, den Fuß umschließendes Schuhwerk zu tragen, ansonsten kann ein Bußgeld drohen.

Was sagt die Versicherung zu Sandalen, Flip Flops oder barfuß am Steuer?


Bei einem Verkehrsunfall ist die Leistungspflicht der Kfz-Versicherung nicht abhängig vom getragenen Schuhwerk des Autofahrers. Egal, welches Schuhwerk der Unfallverursacher trägt, ob Zehentreter, Clogs, High Heels oder Turnschuhe, die Kfz-Versicherung muss den Schaden des Unfallgegners zahlen.

Doch aufgepasst: Die Kfz-Versicherung kann ihre Regulierung bezüglich der Schäden am eigenen Fahrzeug des Unfallverursachers verweigern, wenn grobe Fahrlässigkeit für den Unfall ursächlich war. Es besteht hier zumindest die Gefahr, dass ein Gericht das Tragen von Flip Flops oder Sandalen beim Autofahren als grobe Fahrlässigkeit beurteilen könnte.

Was gilt in unseren europäischen Nachbarländern?


Auch im Urlaub sollten Autofahrer geeignetes Schuhwerk tragen. In Österreich sind Sandalen oder Flip Flops am Steuer genauso wie barfuß Autofahren nicht verboten. Kommt es deshalb aber zu einem Unfall, ist eine Geldstrafe fällig.

Ähnlich verhält es sich in der Schweiz: Kein Verbot von Zehentreter, Schlappen oder Sandalen. Wer allerdings einen Unfall mit ungeeignetem Schuhwerk verursacht, muss mit einem saftigen Bußgeld, einer Strafanzeige und dem Entzug des Führerscheins rechnen.

In Italien wurde vor einigen Jahren das Verbot von ungeeignetem Schuhwerk abgeschafft.

In Frankreich ist das Autofahren mit losem Schuhwerk seit 2015 verboten und wird mit einem Bußgeld geahndet.

Auch in Spanien sind Sandalen & Co. hinter dem Autosteuer verboten und führen zu einem empfindlichen Bußgeld.

Unser Tipp


Auch wenn barfuß fahren, Flip Flops oder Sandalen am Steuer für Autofahrer alleine nicht zu Bußgeldern oder dem Verlust des Kfz-Versicherungsschutzes führen, ist ungeeignetes Schuhwerk am Steuer nicht zu empfehlen. Unfälle mit Sach- und Personenschäden können mit geeignetem Schuhwerk leicht vermieden werden.


erstmals veröffentlicht am 24.07.2012, letzte Aktualisierung am 29.06.2020

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