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Kategorie: Anwalt Verkehrsrecht , 19.02.2020 (Lesedauer ca. 3 Minuten, 1037 mal gelesen)

Handy weg beim Autofahren- Fahrverbot droht!

Handy weg beim Autofahren- Fahrverbot droht! © freepik - mko

Immer mehr Verkehrsunfälle geschehen, weil Autofahrer während der Fahrt durch ihr Mobilfunktelefon abgelenkt sind. Sie telefonieren mit dem Handy am Ohr oder schreiben SMS und gefährden damit nicht nur sich selbst, sondern auch andere Verkehrsteilnehmer. Doch wann ist das Telefonieren mit dem Handy im Auto erlaubt? Wie sieht es mit dem Versicherungsschutz bei einem Unfall mit Handy am Autosteuer aus? Und wie hoch fällt die Strafe wegen der verbotswidrigen Handynutzung aus?

Handy beim Autofahren – was ist erlaubt und was ist verboten?


Grundsätzlich ist es allen Verkehrsteilnehmern verboten, während des Autofahrens ein Handy in die Hand zu nehmen oder in der Hand zu halten, um damit zu telefonieren, SMS zu schreiben, die Uhrzeit zu lesen ( so das Oberlandesgericht Köln, Aktenzeichen 81 Ss-OWi 49/08) oder einen Anrufer wegzudrücken. Ordnungswidrig handeln Autofahrer immer dann, wenn sie bei laufendem Motor ihr Handy in die Hand nehmen – dabei ist egal, welche Funktion des Handys genutzt wird.
Ein Mobiltelefon darf während der Autofahrt auch nicht in die Hand genommen werden um Musik abspielen zu lassen – selbst dann nicht, wenn das Handy keine SIM-Karte besitzt, so das Oberlandesgericht Hamm (Aktenzeichen 4 RBs 214/17). Auch das Anschließen eines Ladekabels ans Handy ist nicht erlaubt, so das Oberlandesgericht Oldenburg (Aktenzeichen 2 Ss (OWi) 290/15). Ebenso wenig darf das Handy als Navigationsgerät (Oberlandesgericht Hamm, Aktenzeichen 1 RBs 232/14) oder als Diktiergerät (Thüringer Oberlandesgericht, Aktenzeichen 1 Ss 82/06) während der Fahrt in den Händen des Autofahrers gehalten werden. Wer mit seinem Handy an einer Unfallstelle vorbeifährt und Gafferfotos macht, verstößt ebenfalls gegen das Handyverbot der Straßenverkehrsordnung, so das Amtsgericht Castrop-Rauxel (Aktenzeichen 6 OWi - 267 Js OWi 1998/18 - 313/18, 6 OWi 313/18). Selbst wenn die Telefonkarte während der Autofahrt hin- und hergeschoben wurde, um ein Autotelefon funktionstüchtig zu machen, liegt laut Oberlandesgericht Hamm (Aktenzeichen 2 Ss OWi 25/07) ein Verstoß gegen das Handyverbot der Straßenverkehrsordnung vor. Das Handy darf während der Autofahrt auch nicht an den Beifahrer weitergereicht werden, so das Oberlandesgericht Köln (Aktenzeichen II -1 RBs 284/14). Fällt das Handy während der Fahrt in den Fußraum des Autos, darf der Autofahrer es nicht aufheben, so das Oberlandesgericht Bamberg (Aktenzeichen 3 Ss OWI 452/07).

Erlaubt ist das Telefonieren im Auto, wenn das Fahrzeug steht und der Motor abgestellt ist. Die Start-Stopp-Automatik reicht an dieser Stelle nicht. Wer also an einer roten Ampel steht und den Motor seines Autos abgestellt hat, darf während der Rotphase sein Handy nutzen. Gleiches gilt für das Stehen mit ausgeschaltetem Motor im Stau. Ansonsten kann legal mit einer Freisprechanlage oder einem einseitigen Headset im Auto telefoniert werden.

Nach Auffassung des Oberlandesgerichts Hamm (Aktenzeichen 4 RBs 92/19) ist das Verbinden eines bereits mit einem Landekabel versehenen Handy mit einer Powerbank während der Fahrt zulässig, da hier keine große die Verkehrssicherheit gefährdende Ablenkungswirkung bestehe.

Auch kann laut Oberlandesgericht Hamm (Aktenzeichen 4 RBs 392/18) bei einem Autofahrer, der während des Wegräumens einiger Papiere ein Handy in der Hand hält, nicht von einer verbotswidrigen Nutzung ausgegangen werden..

Übrigens: Funkgeräte dürfen noch bis zum 1. Juli 2020 während der Fahrt benutzt werden.

Unfall mit Handy am Ohr – Verlust des Versicherungsschutzes?


Autofahrer, die während der Fahrt ihr Handy verbotswidrig nutzen und dabei einen Verkehrsunfall mit einem Schaden verursachen, riskieren ihren Kfz-Versicherungsschutz. Auch wenn ansonsten grob fahrlässig verursachte Schäden durch den Autofahrer von den Versicherern übernommen werden, schließen viele Versicherungsverträge ihren Schutz für diese Fälle aus.

Verbotswidrige Handynutzung – wie hoch ist die Strafe?


Wer am Autosteuer sein Handy ohne Freisprechanlage nutzt, muss mit einem Punkt im Flensburger Verkehrszentralregister und 100 Euro Bußgeld rechnen. Kommt eine Gefährdung des Straßenverkehrs hinzu, erhöht sich die Strafe auf 2 Punkte, 1 Monat Fahrverbot und 150 Euro Bußgeld. Wird durch die verbotswidrige Handynutzung ein Unfall mit Sachschaden verursacht drohen dem Autofahrer 2 Punkte, 1 Monat Fahrverbot und 200 Euro Bußgeld.

erstmals veröffentlicht am 21.01.2014, letzte Aktualisierung am 19.02.2020

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