anwaltssuche
Kategorie: Anwalt Verkehrsrecht , 08.04.2021 (Lesedauer ca. 5 Minuten, 1102 mal gelesen)

Camping: Rechtstipps zum Wohnmobil

Familie in den Ferien sitzt vor einem Wohnmobil Familie in den Ferien sitzt vor einem Wohnmobil © freepik - mko

Urlaub mit dem Wohnmobil erlebt in Zeiten von Corona einen wahrhaften Boom. Doch wo ist Camping mit dem Wohnmobil überhaupt erlaubt? Was droht beim unerlaubten Wohnmobil-Camping? Was gilt für Dauercamper? Wie schnell darf man mit einem Wohnmobil fahren? Und worauf muss man beim Kauf eines Wohnmobils achten?

Camping im Wohnmobil – Wo ist das erlaubt?


In Deutschland ist das Übernachten in einem Wohnmobil auf einem öffentlichen Platz außerhalb eines Campingplatzes grundsätzlich nicht erlaubt. Nur wer zu müde ist, um seine Weiterfahrt verkehrstüchtig fortzusetzen, darf sein Wohnmobil kurz auf einem öffentlichen Parkplatz abstellen und schlafen.

Wer sein Wohnmobil in der freien Natur außerhalb eines Campingplatzes abstellt und mehrere Nächte dort übernachtet, riskiert ein Bußgeld wegen sog. Wildcampens, das je nach Bundesland empfindlich ausfallen kann.

Also: Camping im Wohnmobil am besten nur auf eigens dafür ausgewiesenen Flächen oder Campingplätzen.

Zur Eindämmung der Corona-Pandemie dürfen Parkverbote für Wohnmobile aufgestellt werden, die die Nutzung des Wohnmobils einschränken, entschied das Verwaltungsgericht Oldenburg (Aktenzeichen 7 B 842/20 und 7 B 859/20).

Was gilt für Dauercamper?


Bei unseren europäischen Nachbarn in Holland oder Frankreich ist das dauerhafte Wohnen auf dem Campingplatz oder im Wohnmobil längst üblich. Auch in Deutschland gibt es schätzungsweise 300.000 Menschen, die das Gefühl von Freiheit und Unabhängigkeit nicht nur auf ihren Urlaub beschränken wollen, sondern dauerhaft im Schrebergarten oder auf dem Campingplatz Quartier beziehen.

Das Niedersächsische Oberverwaltungsgericht (Aktenzeichen 1 KN 151/15) im Rahmen eines Streits um die Änderung eines Bebauungsplans eines Campingplatzes klargestellt, dass dauerhaftes Wohnen auf einem Campingplatz gegen die Baubenutzungsverordnung verstößt. Die Änderungen des Bebauungsplans sollte das bereits seit einiger Zeit praktizierte dauerhafte Wohnen auf dem Campingplatz legalisieren. Dem erteilte das Gericht eine Abfuhr: Die Baunutzungeverordnung lasse eine Mischung von Ferienhäusern und Gebäuden zum dauerhaften Wohnen auf einem Campingplatz nicht zu. Campingplätze sind nach der Baunutzungsverordnung Sondergebiete, die der Erholung und nicht dem dauerhaften Wohnen dienen.

Dauercamper müssen nach einem Urteil des Niedersächsischen Oberverwaltungsgerichts (Aktenzeichen 9 LB 5/07) Zweitwohnungssteuer zahlen. Betroffen sind Mobilheime, Wohnmobile sowie Campingwagen, die nicht nur vorübergehend auf einem eigenen oder fremden Flecken Erde stehen.

Dauercamper können auch zur Zahlung von Rundfunkbeiträgen herangezogen werden, entschied das Verwaltungsgericht München (Aktenzeichen M 6 K 16.950). Ein Wohnwagen gelte im Sinne des Melde- und Rundfunkrechts als Wohnung, wenn er dauerhaft abgestellt oder nur gelegentlich bewegt wird.

Welche Geschwindigkeitsbegrenzungen gelten für ein Wohnmobil?


Bei Wohnmobilen von bis zu 3,5 t ohne Anhänger gelten die Vorschriften, die auch für Personenkraftwagen gelten. Das bedeutet, wenn die Geschwindigkeit nicht durch Verkehrsschilder begrenzt wurde, gibt es für sie keine Geschwindigkeitsbegrenzung auf Autobahnen. Allerdings sollte die Richtgeschwindigkeit von 130 km/h eingehalten werden. Außerorts darf ein Wohnmobil von bis 3,5 t höchstens 100 km/h fahren. Für Wohnmobile mit einem Gewicht zwischen 3,5 und 7,5 t gilt außerorts ein Tempolimit von 80 km/h. Wohnmobile über 7,5 t dürfen außerorts nicht schneller als 60 km/h fahren. Innerorts gilt für alle Wohnmobile das Tempolimit 50 km/h.

Überschreitet der Fahrer eines Wohnmobils diese Geschwindigkeitsbeschränkungen droht ein Bußgeld zwischen 30 und 680 Euro.

Welcher Führerschein ist notwendig?


Wohnmobile von bis zu 3,5 t können mit dem Führerschein der Klasse B oder BE gefahren werden. Wer vor 1999 einen Führerschein der Klasse 3 gemacht hat, kann berechtigt sein ein Wohnmobil von bis zu 7,5 t zu fahren. Alle Führerscheininhaber, die ihren Führerschein nach 1999 gemacht haben, brauchen die Klasse C oder C1, um ein Wohnmobil bis zu 7,5 t steuern zu dürfen.
Wem die erforderliche Fahrerlaubnis fehlt, riskiert eine Strafe wegen Fahrens ohne Fahrerlaubnis.

Hauptuntersuchung: Für ältere Wohnmobil jährlich!


Der Halter eines Wohnmobils trägt die Verantwortung dafür, dass die gesetzlichen Pflichtprüftermine eingehalten werden. Nach einer Entscheidung des Verwaltungsgericht Koblenz (Aktenzeichen 5 K 916/13.KO) müssen Wohnmobile mit einer zulässigen Gesamtmasse von mehr als 3,5 Tonnen und bis zu 7,5 Tonnen spätestens sechs Jahre nach ihrer Erstzulassung jährlich zur Hauptuntersuchung.

Wer haftet, wenn es zu einem Unfall kommt?


Wer mit einem Wohnmobil in einen Tunnel oder eine Unterführung fährt, die für das Wohnmobil zu niedrig ist und es deshalb zu einem Unfall kommt, erhält den Schaden nicht von seiner Kaskoversicherung ersetzt. Dies entschied das Oberlandesgericht Oldenburg (Aktenzeichen 3 U 107/05) und stellt klar, dass der Fahrer nicht die im Verkehr erforderliche Sorgfalt bei der Einfahrt in den Tunnel habe walten lassen und sich somit grobe Fahrlässigkeit vorwerfen lassen muss.

Einbruch ins Wohnmobil - Welche Versicherung haftet?


Bei einem Wohnmobil handelt es sich nicht um ein Gebäude, daher muss eine Hausratversicherung bei einem Einbruch in ein Wohnmobil nicht für den Einbruchschaden aufkommen. Das entschied sowohl das Landgericht Hamburg (Aktenzeichen 332 S 13/01) wie auch das Landgericht Coburg (Aktenzeichen 33 S 146/01). Camper mit Wohnmobil sind daher Zusatzversicherungen zu empfehlen. Mittlerweile bieten viele Versicherungsunternehmen eigene Wohnmobilversicherungspakte an.

Camper, die ihren Ersatzschlüssel fürs gemietete Wohnmobil im Handschuhfach verstecken, handeln im Falle eines Diebstahls nicht grob fahrlässig, so das Oberlandesgericht Koblenz (Aktenzeichen 2 U 1513/01). Die Aufbewahrung des Ersatzschlüssels im Handschuhfach sei ausreichend sicher.

Auch nicht grob fahrlässig handeln Camper, die ihre EC-Karte im unbewachten Wohnmobil liegen lassen und zum Strand gehen, so das Oberlandesgericht Frankfurt am Main (Aktenzeichen 24 U 188/99). Das Gericht vertrat die Ansicht, dass die Karte im Auto besser vor Verlust geschützt war, als am Strand.

Probleme rund um den Kauf eines Wohnmobils


Wird ein Wohnmobil in einer Verkaufsanzeige als „sofort urlaubsklar“ bezeichnet, ist das keine Garantiezusage, sondern nur Werbung, entschied das Amtsgericht München (Aktenzeichen 264 C 1007/08). Treten Mängel auf, kann der Käufer nicht sofort Schadensersatz vom Verkäufer fordern.

Für die Beurteilung, ob ein Wohnmobil als Neufahrzeug bezeichnet werden darf, gelten die gleichen Voraussetzungen wie bei einem Pkw, so der Bundesgerichtshof (Aktenzeichen VIII ZR 212/17). Er stellt klar, dass ein Wohnmobil nach über zwölf Monaten nach der Herstellung nicht mehr als fabrikneu gilt.

Wer ein Wohnmobil von einem Händler gekauft hat, das von Beginn an beim Starten ruckelte, kann den Kauf rückabwickeln, entschied das Oberlandesgericht Oldenburg (Aktenzeichen 1 U 45/16). Dies stellt einen Sachmangel dar, da während des Ruckelns beim Starten des Wohnmobils spürbar weniger Motorkraft vorhanden war und der Käufer muss mit einem Motorschaden rechnen.

Ein Sachmangel bei einem Wohnmobil liegt auch vor, wenn es wegen einer Gewichtsbeschränkung nicht in der zugelassenen Personenzahl genutzt werden kann, entschied das Oberlandesgericht Frankfurt/Main (Aktenzeichen 26 U 31/14).

Sind bei den Kaufverhandlungen offensichtliche Auffälligkeit am Wohnmobil erkennbar und müssen einem durchschnittlichen Verbraucher Zweifel an der Verkaufsberechtigung des vermeintlichen Verkäufers kommen, muss der Käufer vom Wohnmobilkauf zurücktreten, so das Oberlandesgericht Hamm (Aktenzeichen 5 U 99/16).

Verschweigt ein Verkäufer eines Wohnmobils dem Kaufinteressenten einen Hagelschaden am Fahrzeug, rechtfertigt das eine Rückabwicklung des Wohnmobilkaufvertrags. Das Landgericht Nürnberg-Fürth (Aktenzeichen 10 O 309/20) stellt klar, dass das Nichtvorhandensein eines Hagelschadens Vertragsinhalt wurde, da der Verkäufer den Hagelschaden nicht bei Mängeln im Kaufvertrag aufführte und diesen auch auf Nachfrage des Käufers nicht mitteilte.

Aufgepasst: Der Käufer eines Wohnmobils muss bei auftretenden Mängeln dem Verkäufer zunächst die Gelegenheit geben die Mängel zu beseitigen. Er kann nicht sofort vom Kaufvertrag zurücktreten. Das gilt auch dann, wenn das gekaufte Wohnmobil mehr als zwanzig Mängel, wie etwa Knarren der Satellitenantenne beim Ausfahren, Flecken in der Spüle, schief sitzende Abdeckkappen der Möbelverbinder, lose Stoßstange oder Lösen der Toilettenkassette aus der Halterung während der Fahrt, aufweist. Dies stellt der Bundesgerichtshof (Aktenzeichen VIII ZR 140/12) in einer Entscheidung klar.

Zudem müssen für ein Rücktrittsrecht vom Wohnmobilkaufvertrag die Beseitigung des Mangels am Wohnmobil nicht möglich sein oder nur unter einem hohen Kostenaufwand, so der Bundesgerichtshof (Aktenzeichen VIII ZR 202/10). Ergeben die Beseitigungskosten des Mangels nur ein Prozent vom Kaufpreis des Wohnmobils, ist ein Rücktritt nicht möglich.


erstmals veröffentlicht am 21.08.2017, letzte Aktualisierung am 08.04.2021

Lesen Sie hier weitere Fachartikel im Themenbereich Auto & Verkehr
Hier finden Sie bundesweit Rechtsanwälte für Verkehrsrecht