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Kategorie: Anwalt Familienrecht , 18.05.2020 (Lesedauer ca. 4 Minuten, 374 mal gelesen)

Elterngeld: Wie viel, wie lange und wer hat einen Anspruch?

Elterngeld: Wie viel, wie lange und wer hat einen Anspruch? © mko - topopt

Nach der Geburt eines Babys erhalten junge Familien Elterngeld, um fehlendes Einkommen auszugleichen, wenn sie vorübergehend auf ihre Berufsausübung verzichten und sich der Betreuung ihres Kindes widmen. Um junge Familien auch während der Corona-Krise effektiv zu unterstützen, gibt es im Hinblick auf das Elterngeld einige befristete Neuregelungen.

Wer hat einen Anspruch auf Elterngeld?


Einen Anspruch auf Elterngeld haben alle Eltern, vorausgesetzt sie betreuen und erziehen ihr Kind selbst, leben mit ihm in einem gemeinsamen Haushalt und arbeiten nicht oder nicht mehr als 30 Stunden pro Woche. Auch nichts erwerbstätige Menschen, wie Studenten oder Hausfrauen erhalten Elterngeld. Sie betreuen und erziehen Ihr Kind selbst.

Basiselterngeld – Das sollten sie wissen!


Das Basiselterngeld erhalten Eltern, die gemeinsam ihr Kind betreuen und dadurch Einkommensverluste erzielen. Das Basiselterngeld steht ihnen in den ersten 14 Lebensmonaten ihres Babys zu, wobei die Monate unter den Elternteilen frei aufgeteilt werden kann. Jedes Elternteil kann mindestens zwei und höchstens 12 Monate beanspruchen. Alleinerziehenden stehen die 14 Monate im vollen Umfang zu. Nach den ersten 14 Lebensmonaten des Kindes können Eltern nur noch ElterngeldPlus oder den Partnerschaftsbonus in Anspruch nehmen.

Was ist ElterngeldPlus?


Eltern, deren Nachwuchs ab Juli 2015 dem das Licht der Welt erblickt, können ElterngeldPlus beantragen, wenn sie schon während des Bezugs von Elterngeld Teilzeit arbeiten wollen. ElterngeldPlus erhalten Eltern doppelt solange wie das Basiselterngeld. Entschließen sich Eltern nach der Geburt ihres Kindes nicht zu arbeiten, ist das ElterngeldPlus halb so hoch wie das Basiselterngeld. Wer Teilzeit arbeitet erhält unter Umständen ein ElterngeldPlus, das so hoch ist wie das Basiselterngeld mit Teilzeit.
Auch für Alleinerziehende haben die Möglichkeit Elterngeld Plus in Anspruch zu nehmen. Dafür benötigen sie nicht mehr wie bislang das alleinige Aufenthaltsbestimmungsrecht.

Wer erhält einen Partnerschaftsbonus?


Eine weitere Variante des Elterngeldes ist der Partnerschaftsbonus. Eltern erhalten vier ElterngeldPlus-Monate zusätzlich, wenn sie in dieser Zeit beide zwischen 25 und 30 Wochenstunden arbeiten. Dafür müssen beide Elternteile ihre Arbeitszeit auf die entsprechende Wochenstundenzahl reduzieren, stellt das Landessozialgericht Baden-Württemberg (Aktenzeichen L 11 EG 2662/17) klar.

Getrenntlebende Eltern, die gemeinsam in Teilzeit arbeiten, können den Partnerschaftsbonus auch erhalten – genauso wie Alleinerziehende.

Wie viel Elterngeld erhalte ich?


Die Höhe des Elterngeldes bemisst sich nach dem Durchschnittseinkommen der letzten zwölf Monate des antragstellenden Elternteils. Eltern mit niedrigem Einkommen können bis zu 100 Prozent des vorher erzielten Einkommens erhalten, Eltern mit höherem Einkommen erhalten 65 Prozent ihres Voreinkommens.

Das Basiselterngeld beträgt mindestens 300 Euro und höchstens 1.800 Euro im Monat. ElterngeldPlus gibt es zwischen 150 Euro und höchstens 900 Euro im Monat.

Für Familien mit mehreren kleinen Kindern gibt es den Geschwisterbonus: 10 Prozent zum Elterngeld. Bei Mehrlingsgeburten erhalten die Eltern einen Zuschlag von 300 Euro für jedes weitere neugeborene Baby.
Für die Berechnung des Arbeitslosengeld II wird Elterngeld in voller Höhe als Einkommen angerechnet.

Neuregelung des Elterngeldes während Corona: Was hat sich geändert?


Die Corona-Krise ruft bei vielen Familien große Unsicherheiten im Hinblick auf das Elterngeld hervor. Eltern in systemrelevanten Berufen müssen mehr arbeiten als gewollt und können möglicherweise ihre Elterngeldmonate nicht wie beabsichtigt nehmen. Andere Eltern sind von Kurzarbeit betroffen und haben die Befürchtung, dass sich ihr niedriges Einkommen auf das Elterngeld auswirkt. Um Familien auch während der Corona-Krise mit Elterngeld unterstützen zu können, wurden zeitlich befristete Neuregelungen beim Elterngeld beschlossen, die rückwirkend seit dem 1. März 2020 gelten.

Danach können Eltern in systemrelevanten Berufen, wie Ärzte, Pflegepersonal oder Polizisten, ihre Elterngeldmonate bis spätestens zum Juni 2021 aufschieben, wenn sie nicht in der Lage sind diese zwischen dem 1. März 2020 und 31. Dezember 2020 in Anspruch zu nehmen.

Die Partnerschaftsmonate bleiben auch dann bestehen, wenn ein Elternteil mehr oder weniger aufgrund der Corona-Krise arbeitet.

Familien, die coronabedingt weniger Einkommen etwa aufgrund von Kurzarbeit beziehen, müssen keine Abzüge beim Elterngeld befürchten. Die Zeit mit weniger Einkommen wirkt sich nicht auf die Höhe des Elterngeldes aus. Werdende Eltern können die Monate mit reduziertem Einkommen bei der Elterngeldberechnung herausnehmen.

Wie lange erhalte ich Elterngeld?


Ein Anspruch auf Elterngeld besteht in den ersten 14 Lebensmonaten des neugeborenen Kindes. Vater und Mutter können sich die Elternzeit flexibel aufteilen. Nutzen beide Eltern das Angebot der Elternzeit erhalten sie zwei zusätzliche Monate. Alleinerziehende Elternteile haben ebenfalls einen Anspruch auf 14 Monate Elternzeit.

Erhöhen Gehaltsnachzahlungen, Provisionen oder Weihnachtsgeld das Elterngeld?


Gehaltsnachzahlungen können das Elterngeld erhöhen, entschied das Bundessozialgericht (Aktenzeichen B 10 EG 1/18 R). Entscheidend ist, welches Einkommen der Elterngeldberechtigte im Bemessungszeitraum erzielt. Nachgezahlter laufender Arbeitslohn, den der Elterngeldberechtigte außerhalb der für die Bemessung des Elterngelds maßgeblichen zwölf Monate vor dem Geburtsmonat des Kindes erarbeitet hat, ist der Bemessung des Elterngeldes zugrunde zu legen, wenn er im Bemessungszeitraum zugeflossen ist.

In den 12 Monaten vor der Geburt eines Kindes nachgezahltes Gehalt erhöht das Elterngeld auch dann, wenn es sich um eine Nachzahlung aus dem vorangegangenen Kalenderjahr handelt. Nicht beim Elterngeld berücksichtigt werden dagegen Gehaltsnachzahlungen, die Eltern erst nach der Geburt des Kindes erhalten. Das hat das Landessozialgericht Nordrhein-Westfalen (Aktenzeichen L 13 EG 5/09) entschieden.

Nach einer Entscheidung des Bundessozialgerichts (Aktenzeichen B 10 EG 5/17 R) kann der im Steuerbescheid ausgewiesene Jahresgewinn eines Gesellschafters nicht mehr anteilig im Elterngeldbezugszeitraum als Einkommen angerechnet werden, wenn er für diese Zeit auf seinen Gewinn verzichtet hat. Damit hat das Bundessozialgericht seine bisherige Rechtsprechung an die gesetzlichen Neuregelungen der Einkommensabrechnung nach dem Elterngeldvollzugsvereinfachungsgesetz angepasst.
Erhält ein Arbeitnehmer vor der Geburt seines Kindes Provisionen von seinem Chef, die als laufender Arbeitslohn gezahlt werden, sind diese bei der Berechnung des Elterngeldes zu berücksichtigen. Keine Berücksichtigung bei der Bemessung der Elterngeldhöhe finden Provisionen, die als sonstige Bezüge gezahlt werden. Dies entschied jüngst das Bundessozialgericht (Aktenzeichen B 10 EG 7/17 R u.a.) im Fall eines Arbeitnehmers, dessen Provisionen als sonstige Bezüge nur quartalsweise vom Arbeitgeber gezahlt wurden.

Bei der Bemessung von Elterngeld werden jährliche Einmalzahlungen, wie Weihnachts- oder Urlaubsgeld, nicht berücksichtigt. Dies stellte das Bundessozialgericht (Aktenzeichen B 10 EG 5/16 R) in einer Entscheidung klar.

Steuerklassenwechsel kann Elterngeld erhöhen!


Ehegatten dürfen vor der Geburt eines Kindes die Steuerklasse wechseln, um höheres Elterngeld zu beziehen. Das entschied das Landessozialgericht Nordrhein-Westfalen (Aktenzeichen L 13 EG 51/08).

Wo kann ich Elterngeld beantragen?


Elterngeld kann mit einem entsprechenden Formular von jedem Elternteil bei der örtlich zuständigen Elterngeldstelle beantragt werden. Dem Antrag sollte die Geburtsurkunde des Kindes sowie entsprechende Gehaltsnachweise beigefügt werden.

Wichtig zu wissen: Elterngeld wird höchstens drei Monate rückwirkend geleistet. Es sollte daher in den ersten drei Lebensmonaten des Neugeborenen beantragt werden.


erstmals veröffentlicht am 14.10.2013, letzte Aktualisierung am 18.05.2020

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