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Kategorie: Anwalt Zivilrecht , 12.11.2021 (Lesedauer ca. 2 Minuten, 214 mal gelesen)

Gutscheine: Wie lange sind sie gültig und wann verfallen sie?

Gutscheine: Wie lange sind sie gültig und wann verfallen sie? © CC0 - Daniel Nanescu - splitshire.com

Ob zu Weihnachten, zum Geburtstag oder zur Hochzeit: Gutscheine sind ein beliebtes Geschenk. Leider verschwinden sie oft in der Schublade und der Beschenkte fragt sich später, ob er den Gutschein noch einlösen kann. Wie lange sind Gutscheine gültig? Können sie verfallen? Was gilt für Gutscheine während der Corona-Pandemie? Und müssen Händler einen Gutschein bar auszahlen?

Wer darf einen Gutschein einlösen?


Nach dem bürgerlicher Recht ist ein Gutschein ein sog. kleines Inhaberpapier. Das bedeutet, jeder der den Gutschein in den Händen hat, kann ihn auch einlösen. Dabei ist es völlig unerheblich auf welchen Namen der Gutschein ausgestellt wurde.

Wie lange sind Gutscheine gültig?


Gutscheine verfallen grundsätzlich nach drei Jahren ab Ausstellungsdatum. Wurde kein Ausstellungsdatum auf dem Gutschein vermerkt, kann er drei Jahre nach Ablauf des Jahres, in dem er ausgestellt wurde, beim Handel eingelöst werden.

Oft werden Gutscheine aber auch befristet „… einlösbar bis …“ oder „… gültig bis …“. In diesen Fällen können Gutscheine auch früher als drei Jahre verfallen. Aufgepasst: Die Befristung der Gültigkeit muss nicht zwingend auf dem Gutschein vermerkt sein, sie kann auch in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen stehen.

Eine Gültigkeitsdauer von einem Jahr ist bei Gutscheinen in der Regel unzulässig. In diesem Fall greift dann die Gültigkeits-Frist von drei Jahren. Dies entschied das Oberlandesgericht München (Aktenzeichen 29 U 3193/07 und 29 U 4761/10) im Fall eines Gutscheins bei einem Online-Waren-Händler.

Wann verfallen Gutscheine?


Unbefristete Gutscheine verfallen mit Ablauf der Verjährungsfrist von drei Jahren. Befristete Gutscheine verfallen mit Ablauf des Gültigkeitsdatums. Aber wichtig zu wissen: Bei befristeten Gutscheinen ist dann das Geld noch nicht weg. Der Handel muss dem Kunden bis zum Ablauf der dreijährigen Verjährung den Geldwert des Gutscheins erstatten. Oft zahlt der Händler nicht die gesamte Summe aus, sondern behält sich eine Aufwandspauschale ein.

Was gilt für Gutscheine während Corona?


Auch während der Corona-Pandemie gilt für Gutscheine die dreijährige Verjährungsfrist. Ist es dem Kunden pandemiebedingt nicht möglich den Gutschein einzulösen, etwa weil die Sauna auf behördliche Anweisung hin bis zur Verjährung des Gutscheins geschlossen hat, sollte er sich mit dem Aussteller des Gutscheins in Verbindung setzen und eine Verlängerung der Verjährungsfrist vereinbaren.

Müssen Händler einen Gutschein bar auszahlen?


Kunden haben gegenüber dem Handel keinen Anspruch darauf, dass ihnen der Geldwert des Gutscheins ausgezahlt wird. Wird der Geldwert des Gutscheins nicht voll in Anspruch genommen, besteht auch kein Anspruch auf Auszahlung des Restwertes. Der Händler darf über den Restwert einen neuen Gutschein ausstellen.

Händler pleite – was passiert mit dem Gutschein?


Meldet ein Betrieb Insolvenz an, kann der Gutschein nicht mehr eingelöst werden. Der Kunde hat nur noch die Möglichkeit seine Forderung im Rahmen des Insolvenzverfahrens geltend zu machen.

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