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Kategorie: Anwalt Versicherungsrecht , 22.09.2020 (Lesedauer ca. 2 Minuten, 757 mal gelesen)

Baum- und Astkontrolle: Welche Pflichten haben Eigentümer?

Abgebrochener Ast liegt neben einem Baum Abgebrochener Ast liegt neben einem Baum © freepik - mko

Ein Sturm stürzt Bäume um und knickt Äste ab. Für Spaziergänger und Autofahrer kann das schnell gefährlich werden. Wer haftet für die Schäden aufgrund eines umgestürzten Baums? Welche Kontrollpflichten haben Grundstückseigentümer mit Baumbestand? Und mit welchen Folgen müssen sie rechnen, wenn sie der Baumkontrollpflicht nicht nachkommen?

Regelmäßige Baumkontrolle notwendig


Ein Grundstückseigentümer mit Baumstand haftet grundsätzlich für die Verkehrssicherheit seiner Bäume. Das bedeutet, er muss dafür sorgen, dass vom Baumbestand keine Gefahr für Dritte ausgeht. Wer diese Verkehrssicherungspflicht verletzt, riskiert unter Umständen hohe Schadensersatz- und Schmerzensgeldzahlungen. In welchem Umfang die Baum- und Astkontrolle durchgeführt werden muss, hängt davon ab, ob der Baum sich im Privatbesitz oder im öffentlichen Besitz befindet.

Bäume im Privat-Eigentum: Sichtkontrolle ausreichend!


Private Baum-Eigentümer müssen ihren Baumstand regelmäßig auf Schäden, Standfestigkeit und Erkrankungen kontrollieren. Die Baumkontrolle umfasst aber nur eine Sichtkontrolle, ob für einen Laien erkennbare Probleme beim Baumbestand aufgetreten sind.
Dies entschied das Oberlandesgericht Oldenburg (Aktenzeichen 12 U 7/17) im Fall einer Frau, die ihr Auto unter einer Rotbuche geparkt hatte. Als sie zurück zu ihrem Fahrzeug kam, hatte ein herunterfallender Ast das Auto beschädigt. Die Frau verlangte Schadensersatz in Höhe von rund 9.000 Euro von der Hausverwaltung der Wohnanlage, in der die Rotbuche stand, da diese ihre Verkehrssicherungspflicht verletzt habe. Das sah das Gericht anders: Die Hausverwaltung sei ebenso wie ein privater Baum-Eigentümer Laie in der Beurteilung von Baumschäden. Für sie sei die Instabilität des Baumes nicht erkennbar gewesen. Laut Gericht ist ein privater Baum-Eigentümer nicht verpflichtet eine regelmäßige Baumkontrolle durch einen Fachmann durchführen zu lassen. Eine Sichtkontrolle sei ausreichend.
Handelt es sich bei dem privaten Baum-Eigentümer allerdings um einen Profi, ist an den Umfang der Baumkontrollpflicht höhere Anforderungen zu stellen, entschied das Landgerichts Coburg (Aktenzeichen 12 O 471/06). Seiner Ansicht nach können Wachstumsauffälligkeiten, wie ein ungünstiger Vergabelungsaufbau bei einem Baum, Anlass genug sein, einen Fachmann bei der Baumkontrolle hinzuziehen. Für den Forstbetrieb des Waldbesitzers sei diese Schwachstelle problemlos erkennbar gewesen.
Der Bundesgerichtshof (Aktenzeichen VI ZR 311/11) lehnt die Haftung eines Waldbesitzers für einen herabstürzenden Ast, der eine Spaziergängerin verletzte, ab. Die Spaziergängerin war bei leichtem Wind auf einem Forstwirtschaftsweg durch ein Waldgrundstück eines privaten Waldbesitzers gegangen, als ein Ast einer Eiche abbrach und sie am Hinterkopf traf.
Laut Bundesgerichtshof ist nach den im Einklang mit § 14 BWaldG erlassenen landesrechtlichen Vorschriften (hier: § 25 des Waldgesetzes für das Saarland) das Betreten des Waldes zu Erholungszwecken jedermann gestattet. Die Benutzung des Waldes geschehe jedoch auf eigene Gefahr. Dem Waldbesitzer, der das Betreten des Waldes dulden muss, sollen dadurch keine besonderen Sorgfalts- und Verkehrssicherungspflichten erwachsen. Er hafte deshalb nicht für waldtypische Gefahren, sondern nur für solche Gefahren, die im Wald atypisch sind. Dazu zählen insbesondere die Gefahren, die nicht durch die Natur bedingt sind. Die Gefahr eines Astabbruchs sei dagegen grundsätzlich eine waldtypische Gefahr. Sie werde nicht deshalb, weil ein geschulter Baumkontrolleur sie erkennen kann, zu einer im Wald atypischen Gefahr, für die der Waldbesitzer einzustehen hätte.

Bäume im öffentlichen Eigentum – Kontrolle durch Fachmann nötig!


Steht ein Baum im öffentlichen Eigentum wird an die Verkehrssicherungspflicht höhere Anforderungen gestellt. Die Kommune ist verpflichtet ihre Bäume regelmäßig zu kontrollieren. Ist ein Baum von einer Krankheit befallen oder treten abgestorbene Äste auf, muss er von einem auf Baumkontrolle spezialisierten Fachmann auf Erkrankungen, Schäden und seine Standfestigkeit überprüft werden.

erstmals veröffentlicht am 07.11.2012, letzte Aktualisierung am 22.09.2020

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