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Kategorie: Anwalt Immobilienrecht , 22.09.2022 (Lesedauer ca. 3 Minuten, 6146 mal gelesen)

Was tun bei Überwuchs und Verschattung durch Nachbars Pflanzen?

Was tun bei Überwuchs und Verschattung durch Nachbars Pflanzen? © freepik - mko

Nachbars Pflanzen verschatten durch Überwuchs oder aufgrund ihrer Größe das eigene Grundstück. Wann kann ich vom Nachbarn verlangen, dass er seine Bäume und Sträucher zurückschneidet? Wie viel Überwuchs muss ich dulden? Wann darf ich bei Überwuchs selbst zur Heckenschere greifen? Und kann ich bei Verschattung meines Grundstücks das Fällen der Bäume verlangen?

Wann muss der Nachbar seine Pflanzen zurückschneiden?


Überwuchs und meterhohe Pflanzen, die das Grundstück verschatten, können eine Beeinträchtigung des Eigentums des Nachbarn darstellen, was ihm einen Anspruch auf Beseitigung verschafft.

Vier Meter über die Grundstücksgrenze hängende Äste von Fichten und Birken muss der Nachbar nicht dulden, entschied das Landgericht Coburg (Az. 33 S 26/08). Angesichts des Überhangs von bis zu vier Metern, verbunden mit der dadurch verstärkten Schattenbildung und den herabfallenden Nadeln, Zapfen und abgestorbenen Zweigen, liege eine Beeinträchtigung des Eigentums beim Nachbarn unzweifelhaft vor.

So muss auch überwucherndes Efeu nach einer Entscheidung des Amtsgerichts München (Az. 241 C 10407/05) vom Nachbarn beseitigt werden, wenn es Schädigungen am Mauerwerk des Nachbarhauses verursacht.

Baumwurzeln, die sich von Nachbars Grundstück auf dem eigenen Grundstück breit machen, und dabei Schäden verursachen, müssen ebenfalls entfernt werden. Der Nachbar muss die Kosten der Beseitigung und der Schadensbehebung tragen, urteilte der BGH (Az. V ZR 99/03).

Wie viel Überwuchs muss ich dulden?


Den Überwuchs von einer geschützten Rotbuche muss der Nachbar dulden, wenn die Beseitigung der Zweige zur Schädigung des unter Naturschutz stehenden Baumes führen könnte und die Beseitigung nicht aus zwingenden Gründen geboten ist. Entschied das Landgericht Koblenz (Az. 6 S 162/06).

Eine Beseitigung der Bäume, bzw. Äste, kann auch nicht verlangt werden, wenn dem Nachbarn der Rückschnitt der Äste behördlich untersagt wurde und das Grundstück des Nachbarn auch nicht beeinträchtigt wird, so das Landgericht Coburg (Az. 12 O 118/15).
Im Fall eines im öffentlichen Raum stehenden Baumes, der mit seinen überwachsenden Ästen einen Rettungsweg auf einem privaten Grundstück beeinträchtigte, kann der Grundstückseigentümer nicht von der Kommune verlangen den Baum zurückzuschneiden, entschied das Verwaltungsgericht Berlin (Az. 1 K 190/20). Die Pflicht den Rettungsweg in Funktion zu halten, treffe nicht die Kommune, sondern den Grundstückseigentümer.

Wann darf ich bei Überwuchs selbst zur Heckenschwere greifen?


Zunächst sollte der Nachbar von den herüberwachsenden Ästen und Zweigen informiert und um Beseitigung des Überwuchses innerhalb einer angemessenen Frist gebeten werden.

Bleibt der Nachbar untätig, darf der Betroffene selbst zur Motorsäge oder Heckenschere greifen oder einen Gartenprofi mit der Beseitigung des Überwuchses beauftragen. Die Kosten muss dann der Nachbar tragen.

So entschied das Landgericht München I (Az.15 S 7927/00), dass der Nachbar selbst zur Heckenschere greifen darf, wenn die Verschattung seines Grundstücks durch den Überwuchs dazu führt, dass auf seinem Grundstück keine Sonne im Sommer zu sehen ist.
Das Selbsthilferecht des Nachbarn geht sogar so weit, dass er überhängende Äste auch dann abschneiden darf, wenn damit die Standfestigkeit des Baumes gefährdet wird oder sogar das Absterben des Baumes droht, so der BGH (Az. V ZR 234/19).

Kann ich bei Verschattung die Beseitigung der Bäume verlangen?


Ein nachbarrechtlichen Beseitigungsanspruch bei Bäumen die das Grundstück verschatten, kommt laut BGH (Az. V ZR 229/14) nur in Ausnahmefällen in Betracht. Der betroffene Grundstückseigentümer muss dann aufgrund der Höhe der Bäume einen schweren nicht hinzunehmenden Nachteil erlitten haben. Aber hieran fehlt es laut Bundesgerichtshof im Fall der 25 Meter hohen Eschen. Die Bepflanzung sei den Rheinhaus-Nachbarn zu zumuten, zumal auch keine ganzjährige Verschattung des Gartens durch die Laubbäume gegeben sei.

Bei Bäumen und Sträuchern, die hinter einer Sichtschutzwand in die Höhe schießen, entschied das Amtsgericht München (Az. 173 C 19258/09) hingegen, dass diese beseitigt werden müssen, sobald sie den Nachbarn beeinträchtigen.



erstmals veröffentlicht am 06.08.2015, letzte Aktualisierung am 22.09.2022

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