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Kategorie: Anwalt Immobilienrecht , 21.06.2021 (Lesedauer ca. 2 Minuten, 2257 mal gelesen)

Was tun bei Überwuchs und Verschattung durch Nachbars Pflanzen?

Was tun bei Überwuchs und Verschattung durch Nachbars Pflanzen? © freepik - mko

Die Sonne lacht vom blauen Himmel - aber nicht im eigenen Garten! Hier verhindern die meterhohen Bäume des Nachbargrundstücks das Eindringen jeglichen Sonnenlichts. Kann der Grundstückseigentümer in diesem Fall das Fällen der Bäume vom Nachbarn verlangen? Oder darf er sogar selbst zur Motorsäge greifen?

Ist die Verschattung des Grundstücks eine Eigentumsbeeinträchtigung?


Wenn meterhohe Bäume das Grundstück verschatten kann laut einer Entscheidung des Bundesgerichtshofs (Aktenzeichen V ZR 229/14) eine Beeinträchtigung des Eigentums vorliegen. Voraussetzung ist, dass etwa die landesrechtlichen Vorschriften hinsichtlich der einzuhaltenden Abstände beim Pflanzen vom Nachbarn nicht eingehalten worden sind. Im Fall eines Reihenhausbungalows, dessen Grundstück von 25 Meter hohen Eschen des Nachbargrundstücks verschattet wurde, lehnte der BGH aber eine Eigentumsbeeinträchtigung ab. Der Pflanzabstand für stark wachsende Bäume von 4 Metern wurde hier eingehalten.

Vier Meter über die Grundstücksgrenze hängende Äste von Fichten und Birken muss der Nachbar nicht dulden, entschied das Landgericht Coburg (Aktenzeichen 33 S 26/08). Angesichts des Überhangs von bis zu vier Metern, verbunden mit der dadurch verstärkten Schattenbildung und den herabfallenden Nadeln, Zapfen und abgestorbenen Zweigen, liege eine Beeinträchtigung des Eigentums beim Nachbarn unzweifelhaft vor.

Überwuchs und Verschattung – Wann hat der Grundstückseigentümer einen nachbarrechtlichen Beseitigungsanspruch?


Ein nachbarrechtlichen Beseitigungsanspruch bei verschattendem Baumwuchs kommt laut Bundesgerichtshof (Aktenzeichen V ZR 229/14) nur in Ausnahmefällen in Betracht. Der betroffene Grundstückseigentümer muss dann aufgrund der Höhe der Bäume einen schweren nicht hinzunehmenden Nachteil erlitten haben. Aber hieran fehlt es laut Bundesgerichtshof im Fall der 25 Meter hohen Eschen. Die Bepflanzung sei den Rheinhauseigentümern zu zumuten, zumal auch keine ganzjährige Verschattung des Gartens durch die Laubbäume gegeben sei.

Bei Bäumen und Sträuchern, die hinter einer Sichtschutzwand in die Höhe schießen, entschied das Amtsgericht München (Aktenzeichen 173 C 19258/09) hingegen, dass diese beseitigt werden müssen, sobald sie den Nachbarn beeinträchtigen.
Auch überwucherndes Efeu muss nach einer Entscheidung des Amtsgerichts München (Aktenzeichen 241 C 10407/05) vom Pflanzenbesitzer beseitigt werden, wenn es Schädigungen am Mauerwerk des Nachbarn verursacht.
Baumwurzeln, die sich von Nachbars Grundstück auf dem eigenen Grundstück breit machen, und dabei Schäden verursachen, müssen ebenfalls beseitigt werden. Der Nachbar muss die Kosten der Beseitigung und der Schadensbehebung tragen, urteilte der Bundesgerichtshof (Aktenzeichen V ZR 99/03).

Das Selbsthilferecht des Nachbarn geht sogar so weit, dass er überhängende Äste auch dann abschneiden darf, wenn damit die Standfestigkeit des Baumes gefährdet wird oder sogar das Absterben des Baumes droht, entschied der Bundesgerichtshof (Aktenzeichen V ZR 234/19).

Aber: Den Überwuchs von einer geschützten Rotbuche muss der Nachbar dulden, wenn die Beseitigung der Zweige zur Schädigung des unter Naturschutz stehenden Baumes führen könnte und die Beseitigung nicht aus zwingenden Gründen geboten ist. Dies urteilte das Landgericht Koblenz (Aktenzeichen: 6 S 162/06).

Wie setzt man den Beseitigungsanspruch bei Überwuchs durch?


Zunächst sollte der Nachbar von den herüberwachsenden Ästen und Zweigen informiert und um Beseitigung des Überwuchses innerhalb einer angemessenen Frist gebeten werden.

Bleibt der Nachbar untätig, darf der Betroffene selbst zur Motorsäge oder Heckenschere greifen oder einen Gartenprofi mit der Beseitigung des Überwuchses beauftragen. Die Kosten muss dann der Nachbar tragen.

erstmals veröffentlicht am 06.08.2015, letzte Aktualisierung am 21.06.2021

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