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Kategorie: Anwalt Versicherungsrecht , 05.06.2018

Unfälle im Schwimmbad – Wer haftet?

Unfälle im Schwimmbad – Wer haftet? © siraphol - Fotolia

Freizeit- und Spaßschwimmbäder mit Loping-Rutschen, Wildwasserkanal oder einem Wellenbad sind ein großer Spaß für die ganze Familie. Leider kommt es immer wieder zu Unfällen mit teilweise erheblichen gesundheitlichen Folgen und zum juristischen Streit, wer für den Unfall im Schwimmbad haften muss.

Kein Hinweis auf Rutschgefahr im Nassbereich des Schwimmbeckens notwendig


Der Nassbereich eines Schwimmbeckens muss weder mit Gummimatten ausgelegt werden, noch müssen die Schwimmbadbesucher besonders auf die Rutschgefahr aufmerksam gemacht werden. Dies entschied das Oberlandesgericht Nürnberg (Aktenzeichen 4 U 1176/17) im Fall einer Besucherin einer Badewelt, die im Bereich eines Aussenbeckens ausrutschte und sich verletzte. Ihre Klage auf Schmerzensgeld und Schadensersatz lehnte das Gericht ab. Die Sicherheitsvorkehrungen im Schwimmbad seien ausreichend gewesen. Der Schwimmbadbetreiber sei nicht verpflichtet gewesen Gummimatten vor dem Schwimmbecken auszulegen, der vorhandene Handlauf am Schwimmbecken reiche aus. Der Besuch eines Schwimmbads sei mit vielen Gefahren verbunden, die auch eine allgegenwärtige Aufsicht nicht vermeiden könne, so die Nürnberger Richter.

BGH zu den Pflichten der Schwimmbadaufsicht


Der Bundesgerichtshof (Aktenzeichen III ZR 60/16) hat in einer aktuellen Entscheidung die Überwachungs- und Rettungspflichten der Schwimmbadaufsicht konkretisiert. Danach besteht für die Schwimmbadaufsicht nicht die Pflicht jeden Schwimmer lückenlos zu beobachten. Aber sie muss den Badebetrieb ständig im Blick haben und mögliche Gefahren für die Badegäste erkennen. Dafür muss sich die Schwimmbadaufsicht einen Ort suchen, von dem aus der gesamte Schwimmbereich überblickt werden kann und wenn nötig auch öfters mal den Standort wechseln. Der Bundesgerichtshof stellt in dieser Entscheidung auch klar, dass bei einem Pflichtverstoß der Schwimmbadaufsicht die Beweislast für die fehlende Ursächlichkeit der Pflichtverletzung für den Gesundheitsschaden des verunglückten Badegastes bei der Schwimmbadaufsicht liegt.

Bank in der Umkleide kippt und verletzt Frau- Schwimmbad haftet nicht!


Die Tatsache, dass eine Bank in der Umkleidekabine eines Schwimmbads nicht mit der Wand oder dem Boden verbunden ist, führt noch nicht zur Haftung des Schwimmbadbetreibers. Das entschied das Amtsgericht München (Aktenzeichen 191 C 21259/13) im Fall eines vierjährigen Kindes, das mit seiner Mutter ein Schwimmbad besuchte. In der Umkleidekabine stellte die Mutter das Kind auf die dort stehende Bank, die Bank kippte und fiel der Mutter auf den Fuß. Die Frau verlangte Schadensersatz vom Schwimmbadbetreiber, da ihrer Meinung nach die Bank in der Umkleidekabine an der Wand oder mit dem Boden verschraubt sein hätte müssen.

Zu Unrecht, entschied das Amtsgericht München und gab dem Schwimmbadbetreiber Recht. Die Bank sei nur eine kleine Möglichkeit sich hinzusetzen. Schwimmbadbesucher hätten erkennen können, dass die Bank nicht mit Wand oder Boden verbunden gewesen sei. Bei sachgerechter Nutzung stelle die Bank keine Gefahrenquelle dar, weshalb der Schwimmbadbetreiber auch keine Verkehrspflichtverletzung begangen habe und daher auch nicht für den Unfall haften müsse.

Unfall auf einer Wellenrutsche- Schwimmbadbetreiber haftet nicht!


Eine junge Frau erlitt bei einem Schwimmbadbesuch einen Unfall auf einer wellenförmigen Wasserrutsche. Sie zog sich dabei erhebliche Verletzungen an ihren Lendenwirbeln zu. Vom Schwimmbadbetreiber forderte sie Schmerzensgeld in Höhe von 30.000 Euro, sie war der Meinung, dass die Wasserrutsche in ihrer Formgebung fehlerhaft sei. Ihr Unfall habe sich aufgrund der Wellenform der Rutsche ereignet. Bei der Benutzung der Wellenrutsche hebe man ab und beim Aufkommen bestehe dann ein erhöhtes Verletzungsrisiko. Die Gefahr des Abhebens sei an der Rutsche nicht mit einer Beschilderung angezeigt gewesen.
Zu Unrecht, entschied das Oberlandesgericht Hamm (Aktenzeichen 9 U 13/14). Das Gericht sah in dem Typ „Wellenrutsche“ kein erhöhtes Gefährdungspotential. Folgten die Schwimmbadbesucher den Hinweisen an der Wellenrutsche, nämlich sitzend und nach vorne gebeugt zu rutschen, könnten Unfälle an der Wellenrutsche vermieden werden. Ein ungewolltes Abheben von der Wellenrutsche sei dann nicht mehr möglich.

Unfallhergang unklar- Schwimmbadbetreiber haftet nicht!


Kommt es im Schwimmbad bei der Benutzung einer Wasserrutsche zu einem Unfall und kann der verunglückte Badegast dem Schwimmbadbetreiber keine Verkehrspflichtverletzung nachweisen – etwa weil die Wasserrutsche allen DIN-Vorschriften entspricht – geht er auch it seinen Schadensersatzforderungen leer aus. So entschied das Oberlandesgericht Hamm (Aktenzeichen I-7 U 22/12 ).



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