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Kategorie: Anwalt Reiserecht , 11.12.2018 (Lesedauer ca. 2 Minuten)

Immer wieder Ärger um die Beförderungskosten von Fluggepäck

Immer wieder Ärger um die Beförderungskosten von Fluggepäck © mko - topopt

Der Flug ist ein Schnäppchen, aber für die Beförderung des Gepäcks muss der Fluggast dann nochmal richtig zahlen. Für den Kunden werden diese Extrakosten oft erst nach der Buchung transparent. Das geht nicht, entschied kürzlich das Oberlandesgericht Dresden.

Onlineportal muss Extrakosten für Gepäck vor Vertragsschluss ausweisen


Geklagt hatte der Verbraucherzentrale Bundesverband gegen das Internetportal „Ab-in-den-Urlaub“. Beim Online-Reiseportal werden vor Abschluss des Vertrages keine zusätzlichen Gepäckkosten angezeigt. Es wird lediglich daraufhin gewiesen, dass der Flugpreis kein Freigepäck beinhaltet.

Mit dieser Geschäftspraxis verstößt das Online-Reiseportal gegen die EU-Luftverkehrsdienste-Verordnung, entschied das Oberlandesgericht Dresden (Aktenzeichen 14 U 751/18). Zusätzlich zum Flugpreis müssen auch alle Kosten für zusätzliche Leistungen transparent und erkennbar vor Vertragsschluss angezeigt werden. Für Fluggäste sei die Mitnahme von Gepäck von erheblicher Bedeutung und die Beförderungskosten für Fluggepäck wirkten sich deutlich auf den Flugpreis aus. Das Online-Reiseportal sei verpflichtet die bei Vertragsschluss gültigen Beförderungskosten für Gepäck vor Abschluss des Vertrages dem Kunden mitzuteilen.

Beförderung von Fluggepäck ist fakultative Dienstleistung


Fluggäste können nicht davon ausgehen, dass die Beförderung ihres Fluggepäcks ohne eine Zusicherung durch die Fluggesellschaft kostenfrei erfolgt. Dies stellt ein Urteil des Amtsgerichts München fest.

Im zugrundeliegenden Fall buchte ein Fluggast über ein Internetportal zwei Flugtickets von Berlin nach Tel Aviv. Laut Flug- und Gepäckbestimmungen war im Flugpreis nur die Mitnahme eines Handgepäckstücks pro Reisenden enthalten. Beim Hinflug wurden dem Fluggast keine Gebühren für zusätzliches aufgegebenes Gepäck in Rechnung gestellt. Beim Rückflug verlangte die Fluggesellschaft pro aufgegebenem Gepäckstück 80 US-Dollar. Diese Kosten verlangte der Fluggast von der Airline zurück.

Zu Unrecht, entschied das Amtsgericht München (Aktenzeichen 159 C 12576/15) und verwies darauf, dass der Fluggast im konkreten Fall nicht nachweisen konnte, dass die Fluggesellschaft eine kostenfreie Gepäckbeförderung vertraglich zugesichert hat. Gerade bei Billig-Airlines sei man darauf bedacht die Kosten für die Beförderung gering zu halten und verschlanke daher sonstige Serviceleistungen, wie Sitzplatzreservierung, Gepäckbeförderung, Bordgastronomie oder die Zurverfügungstellung von Zeitungen. Diese Serviceleistungen sind daher fakultativen Dienstleistungen, die als Extra-Kosten hinzukommen. Damit Fluggäste von einem günstigen Flugpreis profitieren können, bietet die Airline nur die Beförderung des Fluggastes an, so das Amtsgericht München.


erstmals veröffentlicht am 18.07.2016, letzte Aktualisierung am 11.12.2018

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