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Kategorie: Anwalt Reiserecht , 22.12.2021 (Lesedauer ca. 4 Minuten, 927 mal gelesen)

Reisegepäck weg oder beschädigt – Was nun?

roter Rollenkoffer neben Gepäckband am Flughafen roter Rollenkoffer neben Gepäckband am Flughafen © freepik - mko

Jährlich werden Millionen von Koffern, Taschen oder Rucksäcken auf Flügen fehlgeleitet, kommen beschädigt oder niemals bei ihrem Besitzer an. Doch was tun, wenn das Reisegepäck am Urlaubsort nicht eintrifft? Bis wann muss der Reisende den Gepäckverlust anzeigen? Wer haftet für beschädigtes Reisegepäck? Und was ist bei der Regulierung mit der Reisegepäckversicherung zu beachten?

Reisegepäck geht auf Flugreise verloren – was tun?


Wenn das Reisegepäck nicht ankommt, sollte der Reisende den Verlust des Gepäcks unverzüglich beim "Lost-and-found"-Schalter im Flughaften melden und einen entsprechenden Suchauftrag erteilen. Danach empfiehlt es sich zeitnah die Gepäckermittlung der jeweiligen Fluggesellschaft zu kontaktieren.

Wie schnell muss verlorenes oder beschädigtes Reisegepäck angezeigt werden?


Den Umgang mit verspäteten, beschädigten oder verlorenen Reisegepäck auf Flugreisen regelt das sog. Montrealer Abkommen. Eine Verspätung oder der Verlust des Reisegepäcks muss danach innerhalb einer bestimmten Frist gegenüber der Fluggesellschaft angezeigt werden. Bei einer Verspätung haben Reisende 21 Tage Zeit für die schriftliche Anzeige, bei Verlust müssen sie die Fluggesellschaft innerhalb von sieben Tagen schriftlich informieren. Wer diese Fristen versäumt, verliert seinen Anspruch auf Schadensersatz.
Das Montrealer Abkommen gilt nicht für innerstaatliche Flüge und bei Pauschalreisen. Laut Amtsgericht München (Aktenzeichen 223 C 17445/07) muss der Verlust des Reisegepäcks noch am gleichen Tag gemeldet werden. Bei Pauschalreisen ist es ratsam auch den Reiseveranstalter vom Gepäckverlust schnellstmöglich in Kenntnis zu setzen.

Wann erhalten Fluggäste Schadensersatz für verlorenen Koffer?


Nach dem Montrealer Abkommen steht Flugreisenden ein Schadensersatzanspruch bei verspätetem oder verlorenem Reisegepäck zu. Der Anspruch entsteht, wenn das Reisegepäck mehr als drei Stunden Verspätung hat. Muss der Reisende Neuanschaffungen, wie Kleidung oder Drogerieartikel, aufgrund des verspäteten Reisegepäcks anschaffen, werden ihm diese Kosten ersetzt. Gleiches gilt für Fahrtkosten, die anfallen, weil das eingetroffene Gepäck abgeholt werden muss. Doch Vorsicht: Ersetzt werden nur notwendige Ausgaben! Es empfiehlt sich alle Zahlungsbelege aufzubewahren. So können alle Kosten, die aufgrund des verschwundenen Reisgepäcks entstanden sind, glaubhaft geltend gemacht werden.

Reisende sollten neben der Verlustanzeige auch ihr Flugticket mit der Gepäck-Registriernummer aufheben. Der Gepäckschein ist aber zur Geltendmachung von Schadensersatzansprüchen nicht zwingend notwendig, entschied der Bundesgerichtshof (Aktenzeichen X ZR 99/10) und stellt klar, dass einem Reisegast auch Ansprüche bei Verlust, Beschädigung oder bei Zerstörung zustehen, wenn er seine Gegenstände - hier eine Golfausrüstung - in einem Gepäckstück eines anderen Mitreisenden in die Obhut einer Fluggesellschaft gegeben hat. Der Ersatzanspruch nach Art. 17 Abs. 2 Satz 1 MÜ stehe nicht nur demjenigen Reisenden zu, der die Aufgabe seines Gepäcks durch einen Gepäckschein nach Art. 3 Abs. 3 MÜ dokumentieren kann.

Wer haftet für beschädigtes oder verlorenes Reisegepäck?


Flugreisende haben nach dem Montrealer Abkommen gegenüber der Fluggesellschaft einen Anspruch auf Schadensersatz, wenn ihr Reisegepäck beim Transport beschädigt wurde oder verloren ging. Die Höhe des Schadensersatzes bestimmt sich nach der Höhe des verursachten Schadens, wozu auch Ersatzkleidung, etc. gehört.

Kommt das Reisegepäck im Rahmen der Flughafen-Sicherheitskontrollen abhanden, haftet die Fluggesellschaft nicht auf Schadensersatz, so das Landgericht Frankfurt am Main (Aktenzeichen 3-13 O 170/06). Eine Fluggesellschaft haftet nur für verlorenes Reisegepäck, das auch in ihre Obhut gelangt ist.

Bis zu welcher Höhe haftet die Fluggesellschaft bei Verlust der Koffer?


Das Montrealer Abkommen sieht eine Haftungsbegrenzung beim Reisegepäckverlust vor. Danach muss die Fluggesellschaft nur bis zu einem Höchstbetrag von knapp 1.400 Euro bei Verlust des Reisegepäcks aufkommen.

Reisegepäckversicherung: Was gibt es zu beachten?


Reisende müssen ihren Gepäckverlust sofort – am besten noch am gleichen Tag - bei der Reisegepäckversicherung anzeigen. Wird dies versäumt, wird die Versicherung von ihrer Leistungspflicht befreit, entschied das Amtsgericht München (Aktenzeichen 223 C 17445/07).

Wichtig ist, dass Urlauber ihr Reisegepäck sicher verwahren. Tun sie das nicht, wird die Reisegepäckversicherung von ihrer Leistungspflicht befreit. Dies entschied das Amtsgericht München (Aktenzeichen 172 C 16403/03) im Fall eines Urlaubers, der seine Kamera in seiner Manteltasche aufbewahrt hatte bevor diese verloren ging. Dies sei grob fahrlässig gewesen, entschied das Gericht, der Urlauber hätte die Kamera an einen sicheren Ort aufbewahren müssen.

Auch Schmuck, der nicht sicher im Reisegepäck verwahrt ist, fällt nicht unter den Versicherungsschutz einer Reisegepäckversicherung, wenn er verloren geht. Dies entschied das Oberlandesgericht Frankfurt am Main (Aktenzeichen 3 U 39/03) im Fall einer Urlauberin, die ihren Schmuck im Wert von rund 100.000 Euro lediglich in ihrer Handtasche aufbewahrte. Diese Handtasche stellte die Urlauberin am Flughafen auf ihrem Gepäckwagen ab, wo sie dann gestohlen wurde. Laut Gericht hätte die Urlauberin den Schmuck körpernah und mit der Möglichkeit jederzeit auf ihn zu greifen zu können, bei sich tragen müssen.

Wird das Gepäck eines Reisenden von einem Transportfahrzeug überfahren, muss die Reisegepäckversicherung für den Schaden nicht aufkommen. Dies entschied das Amtsgericht München (Aktenzeichen 111 C 12296/18) im Fall eines Urlaubers, dessen Gepäck auf dem Parkplatz des Hotels versehentlich von einem anderen Gast überfahren wurde. Dabei entstand ein Schaden von rund 7.000 Euro am Reisegepäck. Die Reisegepäckversicherung des Urlaubers lehnte eine Schadensübernahme ab, da es sich hier nicht um einen Transportschaden handele. Zu Recht, entschied das Amtsgericht München. Die Reisegepäckversicherung müsse nur für Schäden am Gepäck aufkommen, die während der Reise entstehen und zwar entweder durch eine Straftat, ein Transportmittelunfall oder ein Feuer- oder Elementarereignis. Ein solcher Versicherungsfall liege hier nicht vor. Insbesondere könne hier nicht von einem Transportmittelunfall gesprochen werden, da keine plötzliche Einwirkung von außen auf das Transportmittel erfolgt sei.



erstmals veröffentlicht am 23.07.2015, letzte Aktualisierung am 22.12.2021

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