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Kategorie: Anwalt Reiserecht , 11.09.2020 (Lesedauer ca. 4 Minuten, 20 mal gelesen)

Jagd- und Waffenrecht: Was Jäger wissen müssen

Jagd- und Waffenrecht: Was Jäger wissen müssen © freepik - mko

Ob beim Erwerb eines Jagdscheins, beim Jagen oder beim Waffengebrauch: Jäger müssen eine Vielzahl von gesetzlichen Regelungen beachten. Wie erhält man einen Jagdschein? Was kostet er? Wann kann ein Jagdschein entzogen werden? Und wer haftet für Jagdschäden?

Was ist ein Jagdschein?


Wer in Deutschland jagen will, benötigt nach dem Bundesjagdgesetz einen Jagdschein. Nur ausgebildete Jäger, die eine entsprechende staatliche Prüfung absolviert haben, dürfen eine Jagd ausüben.

Liegen die entsprechenden Voraussetzungen für einen Jagdschein vor, kann dieser bei der örtlichen Unteren Jagdbehörde beantragt werden. Der Jagdschein gilt bundesweit für drei Jagdjahre. Es gibt auch die Möglichkeit einen Tagesjagdschein für 14 aufeinanderfolgenden Tagen zu beantragen. Der Jäger muss den Jagdschein bei jeder Jagd mit sich führen.

Der Jagdschein gibt dem Besitzer grundsätzlich das Recht an einer Jagd teilzunehmen oder sie zu veranstalten, ein Jagdrevier zu pachten, Waffen für die Jagd bei sich zu führen und erlegte Tiere zu begutachten und für den Handel freizugeben.

Wer erhält einen Jagdschein?


Um einen Jagschein zu erhalten, müssen folgende Voraussetzungen erfüllt sein:

Jägerprüfung


Der zukünftige Jäger muss eine Jägerprüfung erfolgreich bestanden haben. Der Inhalt der Jägerprüfung ist von Bundesland zu Bundesland verschieden. Vor der Prüfung muss ein Ausbildungslehrgang von in der Regel je 60 Theorie- und Praxisstunden absolviert werden. Dem zukünftigen Jäger wird hier Wissen zu den erlaubten Jagdtieren und -zeiten vermittelt.

Jagdhaftpflichtversicherung


Des Weiteren muss eine Jagdhaftpflichtversicherung nachgewiesen werden, die sowohl Sach- wie auch Personenschäden in einer vorgeschriebenen Höhe abdeckt.

Persönliche Eignung


Notwendig ist auch ein tadelloses Führungszeugnis und eine entsprechende Abfrage beim Verfassungsschutz sowie der Nachweis über die persönliche Zuverlässigkeit im Sinne des Waffengesetzes.

Alter


Außerdem muss der Jäger mindestens 18 Jahre alt sein. 16 bis 18jährige habe die Möglichkeit einen Jugendjagdschein zu erwerben.

Was kostet ein Jagdschein?


Die Kosten für einen Jagdschein setzen sich aus den Ausbildungskosten, den Gebühren für die Ausstellung des Dokuments und evtl. einer Jagdabgabe zusammen. In welcher Höhe diese Kosten ausfallen, regelt jedes Bundesland für sich.

Für die Ausbildung zum Jäger können je nach Ausbildungsanbieter und Kurs Kosten von 1.000 bis 4.000 Euro entstehen. Für den Jagschein belaufen sich die Kosten zwischen 15 und 130 Euro. Die Jagdabgabe, die nicht in jedem Bundesland fällig ist, liegt zwischen 5 und 80 Euro.

Waffenrecht – Was müssen Jäger wissen?


Wie ein Jäger seine Waffen nutzen darf und wie er mit ihnen umgehen muss, ist im Waffengesetz geregelt.

Wichtig zu wissen: Auch wenn der Jagdschein den Jäger zum Führen von Waffen berechtigt, ist er kein Waffenschein. Der Jäger darf daher keine Schusswaffen in der Öffentlichkeit bei sich tragen. Die Nutzung der Waffe ist nur bei der Jagd erlaubt.
In jedem Fall benötigt der Jäger eine Waffenbesitzkarte für seine Jagdwaffen, die er zusammen mit dem Jagdschein mit sich führen muss.

Auch der Transport der Jagdwaffen regelt das Waffengesetz: Die Jagdwaffen müssen getrennt von der Munition ungeladen in einem verschlossenen Behältnis transportiert werden.

Verstößt ein Jäger gegen die Vorgaben des Waffengesetzes, droht ihm eine Geldstrafe von bis zu 10.000 Euro oder sogar Freiheitsentzug.

Wann wird der Jagdschein entzogen?


Wird beim Jäger eine waffenrechtliche Unzuverlässigkeit festgestellt, kann ihm seine waffen- und munitionsrechtliche Erlaubnis und damit auch der Jagdschein entzogen werden.

Als waffenrechtlich unzuverlässig zeigt sich etwa ein Jäger, der unter Alkoholeinfluss sein Gewehr beim Jagen benutzt, entschied das Bundesverwaltungsgericht (Aktenzeichen 6 C 30.13). Im zu entscheidenden Fall hatte der Jäger zwei Gläser Rotwein und einen Wodka getrunken, bevor er auf den Hochsitz ging. Laut Gericht kann der Alkoholeinfluss dazu führen, dass der Jäger seine Waffe unsachgemäß benutzt und möglicherweise sogar Menschenleben gefährdet.

Für eine waffenrechtliche Unzuverlässigkeit kann auch das Verwechseln von Tieren beim Abschuss sprechen. So hielt das Verwaltungsgericht Berlin (Aktenzeichen VG 1 L 251.13) einen Jäger, der ein Wildschwein mit einem Islandpony verwechselte und das Pony erschoss, für nicht geeignet eine Waffe führen zu dürfen. Auch die Verwechslung von einem Pferd mit einem Wildschein bei einer nächtlichen Jagd, kostete den Jäger seine waffen- und munitionsrechtliche Erlaubnis, entschied das Verwaltungsgericht Koblenz (Aktenzeichen 6 L 828/12.KO). Anders hingegen eine Entscheidung des Verwaltungsgerichts Neustadt (Aktenzeichen 5 K 504/12.NW), wonach ein Jäger, der versehentlich einen Hund statt einem Wildschwein erschoss, seinen Jagdschein behalten durfte. Nach Ansicht des Gerichts lässt sich aus dem einmaligen fahrlässigen Fehlverhalten des Jägers nicht darauf schließen, dass er in Zukunft Waffen oder Munition missbräuchlich oder leichtfertig verwenden werde und deshalb waffenrechtlich unzuverlässig sei.

Wer haftet für Jagdschäden?


Laut Bundesjagdgesetzes haftet ein Jagdausübungsberechtigter dem Grundstückseigentümer oder Nutzungsberechtigten für jeden Schaden den er, der von ihm bestellte Jagdaufseher oder ein Jagdgast, aufgrund einer missbräuchlichen Jagdausübung verursacht hat. Für alle anderen Schäden haftet er nach den Grundsätzen des zivilen Schadensersatzrechtes. Der Jagdpächter oder der Veranstalter einer Treibjagd muss also dafür Sorge tragen, dass es beim Jagen nicht zu Unfällen oder Schäden Dritter kommt.

Einem Landwirt wurde vom Oberlandesgericht Oldenburg (Aktenzeichen 14 U 80/13 1) Schadensersatz zu gesprochen, weil seine Rinder aufgrund einer Treibjagd aus einer umzäunten Wiese ausbrachen und der Landwirt bei Einfangen der Rinder einen Unfall erlitt. Laut Gericht war der Jagdpächter verpflichtet, sich vor Beginn der Treibjagd zu vergewissern, ob sich in dem konkret zu durchjagenden Bereichen Nutztiere befinden, welche durch Schüsse oder durchstöbernde Hunde gefährdet werden könnten. Wer dies unterlasse, hafte für Schäden, die durch das Einfangen flüchtender Nutztiere entstünden.
Zudem hätten die betroffenen Landwirte rechtzeitig von der beabsichtigten Treibjagd unterrichtet werden müssen, um ihnen die Möglichkeit zum vorübergehenden Einstallen der Tiere zu geben. Andernfalls müsse im ausreichenden Abstand mit angeleinten Jagdhunden der Gefahrenbereich weiträumig umlaufen werden, um ein Durchstöbern der Weide durch die Jagdhunde und damit die Gefahr einer panikartigen Reaktion der Tiere zu verhindern.


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