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Kategorie: Anwalt Verkehrsrecht , 27.04.2019 (Lesedauer ca. 6 Minuten)

MPU Medizinisch-Psychologische Untersuchung - Der Weg zurück zum Führerschein

MPU Medizinisch-Psychologische Untersuchung - Der Weg zurück zum Führerschein © freepik - mko

Was ist eine Medizinisch-Psychologische-Untersuchung (MPU)? Wie läuft eine MPU ab? Kann man sich auf eine MPU vorbereiten? Was kostet eine MPU? Wie geht es nach einer MPU weiter? Unsere Checkliste klärt Schritt für Schritt Ihre Fragen rund um das Thema Medizinisch-psychologische Untersuchung (MPU) – garantiert aktuell, kompetent und verständlich!

MPU – Das müssen sie wissen

Die Medizinisch-Psychologische-Untersuchung (MPU) ist ein Verfahren, bei dem die Fahreignung einer Person geprüft wird, wenn Bedenken im Hinblick auf ihre geistige oder körperliche Eignung zur Teilnahme am Straßenverkehr bestehen. Die MPU wird von staatlich anerkannten Prüfstellen, wie dem TÜV oder dem AVUS, durchgeführt.

Eine Teilnahme an einer MPU ist grundsätzlich freiwillig, wird aber oft als Voraussetzung für die Wiedererteilung der Fahrerlaubnis von der Behörde verlangt.

Die Durchfallquote von mehr als einem Drittel ist relativ hoch. Es empfiehlt sich daher frühzeitig über die MPU zu informieren und mit den Vorbereitungen zu beginnen.

Gründe für eine MPU

Eine MPU kann aus unterschiedlichen Gründen angeordnet werden. Wer etwa mehr als acht Punkte in der Flensburger Verkehrsdatei gesammelt hat, erhält den Führerschein entzogen und es wird eine MPU angeordnet. Auch wenn der Führerschein mehrmals entzogen und neu erteilt wurde, kann eine MPU angeordnet werden. Bei Alkoholfahrten von mindestens 1,6 Promille BAK erfolgt ebenfalls die Anordnung einer MPU. Ebenso bei Fahren unter Drogeneinfluss. Dabei muss der Fahrer nicht aktuell Drogen konsumiert haben, es reicht aus, dass ein Drogenkonsum mit Hilfe eines Bluttestes nachgewiesen wurde. Fällt ein Verkehrsteilnehmer mehrfach durch aggressives Verhalten im Straßenverkehr strafrechtlich auf, steht ihm auch eine MPU bevor. Ebenso können körperliche oder geistige Erkrankungen eines Verkehrsteilnehmers Anlass für eine MPU sein.

Kosten einer MPU

Bis zum 31.7.2018 waren die Kosten für eine MPU in der Gebührenordnung für Maßnahmen im Straßenverkehr geregelt. Seit August 2018 ist die Bindung an die Gebührenordnung entfallen und die Begutachtungsstellen können die Gebühren selbst festsetzen.

Die Kosten einer MPU lassen sich daher nicht pauschal benennen. Betroffene sollten sich bei den Begutachtungsstellen über deren Kostenfestsetzung informieren. Erfahrungsgemäß entstehen nur für die MPU Kosten in Höhe von rund 450 Euro. Dazu kommen ggfs. Kosten für eine Beratung oder einen Vorbereitungskurs sowie einen Abstinenznachweis.

MPU – So gehen Sie vor

Wenn bei Ihnen eine MPU angeordnet wird, sollten Sie folgendermaßen vorgehen:

  1. Anwalt für Verkehrsrecht einschalten!
    Sie sollten umgehend einen Anwalt für Verkehrsrecht einschalten, der aufgrund seiner Akteneinsicht die Rechtslage einschätzen und möglicherweise einen Antrag auf Sperrfristverkürzung bei der Führerscheinstelle beantragen kann. So kommen Sie schneller zur MPU und damit auch zu Ihrem Führerschein.

  2. Hausarzt konsultieren!
    Wichtig ist ein frühzeitiger Besuch beim Hausarzt, der mit der Erstellung einer monatlichen Messwertreihe Ihrer Blut- und Leberwerte beginnen kann. Damit können Sie bei der MPU dokumentieren, dass sich Ihre Leberwerte ständig verbessert haben.

  3. Kurs für alkoholauffällige Autofahrer besuchen!
    Bei Alkoholfahrten ist es sinnvoll einen Kurs für alkoholauffällige Autofahrer mehrfach zu besuchen. Anbieter sind etwa die Caritas oder das Blaue Kreuz.

  4. Teilnahme an einer verkehrspsychologischen Schulung
    Wer an einer verkehrspsychologischen Schulung teilnimmt, hat die Chance auf eine Verkürzung der Sperrfrist von bis zu sechs Monaten.

  5. Antrag auf Wiedererteilung der Fahrerlaubnis stellen
    Ungefähr drei Monate vor Ablauf Ihrer Sperrfrist sollten Sie bei Ihrer Führerscheinstelle einen “Antrag auf Wiedererteilung der Fahrerlaubnis” stellen.

  6. Polizeiliches Führungszeugnis beantragen
    Bei der MPU müssen Sie ein polizeiliches Führungszeugnis vorlegen, das nicht älter als sechs Monate sein darf. Das polizeiliche Führungszeugnis erhalten Sie beim Einwohnermeldeamt.

  7. Selbstauskunft bei Kraftfahrtbundesamt beantragen
    Für die MPU benötigen Sie eine Selbstauskunft des Flensburger Kraftfahrbundesamtes, die nicht älter als sechs Monate sein darf. Sie erhalten diese unter www.kba.de.

  8. Erste-Hilfe-Kurs besuchen
    Für die MPU müssen Sie einen 8-stündigen Erste-Hilfe-Kurs besuchen. Die Bescheinigung darf nicht älter als sechs Monate sein.

  9. Termin bei MPU-Gutachtenstelle vereinbaren
    Jetzt müssen Sie nur noch einen Termin bei einer MPU-Gutachtenstelle vereinbaren. Das Straßenverkehrsamt schlägt Ihnen verschiedene Stellen vor. Teilen Sie dem Straßenverkehrsamt mit, für welche MPU-Gutachtenstelle Sie sich entschieden haben. Dort werden dann Ihre Unterlagen gesandt. Vereinbaren Sie einen zeitnahen Termin!

So läuft eine MPU ab

Die MPU gliedert sich in vier Teile: der medizinischen Untersuchung, einem Fragebogen, einem psychologischen Gespräch und einem Leistungstest.
  1. Medizinische Untersuchung
    Ein Arzt untersucht Ihren allgemeinen Gesundheitszustand und prüft ggfs. den Abstinenznachweis.

  2. Fragebogen
    Im Anschluss an die medizinische Untersuchung muss ein Fragebogen ausgefüllt werden. Dieser kann individuell an die geprüfte Person angepasst sein. Es handelt sich um allgemeine Fragen, wie beispielsweise „Wie wichtig ist Ihnen Ihr Führerschein?“, „Wie viele Kilometer sind Sie mit Ihrem derzeitigen Auto gefahren?“, „Seit wann besitzen Sie eine Fahrerlaubnis?“. Dann folgen in der Regel Fragen, die sich mit Ihrem individuellen Fall beschäftigen. Bei einer Alkoholfahrt können Fragen, wie „Wie schätzen Sie Ihr derzeitiges Trinkverhalten ein?“, „Warum haben Sie Alkohol konsumiert und sind dann Auto gefahren?“,“ Wie schnell baut sich Ihrer Ansicht nach Alkohol im Körper ab?“. Wichtig ist, alle Fragen authentisch und wahrheitsgemäß zu beantworten. Ein geschulter Verkehrspsychologe erkennt schnell, wann ihm auswendig gelernte Antworten präsentiert werden.

  3. Psychologische Gespräch
    Nun folgt ein etwa ein- bis anderthalbstündiges Gespräch mit einem psychologischen Gutachter, der Ihre charakterliche Eignung zur Teilnahme am Straßenverkehr ermittelt. Dem Gutachter ist es wichtig, herauszufinden wie gut und intensiv Sie sich mit Ihrem Fehlverhalten im Straßenverkehr auseinandergesetzt haben. Hier helfen keine halbseidenen Absichtserklärungen oder Beschönigungen. Ihre Ausführungen sollten glaubwürdig und authentisch sein. Teilen Sie dem Gutachter mit, wie sehr Sie ihr Verhalten bereuen, welche Verhaltensweisen Sie seitdem geändert haben und wie Sie Ihr Fehlverhalten heute bewerten.

  4. Leistungsdiagnostik
    Im Rahmen der Leistungsdiagnostik wird Ihre Reaktionsfähigkeit und Belastbarkeit getestet. Dieser Test wird in der Regel an einem Computer durchgeführt. Reaktion, Konzentration, Erinnerungsvermögen, Zusammenspiel von Händen und Füßen in Zusammenhang mit Tönen und Farben werden durch eine Vielzahl von Aufgabenstellungen geprüft.


TOP-Fehler bei der MPU


TOP-Fehler: Keine oder falsche Vorbereitung

Keine oder eine falsche Vorbereitung ist der Top-Fehler bei einer MPU. Nicht umsonst fallen mehr als ein Drittel der MPU-Teilnehmer durch. Sicherlich kann man sich ohne fremde Hilfe auf die MPU vorbereiten, die Teilnahme an Vorbereitungskursen kann aber auch sinnvoll sein. Gewarnt wird an dieser Stelle vor unseriösen Angeboten. Eine Vielzahl von sog. MPU-Experten werben im Internet mit Bestehensgarantien oder Geld-zurück-Garantien. Auch Schauspielunterricht wird als Garant für eine bestandene MPU offeriert. Seriöse MPU-Vorbereitungskurse setzen auf individuelle Vorbereitung unter der Teilnahme von ausgebildeten Verkehrspsychologen.

TOP-Fehler: Nicht ausreichender Abstinenzbeweis

Ist wegen Alkohol- oder Drogenkonsum ein Abstinenznachweis erforderlich, sollte unbedingt darauf geachtet werden, dass dieser amtlich anerkannt und lückenlos dokumentiert ist. Suchen Sie sich dafür geprüfte und zertifizierte Labore und Anbieter aus, die ihre Abstinenzprogramme nach anerkannten forensisch-toxikologischen Maßstäben durchführen.

TOP-Fehler: Keine Einstellungs- und Verhaltensänderung

Wichtig für das Bestehen einer MPU ist eine glaubhafte Einstellungs- und Verhaltensänderung. Absichtserklärungen oder auswendig gelernte Argumente werden einen Gutachter nicht überzeugen. Sie müssen glaubhaft darlegen, dass sich Ihre Einstellung und Ihr Verhalten nach dem Fehltritt verändert haben. Dafür müssen Sie sich in erster Linie mit sich selbst beschäftigen.

TOP-Fehler: Falschen Experten vertraut

Das Internet ist voll von sog. MPU-Experten, deren Expertise sich nicht unbedingt erschließt. Vertrauen Sie einem Anwalt für Verkehrsrecht. Er kennt aufgrund seiner jahrelangen Beschäftigung mit dem Thema MPU alle Probleme und Risiken. Er sagt Ihnen, was als nächstes zu tun ist und vertritt Ihre Rechte vor der Behörde, wie auch ggfs. vor Gericht.




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MPU - Fragen und Antworten


+ MPU - was ist das?

Die MPU ist ein Verfahren, bei dem aus unterschiedlichsten Gründen die Fahreignung einer Person geprüft wird.



+ MPU - was muss ich wissen?

Als was Sie zur MPU wissen müssen, finden Sie in unserer hilfreichen Checkliste.



+ MPU - wer entscheidet?

Über das Bestehen einer MPU entscheidet der Gutachter, der mit Ihrem MPU-Test betraut ist.



+ MPU - wer legt Abstinenznachweis fest?

Die Führerscheinstelle entscheidet, ob die MPU mit einem Abstinenznachweise verbunden wird.



+ MPU - wie lange dauert das?

Eine MPU dauert in der Regel rund 3,5 Stunden.



+ MPU - wie lange Abstinenz?

Die Führerscheinstelle schreibt Ihnen vor, wie lange die Abstinenz zu erfolgen hat. Üblicher Zeitrahmen sind sechs Monate bis zu einem Jahr.



+ Wo MPU-Vorbereitung machen?

MPU-Vorbereitungskurse sollten bei seriösen Anbietern unter Beteiligung eines Verkehrspsychologen absolviert werden.




erstmals veröffentlicht am 23.04.2019, letzte Aktualisierung am 27.04.2019

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