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Kategorie: Anwalt Verkehrsrecht , 06.09.2017

Nicht nur während der Wiesn: Wer zahlt Autoreinigung bei Übelkeit?

Nicht nur während der Wiesn: Wer zahlt Autoreinigung bei Übelkeit? © mko - topopt

Das Oktoberfest ist ein willkommener Anlass, mal wieder Taxi zu fahren. Für Taxiunternehmen ist die Wiesn eine lukrative Einnahmequelle, wenn, ja wenn es den Fahrgästen nicht schlecht wird und sie sich übergeben müssen. Wer zahlt Reinigung und Verdienstausfall? Und wie sieht es bei Privatfahrten aus?

Wer es einmal erlebt hat, wird es nie mehr vergessen: Erbrechen im Auto ist äußerst unangenehm und der Gestank nicht leicht zu entfernen. Für die Fahrer stellt sich schnell die Frage nach der Kostenübernahme für die Reinigung, im Falle eines Taxifahrers auch nach dem Geltendmachen eines Verdienstausfalls. Wie sehen es die Gerichte?

Grundsätzlich haftet der Verursacher


Grundsätzlich gilt das Verursacherprinzip. Das bedeutet: Wer sich übergeben hat, muss die Kosten für die Reinigung übernehmen. Handelt es sich um ein Taxi, kann auch ein tatsächlicher Verdienstausfall geltend gemacht werden. Das geht aus einem Urteil vor dem Amtsgericht München (Az.: 271 C 11329 / 10) hervor. Im vorliegenden Fall beliefen sich die Kosten für Reinigung und Verdienstausfall auf über 240 Euro. Auch andere Urteile bestätigen das Verursacherprinzip. Das bedeutet aber auch: Zumindest laut des obigen Urteils muss sich der Fahrer dennoch selbst um die Reinigung kümmern.

Ausnahme: Der Fahrgast äußert Unwohlsein


Eine Ausnahme ist, wenn der Fahrgast auf seine Übelkeit aufmerksam macht und die Bitte äußert, anzuhalten. Dieser Bitte sollte der Taxifahrer sofort nachkommen. Im oberen Fall befand die zuständige Richterin eine Mitschuld des Taxifahrers, obwohl sich das Taxi bereits fast am Ziel befand. Das Resultat: Die Hälfte der entstandenen Kosten musste der Taxifahrer dennoch bezahlen.

Weitere Ausnahme: Kein Schadensersatz bei sich spontan erbrechendem Kind


Tatsächlich auf alle Kosten sitzen geblieben, ist ein Taxifahrer, der Mutter und Kind transportierte. Ebenfalls das Amtsgericht München urteilte, dass ein Schadensersatz nur dann in Frage käme, wenn die Mutter ihre Sorgfaltspflicht verletzt hätte. Sprich: Wäre dem Kind bereits vor der Taxifahrt schlecht gewesen, dann hätte sie den Taxifahrer darauf hinweisen müssen. Das konnte der Taxifahrer aber nicht beweisen. Das Gericht ging vielmehr davon aus, dass dem Kind unverhofft schlecht geworden war. Da der Mutter kein Verschulden nachgewiesen werden konnte, musste der Taxifahrer für alle Kosten selbst aufkommen (Az.:155 C 16937/09).

Bei Privatfahrten im Auto erbrochen - Tipps für Autofahrer


Neben Taxifahrern ist es auch für private Autofahrer höchst ärgerlich, wenn sie den Fahrdienst übernehmen und danach auf Reinigung und Kosten sitzenbleiben. Zumindest die Kosten für die Säuberung sollten erwirkt werden können, wenn alle Beweise für ein Verursachen des Fahrgastes sprechen.

Dazu einige Tipps:

  • Lassen Sie sich den Ausweis zeigen und notieren Sie sich bei Privatfahrten zumindest die Adresse - Das ist besonders auch für die spätere Rechnungsstellung wichtig

  • Ziehen Sie die Polizei hinzu - Oftmals scheitert eine Schadenersatzforderung im Nachhinein daran, dass der Verursacher behauptet, gar keinen Alkohol getrunken zu haben, sondern sich aufgrund der zackigen Fahrweise übergeben zu haben - zumindest Unternehmer bleiben dann zumeist auf ihren Kosten sitzen.

  • Bei Privatfahrten wird man zugegebenermaßen eher nicht die Polizei holen. Zumindest sollte man aber für glaubhafte Zeugen sorgen - also besser betrunkene Bekannte nicht alleine mitnehmen...

  • Entsprechende Vorkehrungen treffen, ist immer gut. Eine mit Handtüchern oder Plastikfolie abgedeckte Rückbank inklusive entsprechend geschütztem Fußraum lässt schon mal den gröbsten Gestank schnell verschwinden.


erstmals veröffentlicht am 21.09.2016, letzte Aktualisierung am 06.09.2017

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