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Kategorie: Anwalt Internetrecht , 11.08.2015 (Lesedauer ca. 2 Minuten)

Rechtstipps zum digitalen Erbe

Im Internet- Zeitalter müssen sich Hinterbliebene nach dem Tod eines nahestehenden Menschen nicht nur um seinen realen Nachlass, sondern auch um seinen digitalen Nachlass wie etwa Facebook-Profile, Emails, Websites oder Onlineshopping-Accounts kümmern. Und das gestaltet sich für die Erben oft schwierig.

Erben müssen Online-Aktivitäten ermitteln


Im Erbfall müssen sich die Erben in einem ersten Schritt nicht nur über den realen Nachlass einen Überblick verschaffen, sie müssen auch die Aktivitäten des Verstorbenen im Internet ermitteln. Hat der Verstorbene keine schriftliche Liste mit seinen Internet-Accounts oder sonstigen Online-Aktivitäten hinterlassen, gestaltet sich diese Recherche oft sehr zeitaufwendig und schwierig.

Gesetz: Datenschutz endet mit Tod


Rein rechtlich endet der Datenschutz des Verstorbenen mit seinem Tod. Die Erben des Verstorbenen treten auch in der virtuellen Welt in dessen Rechtstellung ein. Die Homepage des Verstorbenen geht etwa in den Besitz der Erben über. Oder Online-Bestellungen des Verstorbenen müssen von den Erben abgewickelt werden.
Zum Nachweis der Erbenstellung reicht auch in der virtuellen Welt ein Erbschein oder ein notarielles Testament aus. Den Erben muss vom Dienstebetreiber so dann der Zugriff auf E-Mail-Accounts oder Online-Profile gestattet werden. Auf das Fernmeldegeheimnis können sich die Dienstebetreiber nicht berufen. Ihnen ist zwar aufgrund des Fernmeldegeheimnisses nicht erlaubt, Kommunikationsdaten an „andere“ weiterzugeben, der Erbe ist aber kein „Anderer“, weil er in die Rechtsstellung des Verstorbenen eingetreten ist.

Was geschieht mit den Online-Accounts des Verstorbenen?


Internetplattformen wie Google oder Facebook haben in ihren Nutzungsbedingungen geregelt, was mit den digitalen Daten im Todesfall geschieht. Hier sollten die jeweiligen Nutzungsbedingungen genau gelesen werden. Im Zweifel beginnt ein aufwendiges Antragsverfahren. Viele Internetplattformen haben aber die Frage was im Todesfall mit dem Account eines Users geschieht nicht geregelt.
Das Löschen eines Email-Accounts ist für die Erben aufwendig und kann lange dauern. Eine besondere Schwierigkeit stellen sogenannte Freemail-Accounts dar, bei denen der Verstorbene unter einem Pseudonym angemeldet war. Hier müssen die Erben dem Dienstebetreiber nachweisen, dass der Verstorbene mit seiner Identität hinter diesem Account steht.
Übrigens: Bei Facebook gibt es neben der Löschung des Accounts die Möglichkeit das Online-Profile in eine Gedenkzustand zu versetzen.

Digitales Testament anfertigen!


Tipp der Redaktion: Im Internetzeitalter empfiehlt es sich ein digitales Testament anzufertigen, in dem alle Internet-Accounts und deren Passwörter hinterlegt sind! Auch kann in einem digitalen Testament geregelt werden, wie die Erben mit den digitalen Daten umgehen sollen. Welche Onlineprofile gelöscht werden sollen, und welche Online-Profile auch über den Tod hinaus öffentlich zugänglich sein sollen.

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