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Reiserecht , 22.12.2016

Reisegepäck verloren- zahlt die Versicherung?

Urlauber können sich gegen die finanziellen Schäden bei verschwundenem Reisegepäck versichern. Doch Vorsicht- nicht in jedem Fall muss eine Reisegepäckversicherung für den Verlust aufkommen.

Reisegepäck muss sicher verwahrt werden!

Reisende verlieren ihren Anspruch auf Schadensersatz gegenüber der Reisegepäckversicherung, wenn sie ihr Gepäck nicht sicher verwahren. Das entschied das Amtsgericht München (Aktenzeichen 172 C 16403/03) im Fall eines Reisenden, der seine Kamera lediglich in seiner Manteltasche aufbewahrt hatte und diese verloren ging. Das Amtsgericht München entschied, das der Mann die Kamera grob fahrlässig aufbewahrt habe und den Verlust selbst tragen muss.
In einem weiteren Fall entschied das Oberlandesgericht Frankfurt am Main (Aktenzeichen 3 U 39/03), dass eine Reiseversicherung nicht für Schmuck aufkommen muss, der nicht sicher im Reisegepäck verwahrt wurde. Eine Frau, die Schmuck im Wert von über 100.000 Euro in ihrer Handtasche aufbewahrte, hatte diese Tasche auf einen Gepäckwagen am Flughafen gestellt, wo sie ihr gestohlen wurde. Der Schmuck war damit nach Auffassung des Gerichts nicht sicher im Reisegepäck verwahrt, da die Frau die Handtasche nicht körpernah und jederzeit zum Zugriff bei sich trug.

Verlust sofort bei der Versicherung anzeigen!

Geht Reisegepäck auf einem Flug verloren, so muss der Reisende dies der Fluggesellschaft umgehend mitteilen- am besten noch am gleichen Tag. Versäumt er dies, können ihm Ansprüche auf Schadensersatz verloren gehen, entschied das Amtsgericht München (Aktenzeichen 223 C 17445/07).

Reisegepäck von Mitreisenden mitversichert?

Hat ein Reisegast seine Gegenstände- hier eine Golfausrüstung- in einem Gepäckstück eines anderen Mitreisenden in die Obhut eines Luftfahrtunternehmens gegeben, können ihm auch Ansprüche bei Verlust, Beschädigung oder bei Zerstörung zustehen. Dies geht aus einer Entscheidung des Bundesgerichtshofs (Aktenzeichen X ZR 99/10) hervor. Der Ersatzanspruch nach Art. 17 Abs. 2 Satz 1 MÜ stehe nicht nur demjenigen Reisenden zu, der die Aufgabe seines Gepäcks durch einen Gepäckschein nach Art. 3 Abs. 3 MÜ dokumentieren kann. Da der Gepäckschein als Legitimationspapier nicht den Anspruch auf Herausgabe des aufgegebenen Reisegepäcks verbrieft, kann auch die Geltendmachung des Ersatzanspruchs bei Verlust des Gepäcks nicht an die Vorlage eines Gepäckscheins geknüpft werden. Der Anspruch nach Art. 17 Abs. 2 Satz 1 MÜ steht daher auch einem Reisenden zu, der ihm gehörende Gegenstände in einem Gepäckstück eines anderen Mitreisenden in die Obhut des Luftfrachtführers gegeben hat. Dabei ist der Anspruch auch dann nicht ausgeschlossen, wenn die Haftungshöchstgrenze nach Art. 22 Abs. 2 MÜ mit der Befriedigung der Ansprüche des Reisenden, der das verloren gegangene Gepäckstück aufgegeben hat, bereits ausgeschöpft ist. Art. 22 Abs. 2 Satz 1 MÜ bemisst die Haftungshöchstgrenze nach seinem Wortlaut ausdrücklich je Reisenden.






erstmals veröffentlicht am 25.06.2014, letzte Aktualisierung am 22.12.2016

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