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Kategorie: Anwalt Erbrecht , 12.10.2020 (Lesedauer ca. 9 Minuten, 833 mal gelesen)

Testament: So regeln Sie Ihren letzten Willen!

älteres Ehepaar hält sich lachend im Arm älteres Ehepaar hält sich lachend im Arm © freepik - mko

Ungefähr ein Viertel der Deutschen haben aktuellen Statistiken zur Folge ein Testament errichtet. Wer seinen letzten Willen rechtswirksam verfassen möchte, ist mit einer Reihe von Fragen konfrontiert: Wer ist testierfähig? Welche Form ist bei einem Testament zu beachten? Wie kann ein Testament geändert oder widerrufen werden? Welche Alternativen gibt es zum Testament? Und wo sollte man ein Testament aufbewahren?

Welche Testamentsformen gibt es?


Beratung eines Anwalt zum TestamentEs gibt zum einen das ordentliche Testament. Dies kann als öffentliches oder eigenhändiges Testament errichtet werden. Beim öffentlichen Testament erklärt der Erblasser mündlich vor einem Notar seinen letzten Willen. Dieser wieder niedergeschrieben und notariell beglaubigt. Beim eigenhändigen Testament schreibt der Erblasser das Testament selbst. Eheleute können ein gemeinschaftliches Testament errichten. Lesen Sie dazu auch unseren Ratgeber: Berliner Testament – So sichern Sie Ihren Partner ab.

Eine weitere Testamentsform ist das Nottestament. Es kann in einer akuten Lebensgefahr vor drei Zeugen vom Erblasser verfasst werden, wenn ein Notar nicht mehr hinzugerufen werden kann. Wichtig ist, dass den Zeugen die Todesgefahr bewusst ist (Oberlandesgericht Hamm, Aktenzeichen 15 W 587/15) und das kein Zeuge Begünstigter des Testaments ist (Oberlandesgericht Köln, Aktenzeichen 2 Wx 86/17), ansonsten ist das Nottestament nicht wirksam und vollstreckbar. Eine weitere Wirksamkeitsvoraussetzung ist laut Landgericht Nürnberg-Fürth (Aktenzeichen 7 T 5033/08), dass das Nottestament dem Erblasser vorgelesen und nicht nur sinngemäß zusammengefasst wurde.

Wer kann ein Testament erstellen?


Anwalt und Anwältin bieten Beratung anWer ein Testament erstellen möchte muss testierfähig sein. Das ist jeder, der 18 Jahre alt und im Vollbesitz seiner geistigen Fähigkeiten ist. Eine Krebserkrankung im Endstadium begründet alleine noch keine Testierunfähigkeit des Erblassers, entschied das Oberlandesgericht Bamberg (Aktenzeichen 6 W 20/12). Auch betreute Menschen sind, solange keine Demenz oder Alzheimererkrankung (Oberlandesgericht Hamm, Aktenzeichen 10 U 76/16) vorliegt, testierfähig. Leidet ein Erblasser an krankhaften Bewusstseinsstörungen oder Geistesschwäche muss seine Testierfähigkeit streng überprüft werden, entschied das Oberlandesgericht Frankfurt/Main (Aktenzeichen 20 W 188/16). Nicht jede schwere geistige Erkrankung führt zu einer Testierunfähigkeit. Entscheidend ist, ob die krankhafte Störung den Willen des Erblassers beeinflusst, so das Oberlandesgericht München (Aktenzeichen 34 Wx 293/14). So kann eine Alkoholsucht zur einer Testierunfähigkeit führen, wenn dem Erblasser bei der Erstellung des Testaments die notwendige Erkenntnisfähigkeit fehlt, entschied das Bayerische Oberstes Landesgericht (Aktenzeichen 1Z BR 6/03). Eine tödliche Krebserkrankung stellt für sich alleine noch keinen Grund für eine Testierunfähigkeit dar, urteilte das Oberlandesgericht Bamberg (Aktenzeichen 6 W 20/12).

Die Beweislast für das Vorliegen einer Testierunfähigkeit trägt derjenige, der sich auf die Nichtigkeit des Testaments beruft. Muss geklärt werden, ob eine Testierfähigkeit beim Erblasser vorlag, darf sein Arzt von seiner Schweigepflicht entbunden werden. Dies entspricht dem mutmaßlichen Willen des Erblassers, so das Oberlandesgericht Köln (Aktenzeichen 2 Wx 202/18).

Minderjährige können ab dem 16. Lebensjahr ein vom Notar beglaubigtes Testament errichten.

Was kann man in einem Testament regeln?


In einem Testament kann der Erblasser hineinschreiben, was er möchte. Er kann Erben bestimmen, eine Vor- und Nacherbschaft festlegen, ein Vermächtnis anordnen, Auflagen mit dem Erbe verbinden, die Verteilung des Nachlasses regeln, unter bestimmten Voraussetzungen auch enterben oder den Pflichtteil entziehen. Knüpft der Erblasser allerdings in seinem Testament die Bedingung, dass seine Enkel nur dann etwas erben, wenn sie ihn regelmäßig zu Lebzeiten besucht haben, ist dies sittenwidrig, entschied das Oberlandesgericht Frankfurt (Aktenzeichen 20 W 98/18).
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In welcher Form muss ein Testament verfasst sein?


Wichtig ist, dass die Formerfordernisse eines Testaments eingehalten werden.

Ein Testament kann grundsätzlich in Form eines Notizzettels errichtet werden. Ist der Zettel aber nicht datiert und enthält er eine unbestimmte Erbeinsetzung, liegt kein wirksames Testament vor. Dies hat das Oberlandesgericht Braunschweig (Aktenzeichen 1 W 42/17) entschieden. Laut Oberlandesgericht Hamm (Aktenzeichen 10 W 153/15) erfüllt ein Testament aus mehreren kleinen Zetteln und Pergamentpapier nicht die Formerfordernisse eines rechtswirksamen Testaments. So sah das auch das Landgericht München I (Aktenzeichen 16 T 17192/03) im Fall einer Erblasserin, die ihr Testament auf 10 DIN-A5-Blätter schrieb. Hier fehle es an einem ernsthaften Testierwillen, so das Gericht.

Ein eigenhändiges Testament muss vom Erblasser mit der Hand geschrieben und unterschrieben sein. Schreibmaschine oder Computerausdrucke sind nicht gestattet. Ein eigenhändig geschriebenes Testament ist auch dann wegen eines Formverstoßes nichtig, wenn es auf ein mit einer Maschine geschriebenen Schriftstücks Bezug nimmt, entschied das Oberlandesgericht Köln (Aktenzeichen 2 Wx 249/14).

Auch darf kein Dritter das Testament für den Erblasser schreiben. Eigenhändigkeit ist nicht mehr gegeben, wenn dem Erblasser bei der Abfassung des Testaments die Hand geführt wurde, entschied das Oberlandesgericht Hamm (Aktenzeichen I-15 W 231/12).

Das Testament sollte mit „Testament“ oder „Letzter Wille“ überschrieben sein. Laut Oberlandesgericht Hamm (Aktenzeichen 10 U 64/16) ist dies aber nicht zwingend notwendig, das Schriftstück kann auch mit „Vollmacht“ überschrieben sein.

Es empfiehlt sich die Seiten des Testaments durch zu nummerieren. Die Schrift muss leserlich sein und die Formulierungen sollten eindeutig und klar verständlich sein, ansonsten ist der Inhalt nicht eindeutig zu bestimmen. Das Schleswig-Holsteinischen Oberlandesgericht (Aktenzeichen 3 Wx 19/15) hat ein eigenhändig geschriebenes Testament einer Erblasserin, das auch mit Hilfe eines Schriftsachverständigen nicht zu lesen war, als unwirksam erachtet.

Weiterhin muss das Testament mit einer Unterschrift (Vor- und Nachname) versehen sein. Ein Testament unter dem lediglich steht „Eure Mutter“ entspricht dem Formerfordernis nicht. Auch eine Unterschrift mit einem Künstlernamen oder die Unterzeichnung mit den Initialien des Erblassers ist nicht zulässig, so etwa das Oberlandesgericht Celle (Aktenzeichen 6 U 117/10). Eine nachträgliche Verfügung unterhalb der Unterschrift ist in einem Testament unwirksam, wenn sie lediglich mit „D.O.“ unterzeichnet ist und es sich dabei nicht um die Initialen des Erblassers handelt, entschied das Oberlandesgericht Celle (Aktenzeichen 6 U 117/10).

Im Testament muss neben der Unterschrift auch Ort und Datum angegeben werden. Das neueste Testament ist immer gültig. Wichtig ist, dass die Unterschrift unter dem Text steht.

Ein hilfreiches Muster für ein Testament finden Sie hier: . Dies kann Ihnen zur Orientierung dienen. Es empfiehlt sich in jedem Fall die Beratung eines Anwalts für Erbrecht in Anspruch zu nehmen. Der geht auf Ihre individuelle Situation ein und verschafft Ihrem letzten Willen seine Rechtsgültigkeit.

Wie widerruft man ein Testament?


Rechtsanwalt liest eine letzwillige Verfügung Der Erblasser ist zu Lebzeiten nicht an ein einmal verfasstes Testament gebunden. Er kann es nach Belieben verändern oder widerrufen. Notwendig ist allerdings, dass er entweder im Testament den Widerruf klar formuliert oder das Testament vernichtet und durch ein neues Testament ersetzt. Laut Bayerischem Obersten Landesgericht (Aktenzeichen 1Z BR 93/04) ist ein handschriftliches Testament, das durchgestrichen wurde, als widerrufen zu erachten. Auch ein eingerissenes Testament gilt laut Bayerischem Obersten Landesgericht (Aktenzeichen 1 Z BR 67/95) als widerrufen.

Handelt es sich um ein notarielles Testament muss der Erblasser es aus der öffentlichen Verwahrung anfordern und den Widerruf beim Nachlassgericht persönlich erklären.

Änderungen eines Testaments können laut Oberlandesgericht Köln (Aktenzeichen 2 Wx 131/20) auch wirksam auf der Kopie des eigenhändig geschriebenen und unterschriebenen Testaments vorgenommen werden, wenn die Änderungen mit einer Unterschrift versehen sind.

Ein gemeinschaftliches Testament, wie das Berliner Testament, kann zu Lebzeiten der Eheleute nur durch eine notarielle Erklärung widerrufen werden. Nach dem Tod des Ehegatten ist ein Widerruf nicht mehr möglich, es sei denn, eine entsprechende Klausel im Berliner Testament gestattet Änderungen.

Welche Alternativen gibt es zum Testament?

Angebot Testamentsgestaltung durch Rechtsanwalt und RechtsanwältinZum Testament gibt es die Alternativen des Erbvertrags, des Vermächtnisses und des Erbscheins.

Beim Erbvertrag einigen sich der Erblasser und der Erbe auf erbrechtliche Regelungen. In der Regel muss der Erbe eine Gegenleistung für das Erbe erbringen. Der Erbvertrag muss notariell beurkundet werden. Er kann nicht einseitig vom Erblasser widerrufen werden. Dazu muss ein Aufhebungsvertrag mit dem Erben abgeschlossen werden.

Beim Vermächtnis erbt eine Person ohne Erbe zu sein aufgrund einer testamentarischen Verfügung einen bestimmten Teil des Nachlasses. Wichtig ist, dass das Vermächtnis auch als solches benannt wird. Es kann auf den Pflichtteil eines Erben angerechnet werden. Auf ein Vermächtnis muss Erbschaftsteuer gezahlt werden.

Kann weder mit einem Testament noch mit einem Erbvertrag die Legitimation als Erbe nachgewiesen werden, kann vom Erben beim Nachlassgericht ein Erbschein beantragt werden. Lesen Sie dazu unseren Ratgeber: Erbschein - Die Legitimation für Erben.

Testament – So gehen Sie vor

1. Prüfung gesetzliche Erbfolge
Vergewissern Sie sich, wer nach der gesetzlichen Erbfolge wie viel von Ihrem Nachlass erbt. Sind Sie damit einverstanden? Dann benötigen Sie kein Testament. Wollen Sie die gesetzliche Erbfolge ganz oder zum Teil mit einer letztwilligen Verfügung ändern? Dann können Sie ein Testament verfassen.

2. Erstellung des Testaments
Wollen Sie das Testament selbst erstellen? Achten Sie auf die Mindestvoraussetzungen der Testamentsform: handschriftlich, unterschrieben mit Vor- und Nachname, Ort und Datum. Wenn Sie auf Nummer Sicher gehen möchten, kontaktieren Sie einen Anwalt für Erbrecht und lassen Sie sich bei der Erstellung Ihres letzten Willens professionell beraten.

3. Aufbewahrung des Testaments
Bewahren Sie das Testament an einem sicheren Ort auf. Eine sichere Aufbewahrung ist die amtliche Verwahrung beim Nachlassgericht. Die Aufbewahrung kostet einmalig 75 Euro. Wer sein Testament zu Hause aufbewahren möchte und trotzdem sicher gehen will, dass es im Ernstfall gefunden wird, kann es beim Zentralen Testamentsregister erfassen lassen. Die Gebühr für eine solche Registrierung beträgt 15 Euro für ein notarielles Testament und 18 Euro für ein privatschriftliches Testament.

4. Anwalt für Erbrecht kontaktieren!
Im Zweifel wenden Sie sich bei allen Fragen zum Testament vertrauensvoll an einen Anwalt für Erbrecht. Dieser berät Sie kompetent und erfahren, damit Ihr letzter Wille in Erfüllung geht!

TOP-Fehler beim Testament

Fehler bei der Erstellung eines Testamentes können nach dem Tod des Erblassers nicht mehr geheilt werden. Daher aufgepasst – folgende Fehler-Klassiker können leicht vermieden werden:

Top-Fehler: Testament mit Computer geschrieben

Immer wieder kommt es vor, dass Erblasser ihre letztwillige Verfügung mit dem Computer schreiben und dann handschriftlich unterschreiben. Das macht das Testament ungültig! Das Testament muss in Gänze handschriftlich verfasst und unterschrieben sein.

Top-Fehler: Steuerliche Nachteile nicht bedacht

Insbesondere beim Berliner Testament denken viele Ehepaare nicht an die steuerlichen Auswirkungen für den längerlebenden Ehegatten und die Nachkommen. So geht etwa den gemeinsamen Kindern der Freibetrag bei der Erbschaftssteuer beim Tod des erststerbenden Elternteils verloren. Wer ein Berliner Testament erstellen möchte, sollte sich unbedingt von einem Anwalt für Erbrecht beraten lassen.

Top-Fehler: Ehegatte ändert Berliner Testament alleine

Ein gemeinschaftliches Testament, wie das Berliner Testament, kann auch nur gemeinschaftlich geändert oder widerrufen werden. Beide Ehegatten sind an das Berliner Testament gebunden.

Top-Fehler: Widerruf alter Testamente fehlt

Wer eine alte eigenhändige letztwillige Verfügung durch ein neues Testament ersetzt, sollte dies im aktuellen Testament unbedingt handschriftlich mit „alle vorherigen Verfügungen werden widerrufen“ vermerken. Ansonsten ist im Erbfall unter Umständen nicht klar, welche Version gelten soll.

Top-Fehler: Mehrere Testamente ohne Datum

Werden mehrere Testamente gefunden und fehlt bei einem oder mehreren Testamenten das Datum, gilt im Zweifel das jüngste Testament. Aus diesem Grund sollten alle Testamente unbedingt eine Datumsangabe beinhalten.

Top-Fehler: Falscher Aufbewahrungsort

Viele Testamente werden nicht geeignet aufbewahrt. Entweder ist das Testament so gut versteckt, dass es nicht gefunden werden kann oder es ist zu leicht auffindbar und kann so schnell in die Hände Unbefugter gelangen, die es unterschlagen. Der sicherste Aufbewahrungsort ist die amtliche Hinterlegung beim Nachlassgericht.

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Häufige Fragen und Antworten zum Testament

+ Testament - was beachten?

Beim eigenhändigen Testament müssen unbedingt die Formerfordernisse – handschriftlich, Name, Ort, Datum, leserlich und eindeutig - eingehalten werden. Lesen Sie dazu oben mehr.


+ Testament - wie verfassen?

Ein Testament kann vom Erblasser selbst – eigenhändig – oder vor einem Notar – öffentlich - verfasst werden.


+ Testament - wie eröffnen?

Das Standesamt teilt dem Nachlassgericht den Tod des Erblassers mit. Der Rechtspfleger des Nachlassgerichtes kontrolliert die Unversehrtheit und den Inhalt des Testaments. Erben und Vermächtnisnehmer werden über die Erbschaft und die Testamentseröffnung in Kenntnis gesetzt. In einem Testamentseröffnungstermin wird der Inhalt des Testament verlesen.


+ Testament - wie hinterlegen?

Das Testament kann an einem sicheren Versteck zu Hause hinterlegt werden. Dann empfiehlt sich zumindest eine Registrierung im Zentralen Testamentsregister. Die sicherste Aufbewahrung ist die Verwahrung beim Nachlassgericht.


+ Testament - wie anfechten?

Ein Testament kann von den Erben oder Pflichtteilsberechtigten beim zuständigen Nachlassgericht mit einer Anfechtungserklärung innerhalb eines Jahres ab Kenntnis über den Anfechtungsgrund angefochten werden.


+ Testament - wie richtig schreiben?

Das Erstellen eines rechtsgültigen Testaments ist mitunter nicht einfach. Ein Anwalt für Erbrecht hilft Ihnen als Testamentsexperte Ihren letzten Willen umzusetzen.


+ Testament - wen informieren?

Wer ein Testament nach einem Todesfall findet, hat die gesetzliche Pflicht es beim Nachlassgericht unverzüglich abzugeben.




erstmals veröffentlicht am 26.03.2019, letzte Aktualisierung am 12.10.2020

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