Logo anwaltssuche.de
Familienrecht ,

Neues aus der Welt des Unterhaltsrechts

Weiterhin großes Rätselraten besteht nach wie vor bei der Frage, ob und in welcher Höhe bzw. für welche Zeit Mütter Unterhaltsansprüche gegen ihren Mann bzw. Ex-Mann haben.

Die Rechtssprechung ist dabei zunehmend mehr am jeweiligen Einzelfall orientiert. Nachdem zunächst bei Inkrafttreten der Unterhaltsrechtsreform zum 01.01.2008 eine klare Regelung getroffen schien, wonach Unterhaltsansprüche der Mutter nur bis zur Vollendung des dritten Lebensjahres eines Kindes bestehen, neigt die obergerichtliche Rechtsprechung nunmehr in zahlreichen Entscheidungen dazu, den Bedürfnissen der Kindesmutter Rechnung zu tragen. Das Oberlandesgericht München beispielsweise hat im Juni 2008 geurteilt, dass nicht starr an der drei-Jahres-Grenze festgehalten werden darf: Ein Kindergarten- oder Grundschulkind bedarf in der Zeit, in der es nicht fremd betreut wird, einer dauerhaften Zuwendung der Bezugsperson, um seine Entwicklung und sein Wohlergehen zu fördern. Daher kann bis zur Beendigung der Grundschulzeit eines Kindes eine Vollzeiterwerbstätigkeit der Mutter in der Regel nicht erwartet werden.

Gleiches findet sich auch in den „Richtlinien des OLG Frankfurt am Main“ wieder. Begründet wird dies mit einer unangemessenen Lastenverteilung zwischen den Eltern, die allgemeinen Gerechtigkeitsmaßstäben widerspräche, wenn man eine volle Erwerbstätigkeit neben der Betreuung eines kleinen Kindes verlangte. Dies würde regelmäßig zu einer massiven Überforderung des betreuenden Elternteils führen, was sich dann unmittelbar negativ auf das Wohl des Kindes auswirkt.


Letztlich ist in jedem Einzelfall zu prüfen, welche Möglichkeiten der Kinderbetreuung tatsächlich bestehen und inwiefern diese mit den Belangen des Kindes zu vereinbaren sind. Private Betreuung, z. B. durch Bekannte und Angehörige, muss grundsätzlich nach den Frankfurter Leitlinien nicht in Anspruch genommen werden. Grundsätzlich muss die Kindesmutter beweisen, keine zumutbare Betreuungsmöglichkeit gefunden zu haben. Hierfür reicht zunächst der Vortrag aus, z. B. in der Gemeinde nachgefragt und eine Absage erhalten zu haben. Maßgeblich für die Beurteilung der Verlängerung des Unterhaltsanspruchs über drei Jahre hinaus ist auch die Zahl der zu betreuenden Kinder. Die neue Gesetzeslage verlangt daher keineswegs einen abrupten, übergangslosen Wechsel von der elterlichen Betreuung zu einer Vollzeiterwerbstätigkeit. Im Interesse des Kindeswohls wird vielmehr auch künftig ein gestufter Übergang im jeweiligen Einzelfall möglich sein.

Eine Beratung für Ihren individuellen Fall ist daher unerlässlich und schützt vor unnötigen Nachteilen.


Lesen Sie hier weitere Fachartikel im Themenbereich Ehe & Familie
Hier finden Sie bundesweit Rechtsanwälte für Familienrecht

War dieser Expertentipp für Sie hilfreich?
Eigene Bewertung abgeben: stern_grau stern_grau stern_grau stern_grau stern_grau

0.0 / 5 (0 Bewertungen)
Diese Beiträge könnten Sie interessieren:
Kategorie: Anwalt Familienrecht 26.04.2016
Neben Fragen zum Unterhalt und der Aufteilung von Geld- und Sachwerten nimmt das Thema Sorgerecht bei einer Scheidung meist den größten Raum ein. Neben gemeinsamen und alleinigem Sorgerecht kann auch ein Mittelweg sinnvoll sein.
Kategorie: Anwalt Familienrecht 27.04.2016
Kinder ohne eigenes Einkommen haben einen Anspruch auf Unterhalt durch ihre Eltern. Im Fachjargon heißt dies Kindesunterhalt im Unterschied zum Ehegattenunterhalt. Was viele nicht wissen: Beide Eltern sind zum Kindesunterhalt verpflichtet.
Kategorie: Anwalt Familienrecht 26.04.2016
Die Jugendhilfe ist eingerichtet, um Kinder und Jugendliche unter 27 Jahren durch unterschiedliche Angebote und Maßnahmen zu unterstützen. Das geschieht einerseits mit allgemeinen Hilfeleistungen. Andererseits mit konkreten Aktionen im Einzelfall.
Kategorie: Anwalt Familienrecht 26.04.2016
Die Mitarbeiter im Jugendamt helfen bei der Entwicklung von Kindern und Jugendlichen, wo Erziehungsberechtigte an ihre Grenzen stoßen. Eltern und Kinder haben jedoch eigene Rechte. Welche Rechte stehen wem wann zu und wer kontrolliert eigentlich das Jugendamt?
Kategorie: Anwalt Familienrecht    (138 mal gelesen)

Der Deutsche Bundestag hat die Reform des Unterhaltsrechts verabschiedet. Das neue Unterhaltsrecht soll zum 1. Januar 2008 in Kraft treten. Zu den Regelungen im Einzelnen ...

4.6 / 5 (7 Bewertungen)
Kategorie: Anwalt Familienrecht    (134 mal gelesen)

Heimlicher Vaterschaftstest darf im gerichtlichen Verfahren nicht verwertet werden.

2.0 / 5 (1 Bewertungen)
Kategorie: Anwalt Familienrecht GKS Rechtsanwälte    (160 mal gelesen)

OLG Urteil zum Aufenthaltsbestimmungsrecht: Mutter darf nicht mit Kindern ins Ausland ziehen

3.0 / 5 (4 Bewertungen)
Kategorie: Anwalt Familienrecht    (337 mal gelesen)

In Deutschland hat jedes Kind einen Anspruch auf Kindergeld. Damit soll die Grundversorgung der Kinder gewährleistet werden. Hier erfahren Sie neue Rechtsprechung zum Kindergeld die Eltern kennen sollten.

3.7 / 5 (10 Bewertungen)
Kategorie: Anwalt Familienrecht    (246 mal gelesen)

"Geschenkt ist geschenkt - wiederholen ist gestohlen", so lautet der volkstümliche Grundsatz, doch das deutsche Recht sieht einige Ausnahmen von diesem Grundsatz vor. So kann eine Schenkung widerrufen werden, wenn sich der Beschenkte gegen den Schenker groben Undanks schuldig macht.

3.0 / 5 (3 Bewertungen)
Kategorie: Anwalt Familienrecht    (286 mal gelesen)

Schlechte Nachrichten für alle berufstätigen Eltern, die im neuen Kindergartenjahr für ihr unter dreijähriges Kind keinen Kinderbetreuungsplatz erhalten haben: Nach einem aktuellen Urteil des Oberlandesgerichts Dresden erhalten Eltern keinen Schadensersatz für den Verdienstausfall bei fehlendem Kinderbetreuungsplatz.

3.5 / 5 (2 Bewertungen)
Kategorie: Anwalt Familienrecht    (63 mal gelesen)

Soft-Air-Waffen sehen aus wie echte Waffen, verschießen aber „harmlosere“ Munition in Form von Kügelchen aus Kunststoff. Insbesondere Jungs sind fasziniert von diesen „Spielgeräten“. Doch Vorsicht, auch die harmlosen Soft-Airs können Verletzungen verursachen und auf die Eltern kommen Schmerzensgeld- und Schadensersatzzahlungen zu.

5.0 / 5 (2 Bewertungen)
Kategorie: Anwalt Familienrecht    (119 mal gelesen)

Unterhaltsanspruch der nicht verheirateten Kindesmutter beurteilt sich allein nach deren Lebensstellung (§ 1615 l Abs. 2 BGB).

4.5 / 5 (2 Bewertungen)
Kategorie: Anwalt Familienrecht GKS Rechtsanwälte    (191 mal gelesen)

Stellt ein Ehepartner nach der Hochzeit beispielsweise auf Grund der Geburt eines Kindes seine Karriere hinten an, so kann er oder sie im Falle einer Scheidung grundsätzlich unbefristet Unterhaltsansprüche vom Ex-Partner wegen so genannter "ehebedingter Nachteile" fordern.

4.7 / 5 (3 Bewertungen)
Kategorie: Anwalt Familienrecht GKS Rechtsanwälte    (132 mal gelesen)

Bundesverfassungsgerichtsurteil zum nachehelichen Unterhalt – mehr Geld für geschiedene Ehegatten möglich!

3.0 / 5 (4 Bewertungen)


Alle Expertentipps zum Ehe & Familie
Suche in Fachbeiträgen