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Kategorie: Anwalt Arbeitsrecht , 19.10.2020 (Lesedauer ca. 3 Minuten, 23 mal gelesen)

Altersdiskriminierung am Arbeitsplatz: So wehren Sie sich erfolgreich!

Arbeitnehmer blickt wegen Diskriminierung verzweifelt zu Boden Arbeitnehmer blickt wegen Diskriminierung verzweifelt zu Boden © freepik - mko

Ob bei Stellenausschreibungen, beim Gehalt oder bei Kündigungen: Altersdiskriminierung am Arbeitsplatz kommt immer wieder vor. Das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz verbietet eine Diskriminierung am Arbeitsplatz aufgrund des Alters. Doch wann liegt eine Altersdiskriminierung vor? Und wie können sich betroffene Arbeitnehmer wehren?

Altersdiskriminierung am Arbeitsplatz – Was sagt das Gesetz?


Das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) schützt unter anderem auch Arbeitnehmer vor Benachteiligungen aus Gründen der Rasse oder wegen der ethnischen Herkunft, des Geschlechts, der Religion oder Weltanschauung, einer Behinderung, des Alters oder der sexuellen Identität.

Eine Altersdiskriminierung am Arbeitsplatz liegt vor, wenn Arbeitnehmer in vergleichbarer Situation von ihrem Arbeitgeber aufgrund des Alters ungerechtfertigt ungleich behandelt werden. Gemeint ist hier das Lebensalter und nicht die Dienstzeit. Vom Schutz des AGG umfasst sind sowohl alte wie auch junge Arbeitnehmer.

In bestimmten Situationen kann aber eine Ungleichbehandlung von Arbeitnehmern aufgrund des Alters gerechtfertigt sein. Laut AGG ist eine unterschiedliche Behandlung immer dann zulässig, wenn ein bestimmtes Alter wegen der Art der Tätigkeit oder Ausübung eine entscheidende berufliche Anforderung darstellt. Die Ungleichbehandlung muss laut AGG durch ein legitimes Ziel gerechtfertigt, objektiv und angemessen sein. Gleiches gilt für die Mittel, mit denen dieses Ziel erreicht werden soll. Das Gesetz führt Beispiele an, wann eine Ungleichbehandlung von Arbeitnehmern aufgrund des Alters erlaubt ist, so etwa beim Zugang zu Betriebsrenten oder bei Abfindungen.

Wie kann Altersdiskriminierung am Arbeitsplatz aussehen?


Altersdiskriminierung am Arbeitsplatz kann in ganz unterschiedlichen Situationen geschehen. Sie kann als Beleidigung oder in Form von altersbegrenzenden Regelungen auftreten.

Altersdiskriminierung bei Stellenausschreibungen


Eine Stellenausschreibung verstößt immer dann gegen das Diskriminierungsverbot, wenn ausdrücklich nur „junge“ Arbeitnehmer gesucht werden, stellt das Bundesarbeitsgericht (Aktenzeichen 8 AZR 530/09) klar.

Eine Stellenausschreibung, die sich ausschließlich an Hochschulabsolventen/Young Professionels wendet, erweckt den Anschein einer altersbedingten Ungleichbehandlung und verstößt damit gegen das Diskriminierungsverbot, entschied auch das Bundesarbeitsgericht (Aktenzeichen 8 AZR 429/11). Das Gericht verwies allerdings darauf, dass eine Bewerberauswahl aufgrund von Examensnoten keine Diskriminierung von Bewerbern darstellt.

Altersdiskriminierung beim Urlaub


Gibt es in einem Unternehmen eine Regelung, wonach ältere Arbeitnehmer Anspruch auf mehr bezahlte Urlaubstage als junge Arbeitnehmer haben, ist dies ein Verstoß gegen das Diskriminierungsverbot. Dies entschied das Bundesarbeitsgericht (Aktenzeichen 9 AZR 534/15) im Fall eines Schuhherstellers, der seinen Arbeitnehmern nach Vollendung des 58. Lebensjahres jährlich 36 Arbeitstage Erholungsurlaub und damit zwei Urlaubstage mehr als den jüngeren Arbeitnehmern gewährt. Dies ist eine unzulässige Altersdiskriminierung, zulässig wäre laut Gericht etwa eine Urlaubsstaffelung nach Arbeitsbelastung.

Altersdiskriminierung bei Kündigungen


Viele Kündigungen von Arbeitnehmern beinhalten Altersdiskriminierungen. So etwa die Kündigung einer 65jährigen Arzthelferin, der im Kündigungsschreiben von ihrem Arbeitgeber mitgeteilt wurde, dass eine Umstrukturierung der Arztpraxis ihre Kündigung notwendig mache und sie schließlich schon pensionsberechtigt sei. Das Bundesarbeitsgericht (Aktenzeichen 6 AZR 457/14) verurteilte den Arbeitgeber zu einer Entschädigungszahlung. Die Kündigung des Arbeitsverhältnisses war damit unwirksam.

Welche Ansprüche haben Betroffene?


Wird ein Arbeitnehmer an seinem Arbeitsplatz aufgrund seines Alters diskriminiert, hat er nach dem AGG einen Anspruch auf Entschädigung und Schadensersatz. Der Anspruch muss innerhalb von zwei Monaten nach der erfolgten Diskriminierung schriftlich gegenüber dem Arbeitgeber gestellt werden.

Ein Bewerber, der sich nur auf eine Stellenausschreibung bewirbt, weil diese gegen das Diskriminierungsverbot verstößt, geht leer aus, wenn er mit seiner Bewerbung nur die Zahlung einer Entschädigung erreichen will. Dies entschied das Arbeitsgericht Siegburg (Aktenzeichen 5 Ca 1201/19) im Fall eines Rentners, der sich auf die Stellenanzeige „Fachanleiter aus dem Bereichen Küche/Hauswirtschaft/Nähen gesucht“ bewarb und keinerlei Motivation für seine Bewerbung zeigte.

Wer hilft Diskriminierungsopfern?


Opfer einer Altersdiskriminierung können sich im Unternehmen an den Betriebsrat oder, wenn vorhanden, an eine betriebliche Beschwerdestelle wenden. Als Ansprechpartner steht auch die Antidiskriminierungsstelle des Bundes zur Verfügung.
In jedem Fall sind Sie bei einem erfahrenen Anwalt für Arbeitsrecht von der ersten Beratung bis zur Durchsetzung Ihrer Rechte in besten Händen.

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