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Kategorie: Anwalt Familienrecht , 22.07.2021 (Lesedauer ca. 4 Minuten, 23 mal gelesen)

Hochzeit: Worauf Brautleute aus rechtlicher Sicht achten müssen

Hochzeit: Worauf Brautleute aus rechtlicher Sicht achten müssen © CC0 - Daniel Nanescu - splitshire.com

Malheur mit dem Brautkleid, Trauzeuge wird krank, Hochzeitsaal zu klein, schlechter Service bei der Hochzeitsfeier, unvorteilhafte Hochzeitsfotos – am schönsten Tag im Leben der Brautleute kann viel schief gehen. Wer haftet für die Pannen bei einer Hochzeit und worauf müssen die frischgebackenen Eheleute bei der Eheschließung achten?

Malheur mit dem Brautkleid – Wer haftet?


Der Alptraum einer jeden Braut: Das gekaufte Brautkleid passt kurz vor der Hochzeit nicht! Das Landgericht Nürnberg-Fürth (Aktenzeichen 16 O 8200/17) hat entschieden, dass die Braut dem Verkäufer des Brautkleids auch kurz vor der Hochzeit zunächst die Möglichkeit zur Nachbesserung geben muss. Bringt sie das Kleid zum Ändern zu einem anderen Schneider, bleibt sie auf diesen Kosten sitzen. Nur wenn der Verkäufer eine Nachbesserung des Hochzeitskleides verweigert oder diese nicht zur Mangelbeseitigung geführt hätte, hätte sich die Braut einen anderen Schneider beauftragen dürfen und die Kosten dem Verkäufer in Rechnung stellen können.

Wird ein Brautkleid in einer Reinigung „rosa“ gefärbt, steht der Braut Schadensersatz zu, entschied das Amtsgericht Augsburg. Im konkreten Fall konnte die Reinigung nicht nachweisen, dass die Verfärbung aufgrund eines vom Hersteller im Brautkleid angebrachten, fehlerhaften Pflegekennzeichen geschehen war. Das Gericht sprach der entsetzten Braut 450 Euro Schadensersatz zu.

Standesamt: Worauf müssen die Brautleute achten?


Früher wurde beim Standesamt zur Anmeldung der Eheschließung das Aufgebot bestellt und zwei Wochen lang öffentlich ausgehangen. Unter anderem aus datenschutzrechtlichen Gründen wurde dieses Prozedere seit Mitte 1998 geändert. Jetzt machen die Verlobten einen gemeinsamen Termin beim Standesamt und legen dort das Datum der Trauung fest. Zuständig ist ein Standesamt, wo einer der Partner seinen Hauptwohnsitz hat. Kann nur ein Partner diesen Termin wahrnehmen, benötigt er vom anderen Partner eine Vollmacht. Die Anmeldung zur Eheschließung kann sechs Monate vor dem geplanten Hochzeitstermin erfolgen.

Nach Anmeldung der Eheschließung kann bundesweit in jedem Standesamt die Trauung vollzogen werden. Häufig wählen die Brautleute nicht das wohnortsnahe Standesamt, sondern weichen auf ein anderes aus.

Erkrankt der Trauzeuge kurz vor der standesamtlichen Hochzeit, ist das kein Hindernis für die Eheschließung. Seit Juli 1998 benötigt man für eine Eheschließung auf dem Standesamt keine Trauzeugen mehr. Wer möchte, kann aber weiterhin Trauzeugen bei der Anmeldung zur Eheschließung benennen. Die Trauzeugen müssen dann nach der Trauung die Niederschrift zur Eheschließung unterschreiben. Wichtig ist, dass die Trauzeugen volljährig sind und sich mit einem Personalausweis ausweisen können.

Pannen auf der Hochzeitsfeier – Wann erhalten Brautleute Schadensersatz?


Schlechter Service – Brautpaar kann Rechnung mindern


Wird die Hochzeitsfeier des frisch vermählten Paares durch schlechten Service getrübt, kann die Rechnung des Gastwirtes gemindert werden, entschied das Amtsgericht München. An der Hochzeit nahmen 170 Gäste teil. Es kam ein Rechnungsbetrag für Speisen und Getränke von rund 7.500 Euro zustande. Der Gast bezahlte nur 3.000 Euro, da nur zwei Kellner für den Service zur Verfügung gestanden und allein das Servieren der Suppe anderthalb Stunden gedauert habe. Auch die vereinbarten Kinderessen habe es nicht gegeben. Außerdem hätten tatsächlich nur 150 Gäste an der Hochzeit teilgenommen. Laut Gericht war der Gastwirt nicht nur dazu verpflichtet, die vereinbarten Speisen und Getränke zur Verfügung zu stellen, er habe auch dafür zu sorgen, dass ein entsprechender Service für so viele Gäste verfügbar ist. Zwei Kellner bei 150 Gästen ist laut Gericht definitiv zu wenig, um Getränkebestellungen und Essensausgabe ordnungsgemäß zu bewerkstelligen.

Ausschankplan ist für Gastronomie verbindlich– Brautpaar muss weitere Getränke nicht zahlen


Hat ein Brautpaar mit der Gastronomie einem Ausschankplan für bestimmte Getränke an der Hochzeitsfeier vereinbart, so ist dieser verbindlich einzuhalten, stellt das Amtsgericht Frankfurt/Main (Aktenzeichen 31 C 376/19 (23)) fest. Wurden andere Getränke an die Gäste ausgeschenkt, müssen diese nicht vom Brautpaar bezahlt werden.

Weniger Gäste – weniger Geschenke: Kein Schadensersatz vom Gastwirt


Auch bei der Hochzeitsfeier in einer Gaststätte kann einiges schieflaufen, dass den Brautleuten die Feier vermiest. So hatte ein Brautpaar einen Saal für 620 Hochzeitsgäste gemietet, der aber nicht pünktlich zum Fest fertig wurde. Der Saalbetreiber verlegte die Hochzeitsgesellschaft in einen anderen Saal für 400 Gäste, so dass das Brautpaar gezwungen war 220 Gäste auszuladen. Die reduzierte Anzahl von Gästen bedeutete für das Brautpaar auch erheblich weniger Hochzeitsgeschenke, weshalb es den Saalbetreiber auf Schadensersatz verklagte. Ohne Erfolg, entscheid das Oberlandesgericht Frankfurt/Main (Aktenzeichen 19 W 29/11). Das Ausbleiben von Hochzeitsgeschenken sei dem Saalbetreiber nicht zu zurechnen.

Brand wegen Himmelslaternen – Veranstalter haftet!


Kommt es bei einer Hochzeitsfeier aufgrund von sog. Himmelslaternen zu einem Brand, haftet dafür der Veranstalter, stellt das Oberlandesgericht Frankfurt/Main (Aktenzeichen 24 U 108/14) sowie das Oberlandesgericht Koblenz (Aktenzeichen 6 U 923/14). Mittlerweile ist der Einsatz von Himmelslaternen in Deutschland verboten.

Unvorteilhafte Hochzeitsfotos – wann haftet der Fotograf?


Hochzeitsfotos sind eine bleibende Erinnerung an Eheschließung und Hochzeitsfeier. Können die Brautleute Schadensersatz vom Fotografen verlangen, wenn die Bilder nicht so ausfallen, wie sie sich das vorgestellt haben?
Das bloße Nichtgefallen reicht für einen Schadensersatzanspruch gegenüber dem Fotografen nicht aus. Schadensersatz gibt es nur dann, wenn der Fotograf handwerklich nicht sauber gearbeitet hat, das heißt die Fotos entsprechen nicht einer mittleren Art und Güte. Daneben können die Brautleute Schadensersatz verlangen, wenn der Fotograf vereinbarte Leistungen/Fotos nicht gemacht hat – etwa der Auszug aus dem Standesamt oder der Hochzeitskuss.

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