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Kategorie: Anwalt Verkehrsrecht , 21.09.2020 (Lesedauer ca. 2 Minuten, 13 mal gelesen)

Kindersitz im Auto - Eltern in der Pflicht!

Kleiner Junge sitzt im Auto im Kindersitz und lacht Kleiner Junge sitzt im Auto im Kindersitz und lacht © freepik - mko

Bei vielen Eltern herrscht Unsicherheit beim Transport ihrer Kinder im Auto: Bis zu welchem Alter braucht ein Kind einen Kindersitz? Welche Voraussetzungen muss ein Kindersitz erfüllen? Darf der Kindersitz auch auf der Beifahrerseite montiert werden? Und mit welchen Sanktionen müssen Eltern rechnen, die die Kindersitzpflicht missachten?

Kindersitzpflicht – das gilt in Deutschland!


Laut Straßenverkehrsordnung müssen Kinder bis zum 12. Lebensjahr mit einer Körpergröße von weniger als 150 cm im Auto in einer ihrer Größe entsprechenden Rückhaltevorrichtung (Kindersitz) Platz nehmen. Das bedeutet, erst wenn ein Kind seinen 12. Geburtstag gefeiert hat, benötigt es im Auto keinen Kindersitz mehr – es sei denn, es hat vorher schon eine Körpergröße von mehr als 150 cm erreicht. Das Gewicht eines Kindes spielt hierbei übrigens keine Rolle.

Ab wann reicht eine Sitzerhöhung?


Sobald das Kind allerdings ein Gewicht von mindestens 15 kg erreicht hat, genügt eine sog. Sitzerhöhung. Die Anschnallpflicht gilt natürlich weiter. Die Sitzerhöhung gibt es mit und ohne Rückenlehnen. Beides ist zulässig, allerdings schützt die Sitzerhöhung mit Rücklehne das Kind bei einem Unfall von der Seite besser.

Welche Kindersitze sind geeignet?


Bei der Auswahl des richtigen Kindersitzes helfen die sog. UN/ECE-Regelungen. Derzeit sind drei Normen zugelassen: UN ECE Reg. 44/03, UN ECE Reg. 44/04 und UN ECE Reg. 129. Danach werden die Rückhaltesysteme für Kinder in verschiedene Gewichtsklassen eingeteilt. Die Normierung (0+/I, II/III, I/II/III) erfolgt anhand des Gewichtes des Kindes von 0 kg bis zu 36 kg. Das Einhalten dieser Regelungen wird mit einem entsprechenden Prüfzeichen am Kindersitz dokumentiert.

Wie und wo muss der Kindersitz montiert werden?


Kindersitze dürfen nicht nur auf der Rückbank, sondern auch auf dem Beifahrersitz befestigt werden. Ganz wichtig: Bei Babyschalen muss der Beifahrer-Airbag in diesem Fall ausgeschaltet werden. Bei Kindersitzen in Fahrtrichtung sollte der Beifahrersitz auf die hinterste Position eingestellt werden und der Airbag bleibt eingeschaltet.
Kinder in einem Alter von bis 8 bis 9 Monaten und einem Gewicht von 13 kg müssen rückwärts im Kindersitz im Auto transportiert werden (sog. Babyschale). Bei Kindern bis zu vier Jahren und 18 kg Gewicht wird ebenfalls ein rückwärts gerichteter Transport im Kindersitz empfohlen, es ist aber keine Pflicht.

Missachtung der Kindersitzpflicht – Welche Strafen drohen?


Eltern, die die Kindersitzpflicht missachten, riskieren ein Bußgeld von mindestens 30 Euro. Wer mehrere Kinder ohne Kindersitz im Auto mitnimmt, zahlt 35 Euro. Wer ein Kind ohne Kindersitz und ohne anzuschnallen im Auto mitfahren lässt, muss 60 Euro Bußgeld zahlen und erhält einen Punkt in der Flensburger Verkehrssünderkartei.
Nach einer Entscheidung des Oberlandesgericht Hamms (Aktenzeichen 5 RBs 153/13) muss ein Autofahrer, der in einer allgemeinen Verkehrskontrolle damit auffiel, dass sein vier Jahre altes Kind im Kindersitz nicht angeschnallt war, ein Bußgeld von 40 Euro zahlen. Sein Einwand das Kind habe sich während der Fahrt losgeschnallt, ließen die Richter nicht gelten. Der Vater habe während der ganzen Autofahrt darauf zu achten, dass das Kind vorschriftsmäßig gesichert sei. Notfalls müsse er anhalten, wenn das Kind sich abgeschnallt hat und es wieder anschnallen. Dies ergebe sich auf seiner Fürsorgepflicht seinem schutzbedürftigen Kind gegenüber. Vom Autofahrer könne im Einzelfall sogar erwartet werden, dass er eine Reiseroute wählt, bei der er sich in regelmäßigen Abständen nach dem Kind umdrehen könne. In Ausnahmefällen könne es auch angebracht sein, eine Begleitperson für das Kind mitzunehmen, so das Gericht.

erstmals veröffentlicht am 17.09.2020, letzte Aktualisierung am 21.09.2020

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