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Kategorie: Anwalt Versicherungsrecht , 06.04.2017 (Lesedauer ca. 2 Minuten, 1214 mal gelesen)

Kosten für die Schönheits-OP - In diesen Fällen haftet der Arzt!

Kosten für die Schönheits-OP - In diesen Fällen haftet der Arzt! © CC0 - Daniel Nanescu - splitshire.com

Hierzulande werden jährlich zirka eine halbe Million Schönheits-Operationen durchgeführt. Und Brustvergrößerung, schlanke Beine oder ein straffer Po gelingen in den meisten Fällen auch. Kommt es aber zu Komplikationen, muss möglicherweise der Arzt haften.

Arzt muss Patienten vorab aufklären - sonst droht Haftstrafe!


Ein Arzt, der in seiner Praxis ohne die erforderliche Aufklärung seiner Patientin und ohne die notwendige Hinzuziehung eines Anästhesisten eine Schönheitsoperation durchgeführt hatte, an deren Folgen die Patientin verstarb, wurde wegen Körperverletzung mit Todesfolge zu einer Freiheitsstrafe von fünf Jahren und sechs Monaten verurteilt und es wurde ihm für die Dauer von vier Jahren verboten, die Tätigkeit eines niedergelassenen Chirurgen, Sportmediziners und Arztes im Rettungsdienst auszuüben. So lautet eine Entscheidung des Landgerichts Berlin (Az. 5 StR 51/14).
Das Bundessozialgericht (Aktenzeichen B 9 VG 1/09 R ) sprach einer Patientin, deren Gesundheit durch eine misslungene Schönheitsoperation beeinträchtigt wurde, Versorgungsleistungen nach dem Opferentschädigungsgesetz (OEG) zu. Dieser Die Frau litt an erheblichem Übergewicht, Herzschwäche, Bluthochdruck, Lungen¬schwäche, insulinpflichtiger Zuckerkrankheit und einer Darmerkrankung, als sie von einem Gynäko¬logen eine Fettabsaugung durchführen ließ. Der Arzt hatte die Patientin nicht zuvor über die damit ver¬bundenen Risi¬ken und andere wichtige Umstände aufgeklärt. Es kam zu gesundheitlichen Schwierigkeiten bei der Frau. Für das Bundessozialgericht wurde die Patientin damit zum Gewaltopfer, weil ein als vorsätzliche Körperverletzung strafbarer ärztlicher Eingriff aus der Sicht eines verständigen Dritten in keiner Weise dem Wohle des Patienten dient.

Gesundheitsrisiken bei Schönheits-OP dürfen nicht verschwiegen werden!


Das Landessozialgericht Nordrhein-Westfalen (Aktenzeichen L 10 VG 6/07) entschied, dass eine Schönheitsoperation eine vorsätzliche, rechtswidrige gefährliche Körperverletzung durch den Arzt darstellt, wenn die Zustimmung durch bewusst falsche Aufklärung erschlichen wurde. In dem der Entscheidung zugrunde liegenden Fall war es bei einer Patientin im Anschluss an zwei kosmetische Operationen zu erheblichen Komplikationen gekommen. Die Patientin hatte den Arzt im Vorfeld auf bei ihr vorhandene Vorerkrankungen aufmerksam gemacht. Der Arzt verschwieg der Frau aber, dass wegen dieser Vorerkrankungen die Operationen ein erhebliches Gesundheitsrisiko darstellten. Er tat dies aus finanziellen Motiven, weil er befürchtete, die Patientin werde sich sonst nicht von ihm operieren lassen. In einem solchen Fall kommt ein Anspruch des Patienten auf Entschädigung nach dem Gesetz über die Entschädigung für Opfer von Gewalttaten (OEG) in Betracht.


Bruststraffung schief gegangen: kein Geld zurück bei vorheriger Aufklärung!


Für eine missglückte Bruststraffung kann eine junge Frau von dem behandelnden plastischen Chirurgen jedoch keinen Schadensersatz verlangen, wenn sich die Risiken der Operation verwirklichen, über die sie zuvor aufgeklärt worden ist. Dies hat das Schleswig-Holsteinischen Oberlandesgericht (Aktenzeichen 4 U 103/10) aktuell entschieden. Bei der jungen Frau war nach der Operation eine Infektion aufgetreten. Die Infektion während einer Operation oder eines Klinikaufenthaltes bzw. einer ärztlichen Behandlung fällt nach Auffassung des Gerichts nicht in den voll beherrschbaren Risikobereich auf Behandlerseite. Daher lehnten die Richter die Haftung des Arztes ab.


erstmals veröffentlicht am 09.10.2014, letzte Aktualisierung am 06.04.2017

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