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Kategorie: Anwalt Arztrecht , 19.08.2021 (Lesedauer ca. 3 Minuten, 210 mal gelesen)

Schönheits-OP missglückt: Rechte des Patienten?

Schönheitsoperation im Krankenhaus an der Nase Schönheitsoperation im Krankenhaus an der Nase © freepik - mko

Gesichtskorrekturen, Brustvergrößerung, Fettabsaugung oder ein Botox-Eingriff – Deutschland gehört zu den Ländern mit den meisten ästhetisch-plastischen Eingriffen. In den meisten Fällen geht das Versprechen auf ein schöneres, ästhetisches Äußere auch in Erfüllung. Doch welche Ansprüche haben Patienten, wenn die Schönheitsoperation misslingt?

Schönheits-OP misslungen: Wann haftet der Arzt?


Ein Arzt haftet nach einer missglückten Schönheitsoperation, wenn er einen Behandlungsfehler begangen hat. Das heißt, der Arzt muss gegen ärztliche Behandlungsregeln und/oder gesicherte medizinische Erkenntnisse gehandelt und dadurch einen Schaden beim Patienten verursacht haben. Der Behandlungsfehler kann bei der Aufklärung des Patienten, bei Erhebung des Befundes, der Diagnose oder bei der Operation geschehen. Kein Behandlungsfehler ist etwa die enttäuschte Erwartung eines Patienten über das Operationsergebnis.

Arzt muss über Risiken, Alternativen und Folgen einer Schönheits-OP aufklären


Ein Arzt hat gegenüber seinem Patienten eine Aufklärungspflicht. Das heißt, er haftet, wenn er seinen Patienten nicht in dem erforderlichen Maß rechtzeitig und verständlich über die Risiken, Alternativen und Folgen der Schönheitsoperation aufklärt. Bei Schönheitsoperationen trifft den behandelnden Arzt sogar eine verstärkte Aufklärungspflicht. Er muss seinen Patienten umfassend über alle Nachteile des Eingriffs aufklären und ihm ein paar Tage Zeit zum Bedenken geben.

Erschleicht sich ein Arzt die Zustimmung zu einer Schönheitsoperation durch bewusst falsche Aufklärung der Patientin, macht er sich wegen einer vorsätzlichen gefährlichen Körperverletzung strafbar und haftet für die Folgen, wenn es zu Komplikationen nach der OP kommt, entschied das Landessozialgericht Nordrhein-Westfalen (Aktenzeichen L 10 VG 6/07).

Unterlässt ein Schönheitschirug die erforderliche Aufklärung seiner Patientin über den Eingriff und seine Risiken und führt die Schönheitsoperation ohne den notwendigen Anästhesisten durch, macht er sich wegen Körperverletzung mit Todesfolge strafbar, wenn die Patientin bei der Operation verstirbt. Das entschied das Landgericht Berlin (Aktenzeichen 5 StR 51/14) und verurteilte den Arzt zu einer Freiheitsstrafe von fünf Jahren und sechs Monaten. Zudem wurde ihm für die Dauer von vier Jahren verboten, die Tätigkeit eines niedergelassenen Chirurgen, Sportmediziners und Arztes im Rettungsdienst auszuüben.

Hat der Arzt seine Patientin allerdings ordnungsgemäß und umfassend über die Risiken der Schönheitsoperation aufgeklärt und verwirklichen sich diese, haftet er nicht. Dies stellt das Schleswig-Holsteinische Oberlandesgericht (Aktenzeichen 4 U 103/10) im Fall einer Patientin klar, bei der es nach einer Bruststraffung zu einer Infektion gekommen war. Über dieses Risiko hatte der Arzt sie aufgeklärt. Laut Gericht war dieses Risiko für den Arzt nicht beherrschbar, weshalb eine Haftung ausscheidet.

Schönheits-OP schief gelaufen – Wie sollen Patienten vorgehen?


Ist das Ergebnis einer Schönheitsoperation für den Patienten nicht hinnehmbar, sollte er zunächst das Gespräch mit dem behandelnden Arzt suchen und klären, warum es zu diesem Ergebnis gekommen und ob eine Korrektur möglich ist.
Wichtig ist bereits an dieser Stelle Beweise zu sichern. Schreiben Sie ein Gedächtnisprotokoll zum Verlauf der Beratung und Aufklärung durch den Arzt und ihres Klinikaufenthaltes. Mitpatienten können möglicherweise als Zeugen diesen.
Um Ihre Rechte erfolgreich gegenüber dem Arzt oder Klinik durchsetzen zu können, empfiehlt es sich einen Anwalt für Medizinrecht einzuschalten. Er fordert alle notwendigen Unterlagen vom Arzt oder der Klinik ein und wird Sie dann fachkundig und erfahren beraten, wie Sie weiter vorgehen sollten. Er kann auch den Erfolg und die Höhe einer Schmerzensgeldforderung kompetent einschätzen.

Schönheits-OP fehlgeschlagen: Welche Ansprüche haben betroffene Patienten?


Patienten, bei denen bei einer Schönheitsoperation ein Behandlungsfehler unterlaufen ist, haben einen Anspruch auf Schadensersatz und Schmerzensgeld gegenüber dem behandelnden Arzt. Dieser Anspruch beinhaltet auch weiterführende Kosten, die aufgrund der missglückten Operation entstanden sind. Dazu gehören Fahrtkosten, weitere Behandlungskosten, Medikamente oder Verdienstausfall. Die Höhe der Schadensersatz- und Schmerzensgeldforderung hängt vom Ausmaß des verursachten Schadens ab und muss individuell ermittelt werden. Das Oberlandesgericht Düsseldorf (Aktenzeichen 8 U 18/02) sprach einer Patientin 4.000 Euro Schmerzensgeld wegen Deformationen nach einer Fettabsaugung zu.

Neben den Ansprüchen auf Schmerzensgeld und Schadensersatz können Betroffene nach einer misslungenen Schönheitsoperation auch Versorgungsleistungen nach dem Opferentschädigungsgesetz beanspruchen. Dies stellt das Bundessozialgericht (Aktenzeichen B 9 VG 1/09 R) im Fall einer Patientin klar, die nach einer Fettabsaugung gesundheitliche Probleme bekam. Laut Gericht gilt die Frau als Gewaltopfer, weil ein als vorsätzliche Körperverletzung strafbarer ärztlicher Eingriff in keiner Weise dem Wohle des Patienten dient.


erstmals veröffentlicht am 23.10.2020, letzte Aktualisierung am 19.08.2021

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