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Kategorie: Anwalt Versicherungsrecht , 16.05.2013

Reitunfall: Wann haftet die Reitschule?

Reiten ist ein beliebter, aber nicht ungefährlicher Sport. Reitunfälle können für den Reiter gravierende gesundheitliche Folgen haben, die ihn unter Umständen ein Leben lang beeinträchtigen. Wer am Ende vom Lied für den Reitunfall haftet, muss dann oft vor Gericht entschieden werden.

Reiten ist ein beliebter, aber nicht ungefährlicher Sport. Reitunfälle können für den Reiter gravierende gesundheitliche Folgen haben, die ihn unter Umständen ein Leben lang beeinträchtigen. Wer am Ende vom Lied für den Reitunfall haftet, muss dann oft vor Gericht entschieden werden.

Die Inhaberin einer Reitschule haftet jedenfalls nicht für den Unfall einer fünfjährigen Reitschülerin, die in einer Reitstunde vom Pony gerutscht ist. Das hat das Oberlandesgericht Hamm (Aktenzeichen 12 U 130/12) aktuell entschieden. Im zugrundeliegenden Fall war das fünfjährige Mädchen Teilnehmerin einer Reitstunde in einer Reitschule. Während des Unterrichts führte eine Aushilfe der Reitschule ein Pony, bei dem eine Decke mit Haltegriff aufgelegt war, mit einer ein bis zwei Meter langen Longe im Kreis. Die Kinder ritten auf dem Pony und sollten auf Kommando frei sitzend kurz in die Hände klatschen. Bei dieser Übung verlor das Mädchen das Gleichgewicht und rutschte vom Pony. Es zog sich schwere Verletzungen zu und verlangte dafür von der Inhaberin der Reitschule Schmerzensgeld. Diese habe ihre Aufsichtspflicht verletzt. Nein, entschied das Oberlandesgericht Hamm. Die Inhaberin habe eine Aushilfe für die Reitstunde ausgewählt, die ihrem Alter, Kenntnissen und Fähigkeiten die Reitstunde sachgerecht durchführen konnte. Ein Fehlverhalten der Aushilfe sei nicht festzustellen. Auch haben sich die Gruppengröße und die Dauer des Reitunterrichts nicht auf das Unfallgeschehen ausgewirkt. Das fünfjährige Mädchen habe auch vorher schon mal auf einem Pferd gesessen und Erfahrung im reiten gehabt. Sie habe vorgegeben schon im Trab und Galopp geritten zu sein. Während der Reitstunde habe sie auch gut mit machen können und es sei nicht zu erwarten gewesen, dass sie die Gleichgewichtsübung am Ende der Reitstunde nicht schaffen würde. Das Kind sei plötzlich und ohne Vorwarnung vom Pony gerutscht. Die Aushilfe habe noch versucht, den Sturz der Reiterin abzufangen. Dass sie dies nicht geschafft habe, ist ihr nicht anzukreiden, so die Hammer Richter.

Auch im Rahmen von Reiterferien haftet eine Reitschule nicht für jeden Schaden, den die reitenden Kinder im Verlauf ihrer Reiterferien erleiden. Dies entschied das Oberlandesgericht Oldenburg (Aktenzeichen15 U 47/03) im Fall eines dreizehnjähriges Mädchens, das im Rahmen eines „freien“ unbeaufsichtigten Reitens von einem ansonsten gutmütigen Pony gestürzt war. Das Mädchen hatte sich beim Sturz vom Pony lebensgefährliche Verletzungen zu gezogen. Die Oldenburger Richter lehnte eine Schadensersatzklage des Mädchens jedoch ab. Sie begründeten das damit, dass der Sturz des Mädchens auch mit einer Aufsicht nicht zu verhindern gewesen wäre. Es handele sich dabei um allgemeines Lebensrisiko.



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