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Reiserecht , 12.09.2017

Sturz auf dem Volksfest – Wer haftet?

Sturz auf dem Volksfest – Wer haftet? © gornist - Fotolia

Ob auf der Kirmes, dem Feuerwehrfest oder dem Oktoberfest: Auf Volksfesten geht es hoch her und unter Alkoholeinfluss kommt es dann schnell mal zu einem Sturz von der Bierbank oder in die sog. Pinkelrinne. Die Frage der Haftung für Unfälle auf Volksfesten hat daher auch schon einige Gerichte beschäftigt.

Sturz von Bierbank auf dem Cannstatter Wasen – kein Schmerzensgeld!


Beim Feiern auf dem Cannstatter Wasen stürzte eine Besucherin beim Tanzen von einer Bierbank und verletzte sich am Knie. Ihrer Meinung nach war ein Schlag in ihren Rücken von ihrem Banknachbar ursächlich für ihren Sturz. Der gab an beim Tanzen von der Bierbank gezogen worden zu sein. Dabei habe er sein Gleichgewicht verloren, wie auch seine Banknachbarin, die dann ebenfalls von der Bank gefallen sei. Das Oberlandesgericht Stuttgart (Aktenzeichen 13 U 165/16) wies die Klage der gestürzten Frau auf Schmerzensgeld ab. Auf einem Volksfest werde üblicherweise auf Bänken getanzt. Dass diese wackelig waren und die Möglichkeit eines Sturzes bestand, war für die Frau von Anfang ersichtlich. Dem Banknachbar sei kein beherrschbares Verhalten nachzuweisen, für das er haften müsse.

Kein Schmerzensgeld beim Sturz von Bierbank auf dem Oktoberfest in Münster


Auch im Fall einer Besucherin des Münsteraner Oktoberfestes, die sich bei einem Sturz von einer wackeligen Bierbank im Festzelt verletzte, entschied das Oberlandesgericht Hamm (Aktenzeichen 9 U 142/14), dass der Frau kein Schmerzensgeld zu steht. Das Gericht stellte klar, dass sich die Frau mit dem Besteigen einer wackeligen Bierbank bewusst selbst gefährdet habe. Für die Folgen sei auch nur sie verantwortlich. In dem Sturz von der Bierbank habe sich eine für alle erkennbare Gefahr verwirklicht, so die Hammer Richter.

Kein Unfallversicherungsschutz bei Trunkenheitssturz nach Feuerwehrwettkampf


Ein Feuerwehrmann, der nach einem Wettkampf mit einer Blutalkoholkonzentration von 3,0 Promille in einer sog. Pinkelrinne (provisorische Toilettenanlage) zu Fall kam und sich seinen Unterschenkel brach, kann keine Leistungen der gesetzlichen Unfallversicherung in Anspruch nehmen. Dies hat das Landessozialgericht Niedersachsen-Bremen ( Aktenzeichen L 16/3 U 186/13) entschieden und den Feuerwehrmann darauf aufmerksam gemacht, dass es sich bei dem Feuerwehrwettkampf nur bis zur Siegerehrung um eine Betriebsveranstaltung gehandelt hat. Der spätere Gang zur Toilette sei zwar nach allgemeiner Rechtsprechung unfallversichert, nicht aber die Notdurft selbst. Mit dem Durchschreiten der Toilettentür ende der Versicherungsschutz.


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