Sturz auf dem Volksfest: Haftet der Veranstalter?
Bedienung trägt Maßkrüge auf dem Oktoberfest © freepik - mko
Ob Kirmes, Feuerwehrfest oder Schützenfest: Wo viele Menschen zusammenkommen, kann es schnell zu einem Sturz oder anderen Unfall kommen. Doch wer haftet, wenn sich ein Besucher etwa an einer Bierbank, einer Treppe oder einer Rampe zum Festzelt verletzt – der Veranstalter oder der Besucher selbst?
- Erhält ein Besucher eines Volksfestes Schadensersatz nach einem Sturz auf der Rampe des Festzelts?
- Wer haftet auf einem Volksfest für den Sturz von der Bierbank?
- Sturz auf Volksfest vom Fahrgeschäft – Wer haftet?
- Ist der Sturz eines Feuerwehrmannes auf einem Volksfest ein Fall für die gesetzliche Unfallversicherung?
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Erhält ein Besucher eines Volksfestes Schadensersatz nach einem Sturz auf der Rampe des Festzelts?
Ein Besucher eines Volksfests, der auf einer regennassen Rampe zum Festzelt ausrutschte und sich dabei verletzte, hat keinen Anspruch auf Schadensersatz oder Schmerzensgeld, entschied das Oberlandesgericht (OLG) Hamm (Az. 9 U 149/17).
Geklagt hatte ein Mann, der auf einem Schützenfest auf einer nassen Aluminiumrampe zum Festzelt ausgerutscht war und sich dabei seinen Fuß gebrachen hatte. Der Mann verlangte vom Veranstalter des Volksfests Schadensersatz und Schmerzensgeld, da dieser angeblich seiner Verkehrssicherungspflicht nicht nachgekommen sei.
Zu Unrecht, entschied das OLG Hamm. Die Aluminiumrampe war aus einem Riffelblech angefertigt, bei dem jeder weiß, dass sich auf dieser Art von Untergrund leicht Wasser absetzen kann und damit eine Rutschgefahr entsteht. Der Festzeltbesucher hätte dies erkennen können und langsam und vorsichtig über die Rampe gehen müssen. Der Veranstalter des Volksfests sei nicht zu weiteren Sicherungsmaßnahmen verpflichtet gewesen, so die Hammer Richter.
Wer haftet auf einem Volksfest für den Sturz von der Bierbank?
Wenn die Stimmung auf dem Volksfest kocht, stehen viele Besucher tanzend und schunkelnd auf den Bierbänken. Doch wer haftet, wenn es zu einem Sturz von der Bierbank kommt?
Im Fall einer Besucherin des Münsteraner Oktoberfestes, die sich bei einem Sturz von einer wackeligen Bierbank im Festzelt verletzte, entschied das OLG Hamm (Az. 9 U 142/14), dass die Frau kein Schmerzensgeld vom Veranstalter verlangen kann. In dem Sturz von der Bierbank hat sich laut Gericht eine für alle Besucher des Volksfests erkennbare Gefahr verwirklicht. Die Frau habe sich mit dem Besteigen der wackeligen Bierbank bewusst selbst gefährdet. Für die Folgen sei daher auch nur sie verantwortlich.
In einem anderen Fall stürzte beim Feiern auf dem Cannstatter Wasen eine Besucherin beim Tanzen von einer Bierbank und verletzte sich am Knie. Ihrer Meinung nach war ein Schlag in ihren Rücken von ihrem Banknachbar ursächlich für ihren Sturz. Der gab an beim Tanzen von der Bierbank gezogen worden zu sein. Dabei habe er sein Gleichgewicht verloren, wie auch seine Banknachbarin, die es dann ebenfalls von der Bank gerissen habe. Das OLG Stuttgart (Az. 13 U 165/16) wies die Klage der gestürzten Frau auf Schmerzensgeld ab. Auf einem Volksfest werde üblicherweise auf Bänken getanzt. Dass diese wackelig waren und die Möglichkeit eines Sturzes bestand, war für die Frau von Anfang ersichtlich. Dem Banknachbar sei kein beherrschbares Verhalten nachzuweisen, für das er haften müsse.
Ein Mann, der von einer Bierbank fiel, nachdem seine Sitznachbarin aufstand, hat laut AG München (Az. 159 C 18386/21) keinen Anspruch auf Schmerzensgeld gegenüber dem Veranstalter, da offensichtlich keine Verkehrssicherungspflichtverletzung vorlag. Die Bierbänke waren geordnet und sicher aufgestellt worden und es war keine Gefährdung der Standsicherheit zu vermuten.
Sturz auf Volksfest vom Fahrgeschäft – Wer haftet?
Wer in einem Fahrgeschäft trotz eindeutiger Warnhinweise die Arme nach oben streckt und sich dabei verletzt, kann nicht ohne Weiteres den Betreiber verantwortlich machen. Das hat das Amtsgericht München entschieden und die Schmerzensgeldklage eines Oktoberfest-Besuchers abgewiesen (Az. 172 C 1019/26).
Der Mann war während des Oktoberfests 2025 gemeinsam mit seiner Frau und Freunden mit einem Fahrgeschäft gefahren. Während der Fahrt hob er – wie nach seiner Darstellung auch andere Fahrgäste – die Arme über den Kopf. Dabei stieß er mit der rechten Hand gegen einen Stahlträger und zog sich einen Bruch des Handgelenks zu. Von der Betreiberin verlangte er daraufhin 10.000 Euro Schmerzensgeld. Seiner Ansicht nach waren die vorhandenen Warnhinweise nicht eindeutig genug. Die Schilder hätten lediglich davor gewarnt, sich hinauszulehnen oder die Arme aus dem Fahrgeschäft herauszustrecken. Ein ausdrückliches Verbot, die Arme über den Kopf zu heben, habe es dagegen nicht gegeben.
Das Amtsgericht München folgte dieser Argumentation nicht. Nach Auffassung des Gerichts hatte die Betreiberin ihre Verkehrssicherungspflichten erfüllt. Das Fahrgeschäft war kurz vor dem Unfall technisch überprüft worden und befand sich nach den Aussagen sachverständiger Zeugen sowohl elektrisch als auch baulich in ordnungsgemäßem Zustand. Zudem waren an mehreren Stellen Warnschilder angebracht. Auch die Hinweise selbst hielt das Gericht für ausreichend. Für Fahrgäste sei klar erkennbar gewesen, dass das Herausstrecken der Hände und Arme während der Fahrt insgesamt untersagt war. Eine zusätzliche Warnung speziell vor dem Hochreißen der Arme sei daher nicht erforderlich gewesen. Dass Fahrgäste bei solchen Fahrgeschäften möglicherweise häufig die Hände in die Luft nehmen, ändere daran nichts. Mangels Pflichtverletzung der Betreiberin bestand deshalb kein Anspruch auf Schmerzensgeld.
Ist der Sturz eines Feuerwehrmannes auf einem Volksfest ein Fall für die gesetzliche Unfallversicherung?
Ein Feuerwehrmann, der nach einem Wettkampf mit einer Blutalkoholkonzentration von 3,0 Promille in einer sog. Pinkelrinne (provisorische Toilettenanlage) zu Fall kam und sich seinen Unterschenkel brach, kann keine Leistungen der gesetzlichen Unfallversicherung in Anspruch nehmen. Dies hat das Landessozialgericht (LSG) Niedersachsen-Bremen (Az. L 16/3 U 186/13) entschieden und den Feuerwehrmann darauf aufmerksam gemacht, dass es sich bei dem Feuerwehrwettkampf nur bis zur Siegerehrung um eine Betriebsveranstaltung gehandelt hat. Der spätere Gang zur Toilette sei zwar nach allgemeiner Rechtsprechung unfallversichert, nicht aber die Notdurft selbst. Mit dem Durchschreiten der Toilettentür ende der Versicherungsschutz.
erstmals veröffentlicht am 23.05.2018, letzte Aktualisierung am 28.09.2026
Erstellt von: Kerstin Rügge, Rechtsanwältin (Redaktion anwaltssuche.de)
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