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Kategorie: Anwalt Strafrecht , 25.04.2019 (Lesedauer ca. 2 Minuten, 1938 mal gelesen)

Verbreitung von Sex-Videos oder Nacktfotos über Facebook & Co. –Geldentschädigung für Opfer!

Verbreitung von Sex-Videos oder Nacktfotos über Facebook & Co. –Geldentschädigung für Opfer! © CC0 - Daniel Nanescu - splitshire.com

Wer im Internet über soziale Plattformen wie Facebook und Co. unerlaubte Nacktbilder oder Sex-Videos verbreitet oder droht zu verbreiten, hat mit empfindlichen strafrechtlichen Konsequenzen zu rechnen. Das zeigt ein aktuelles Urteil des Oberlandesgerichts Hamm.

Drohung mit Online-Veröffentlichung von Nacktbildern – Straftatbestand der versuchten Nötigung!


Ein 19-jährige Schülerin schickte einem 30-jähriger Mann Nacktbilder über Facebook. Dieser droht ihr daraufhin die Nacktbilder bei Facebook zu veröffentlichen und in ihrer Schule aufzuhängen, wenn die Schülerin nicht bestimmte von ihm erwünschte sexuelle Handlungen vornehmen würde. Die Schülerin fühlte sich massiv unter Druck gesetzt und entschloss sich eine Anzeige bei der Polizei zu erstatten. Bei einer Hausdurchsuchung fand die Polizei noch fünf der übermittelten Nacktbilder bei dem 30-Jährigen.

Nach Auffassung des Oberlandesgerichts Hamm (Aktenzeichen 3 RVs 10/19) hat der Mann den gesetzlichen Straftatbestand der versuchten Nötigung verwirklicht, indem er mit der Veröffentlichung der Nacktbilder drohte. Er habe damit eine Nötigungshandlung bei der Schülerin bezwecken wollen.

Sex-Video online gestellt – 2.000 Euro Entschädigung für Opfer


Ein 21-jähriger Mann hatte über das soziale Internetnetzwerk Facebook eine junge Frau kennengelernt. Die beiden trafen sich daraufhin in einem Hotel und es kam zum Sex. Der Mann machte ohne Wissen seiner Sexualpartnerin während des Geschlechtsverkehrs Fotos und Videoaufnahmen mit seinem Handy. Später verschickte er das Sexvideo an andere Personen und veröffentlichte es im Internet. Nach ungefähr einem Monat kontaktierte der Mann die junge Frau erneut und wollte sich mit ihr treffen. Der Mann drohte der jungen Frau das Sexvideo an deren Vater zu senden, wenn diese nicht noch mal Sex mit ihm habe. Er stellte ihr in Aussicht, dass er das Sexvideo löschen werde, wenn sie noch mal mit ihm Sex haben werde. Die beiden trafen sich, es kam aber nicht zu Geschlechtsverkehr.

Das Amtsgericht München verurteilte den jungen Mann zu einer Jugendstrafe von 1 Jahr und 2 Monaten auf Bewährung. Er hatte mit dem heimlichen Sexvideo den höchstpersönlichen Lebensbereich der jungen Frau verletzt. Zu seinen Lasten fiel insbesondere aus, dass der jungen Frau durch die Verbreitung des Sexvideos über das Internet ganz erhebliche Schwierigkeiten in ihrem Lebensumfeld widerfuhren. Zudem dass der junge Mann das Sexvideo als Druckmittel gegen die Frau einsetzte. Der Mann musste 2.000 Euro Geldentschädigung an die junge Frau zahlen und einen Kurs über richtiges Verhalten im Internet belegen.

Ihre Rechte bei Drohungen über soziale Netzwerke


Nach einem Urteil des Oberlandesgerichts Hamm (Aktenzeichen 2 UF 254/12) können Menschen, die in sozialen Netzwerken, wie beispielsweise Facebook oder whatsapp, von anderen bedroht werden, ein Näherungs- und Kontaktverbot nach dem Gewaltenschutzgesetz erwirken. Im zugrundeliegenden Fall hatte eine Frau über Facebook Beleidigungen und Drohungen gegenüber einer Mutter und ihrem kleinen Sohn ausgesprochen. Sie droht ihnen unter anderem an ihnen aufzulauern und zu töten. Daraufhin wurde ihr von Seiten des Gerichts ein befristetes Näherungs- und Kontaktverbot nach § 1 GewSchG auferlegt. Sie durfte sich Mutter und Kind räumlich nicht näher als 30 Meter nähern und sie auch nicht via Email oder soziale Netzwerke im Internet kontaktieren.
Opfer von sogenanntem Cyber-Mobbing sollten sich die Unterstützung bei einem Fachanwalt für Urheber- und Medienrecht suchen, damit Ihre höchstpersönlichen Rechte wirkungsvoll gewahrt werden.

erstmals veröffentlicht am 25.07.2018, letzte Aktualisierung am 25.04.2019

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