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Kategorie: Anwalt Internetrecht , 16.10.2020 (Lesedauer ca. 3 Minuten, 1985 mal gelesen)

Sex-Videos und Nacktfotos unerlaubt auf Facebook & Co: Was tun?

traurige Frau steht als Opfer und Finger deuten auf sie traurige Frau steht als Opfer und Finger deuten auf sie © freepik - mko

Wer im Internet über soziale Plattformen, wie Facebook und Co., unerlaubte Nacktbilder oder Sex-Videos verbreitet oder damit droht diese zu verbreiten, muss mit empfindlichen strafrechtlichen und finanziellen Konsequenzen rechnen. Welche Rechte und Ansprüche haben die Opfer? Und wie können sie sich wehren?

Nacktaufnahmen ohne Einverständnis – verboten!


Heimliche Nacktaufnahmen oder Sexvideoaufnahmen in geschützten Räumen, wie etwa einer Wohnung, Toilette oder Garten, sind als Verletzung des höchstpersönlichen Lebensbereiches durch Bildaufnahmen verboten. Diese Straftat wird mit einer Geldstrafe oder Freiheitsstrafe von bis zu zwei Jahren bestraft.

Dürfen Nacktbilder oder Sexvideos online gestellt oder an Dritte verschickt werden?


Nacktbilder und Sexvideos dürfen nur mit der Einwilligung des Abgebildeten an Dritte verschickt oder im Internet publiziert werden. Wer Nacktbilder oder Sexvideos ohne das Einverständnis des Fotografierten ins Internet stellt, begeht eine strafbare Persönlichkeitsverletzung, die mit einer Geldstrafe oder Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr geahndet wird. Kommt es zur Online-Verbreitung von Aufnahmen in der Wohnung, kann zusätzlich eine strafbare Verletzung des höchstpersönlichen Lebensbereiches durch Bildaufnahmen hinzukommen, die mit einer Geldstrafe oder Freiheitsstrafe von bis zu zwei Jahren bestraft wird.

Das Amtsgericht München (Aktenzeichen wurde aus Gründen des Opferschutzes nicht bekannt gegeben) verurteilte den jungen Mann, der heimlich während des Geschlechtsverkehrs ein Video von sich und seiner Sexualpartnerin angefertigte, an Dritte verschickte und im Internet veröffentlichte, zu einer Jugendstrafe von 1 Jahr und 2 Monaten auf Bewährung. Laut Gericht hat der junge Mann mit dem heimlichen Sexvideo den höchstpersönlichen Lebensbereich der jungen Frau verletzt. Zu seinen Lasten fiel insbesondere aus, dass der jungen Frau durch die Verbreitung des Sexvideos über das Internet ganz erhebliche Schwierigkeiten in ihrem Lebensumfeld widerfuhren. Der Mann musste 2.000 Euro Geldentschädigung an die junge Frau zahlen und einen Kurs über richtiges Verhalten im Internet belegen.

Drohung mit Online-Veröffentlichung von Nacktbildern ist strafbar!


Wer einem anderen droht Nacktbilder in sozialen Medien zu veröffentlichen oder diese an Dritte zu schicken, macht sich wegen einer versuchten Nötigung strafbar. Dies entschied das Oberlandesgericht Hamm (Aktenzeichen 3 RVs 10/19) im Fall einer 19-jährigen Schülerin, die einem 30-jähriger Mann Nacktbilder über Facebook zu geschickt hatte. Dieser droht ihr daraufhin die Nacktbilder bei Facebook zu veröffentlichen und in ihrer Schule aufzuhängen, wenn die Schülerin nicht bestimmte von ihm erwünschte sexuelle Handlungen vornehmen würde. Die Schülerin fühlte sich massiv unter Druck gesetzt und entschloss zu einer Anzeige bei der Polizei. Bei einer Hausdurchsuchung fand die Polizei noch fünf der übermittelten Nacktbilder bei dem 30-Jährigen. Nach Auffassung des Gerichts hat der Mann den gesetzlichen Straftatbestand der versuchten Nötigung verwirklicht, indem er mit der Veröffentlichung der Nacktbilder drohte. Er beabsichtigte damit eine Nötigungshandlung bei der Schülerin hervorzurufen.

Welche Rechte und Ansprüche haben die Betroffenen?


Opfer einer unfreiwilligen Veröffentlichung von Nacktbildern oder Sexvideos können zum einen eine Löschung der Bilder und Abgabe einer Unterlassungserklärung vom Täter verlangen. Ihnen steht ein Auskunftsanspruch, was mit den Aufnahmen geschehen ist, zu. Darüber hinaus können Betroffene Schmerzensgeld und Geldentschädigung verlangen. Das Landgericht Kiel (Aktenzeichen 4 O 251 /05) hat einer Betroffenen, von der unerlaubt Nacktbilder in einer Tauschbörse angeboten wurden, 25.000 Euro Schmerzensgeld zugesprochen.

Nach einem Urteil des Oberlandesgerichts Hamm (Aktenzeichen 2 UF 254/12) können Menschen, die in sozialen Netzwerken, wie etwa Facebook oder WhatsApp, von anderen bedroht werden, ein Näherungs- und Kontaktverbot nach dem Gewaltenschutzgesetz erwirken.

Wie können sich Betroffene wehren?


Bei einer unerlaubten Veröffentlichung von Nacktbildern oder Sexvideos sollten die Betroffenen umgehend Beweise sichern. Das heißt, am besten einen Screenshot von der Veröffentlichung anfertigen.

Danach empfiehlt sich einen kompetenten Anwalt für Strafrecht zu kontaktieren und mit ihm die weitere Vorgehensweise absprechen. Er kann rechtssicher beurteilen, wann eine Strafanzeige erfolgsversprechend ist, ob zivilrechtlich gegen den Täter vorgegangen werden kann und was jetzt gegenüber den Betreibern der sozialen Medien unternommen werden muss.

erstmals veröffentlicht am 25.07.2018, letzte Aktualisierung am 16.10.2020

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