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Kategorie: Anwalt Strafrecht , 25.07.2018 (Lesedauer ca. 2 Minuten)

Verbreitung von Sex-Videos oder Nacktfotos über Facebook & Co. –Geldentschädigung für Opfer!

Verbreitung von Sex-Videos oder Nacktfotos über Facebook & Co. –Geldentschädigung für Opfer! © CC0 - Daniel Nanescu - splitshire.com

Wer im Internet über soziale Netzwerke wie Facebook und Co. unerlaubte Sex-Videos oder Nacktfotos verbreitet, hat mit empfindlichen strafrechtlichen Konsequenzen und Schadensersatzzahlungen zu rechnen. Das zeigt ein aktuelles Urteil des Oberlandesgerichts Oldenburg.

Verbreitung von Nacktfotos auf Whatsapp – Geldentschädigung!


Wer auf sozialen Netzwerken gegen den Willen der Abgebildeten Nacktfotos verbreitet, muss mit einer Geldentschädigung rechnen, entschied das Oberlandesgericht Oldenburg (Aktenzeichen 13 U 70/17) im Fall einer jungen Frau die Fotos von ihrer Brust und ihrem Genitalbereich an ihren Freund via Whatsapp schickte. Eine Freundin erhielt ebenfalls diese Fotos und leitete sie an einen Freund weiter. Daraufhin klagte die Abgebildete gegen ihre Freundin.

Das Oberlandesgericht Oldenburg verurteilte die Freundin unter Androhung eines Ordnungsgeldes von 250.000 Euro die Weiterverbreitung der Nacktbilder zu unterlassen und gleichzeitig der Abgebildeten 500 Euro Entschädigung zu zahlen. Die Weiterleitung der Nacktfotos ohne Einwilligung verletzte die Intimsphäre der Abgebildeten. Bei der Höhe der Geldentschädigung berücksichtigte das Gericht, dass die Nacktfotos nicht ins Internet gestellt worden seien, sondern nur über Whatsapp verbreitet wurden.

Verbreitung pornographischer Aufnahmen bei Facebook – Bewährungsstrafe!


In einem anderen Fall hatte ein 21 jähriger Mann über das soziale Internetnetzwerk Facebook eine junge Frau kennengelernt. Die beiden trafen sich daraufhin in einem Hotel und es kam zum Sex. Der Mann machte ohne Wissen seiner Sexualpartnerin während des Geschlechtsverkehrs Fotos und Videoaufnahmen mit seinem Handy. Später verschickte er das Sexvideo an andere Personen und veröffentlichte es im Internet. Nach ungefähr einem Monat kontaktierte der Mann die junge Frau erneut und wollte sich mit ihr treffen. Der Mann drohte der jungen Frau das Sexvideo an deren Vater zu senden, wenn diese nicht noch mal Sex mit ihm habe. Er stellte ihr in Aussicht, dass er das Sexvideo löschen werde, wenn sie noch mal mit ihm Sex haben werde. Die beiden trafen sich, es kam aber nicht zu Geschlechtsverkehr.

Das Amtsgericht München verurteilte den jungen Mann zu einer Jugendstrafe von 1 Jahr und 2 Monaten auf Bewährung. Er hatte mit dem heimlichen Sexvideo den höchstpersönlichen Lebensbereich der jungen Frau verletzt. Zu seinen Lasten fiel insbesondere aus, dass der jungen Frau durch die Verbreitung des Sexvideos über das Internet ganz erhebliche Schwierigkeiten in ihrem Lebensumfeld widerfuhren. Zudem dass der junge Mann das Sexvideo als Druckmittel gegen die Frau einsetzte. Der Mann musste 2.000 Euro Geldentschädigung an die junge Frau zahlen und einen Kurs über richtiges Verhalten im Internet belegen.

Ihre Rechte bei Drohungen über soziale Netzwerke


Nach einem Urteil des Oberlandesgerichts Hamm (Aktenzeichen 2 UF 254/12) können Menschen, die in sozialen Netzwerken, wie beispielsweise Facebook oder Whatsapp, von anderen bedroht werden, ein Näherungs- und Kontaktverbot nach dem Gewaltenschutzgesetz erwirken. Im zugrundeliegenden Fall hatte eine Frau über Facebook Beleidigungen und Drohungen gegenüber einer Mutter und ihrem kleinen Sohn ausgesprochen. Sie droht ihnen unter anderem an ihnen aufzulauern und zu töten. Daraufhin wurde ihr von Seiten des Gerichts ein befristetes Näherungs- und Kontaktverbot nach § 1 GewSchG auferlegt. Sie durfte sich Mutter und Kind räumlich nicht näher als 30 Meter nähern und sie auch nicht via Email oder soziale Netzwerke im Internet kontaktieren.
Opfer von sogenannten Cyber-Mobbing sollten sich die Unterstützung bei einem Fachanwalt für Urheber- und Medienrecht suchen, damit ihre höchstpersönlichen Rechte wirkungsvoll gewahrt werden.

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