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Kategorie: Anwalt Arbeitsrecht , 13.06.2024 (Lesedauer ca. 3 Minuten, 220 mal gelesen)

Was müssen Arbeitnehmer zur Teilzeit wissen?

Was müssen Arbeitnehmer zur Teilzeit wissen? © hati - Fotolia

Immer mehr Menschen möchten ihre Arbeitszeit reduzieren, um mehr Zeit für Familie, Hobbys oder Weiterbildung zu haben. Doch welche Vor- und Nachteile hat Teilzeitarbeit? Haben Arbeitnehmer einen rechtlichen Anspruch auf Teilzeit? Kann der Arbeitgeber Teilzeit ablehnen? Was ändert sich aufgrund von Teilzeit bei Lohn und Sozialabgaben? Welchen Urlaubsanspruch haben Arbeitnehmer bei Teilzeit? Und geht eine Rückkehr von Teilzeit zu Vollzeit?

Welche Vorteile und Nachteile hat Teilzeitarbeit?


Wer weniger arbeitet, hat mehr Freizeit. Das ist ein ganz entscheidender Vorteil bei der Teilzeitarbeit. Aber nicht nur für eine ausgeglichene Work-Life-Balance spricht das Teilzeitmodell, insbesondere für Familien kann Teilzeitarbeit im Hinblick auf die Kindererziehung und den Haushalt eine gute Option sein.

Wer weniger arbeitet, verdient auch weniger. Das ist wiederum ein großer Nachteil bei der Teilzeitarbeit. Damit einhergehend sinken auch die Ansprüche auf Arbeitslosengeld und die Rente. Das sollte gut überlegt sein, bevor man sich für die Teilzeitarbeit entscheidet.

Haben Arbeitnehmer einen rechtlichen Anspruch auf Teilzeit?


In Deutschland haben Arbeitnehmer nach dem Teilzeit- und Befristungsgesetz (TzBfG) einen rechtlichen Anspruch auf Teilzeit. Voraussetzung ist, dass das Arbeitsverhältnis länger als sechs Monate besteht und der Arbeitgeber mehr als 15 Mitarbeiter beschäftigt. Auszubildende werden an dieser Stelle nicht mitgezählt. Der Antrag auf Teilzeit muss mindestens drei Monate vor dem gewünschten Beginn schriftlich gestellt werden.

Wie viel Stunden muss man mindestens bei Teilzeit arbeiten?


Es gibt keine festgelegte Stundenzahl wie viel ein Beschäftigter in Teilzeit arbeiten muss. Die zu leistende Arbeitszeit muss nur mit dem Arbeitgeber vereinbart im Arbeitsvertrag schriftlich festgelegt werden.

Wie können Arbeitnehmer Teilzeit beantragen?


Arbeitnehmer, die ihren Vollzeit-Job auf Teilzeit reduzieren wollen, müssen mindestens drei Monate vor dem gewünschten Beginn der Teilzeitarbeit dies bei ihrem Arbeitgeber beantragen. Dieser Antrag muss nicht zwingend schriftlich sein, aus Beweisgründen empfiehlt sich dies aber.

Im Antrag sollte stehen, in welchem Umfang die Arbeitszeit reduziert werden soll – also wie viel Stunden der Arbeitnehmer zukünftig in der Woche arbeiten möchte – und wie diese Arbeitszeit aufgeteilt werden soll. Gibt der Arbeitnehmer keine Arbeitszeitaufteilung an, kann der Arbeitgeber aufgrund seines Weisungsrechts dies nach eigenem Ermessen vornehmen.

Kann der Arbeitgeber Teilzeit ablehnen?


Der Arbeitgeber kann den Teilzeitantrag nur aus betrieblichen Gründen ablehnen. Dazu zählen erhebliche Beeinträchtigungen der Betriebsabläufe, der Sicherheit oder unverhältnismäßig hohe Kosten für den Betrieb. Eine Ablehnung muss schriftlich erfolgen und gut begründet sein. Erfolgt keine Reaktion des Arbeitgebers innerhalb eines Monats nach Antragstellung, gilt der Antrag auf Teilzeit als genehmigt.

Werden schon andere Arbeitnehmer in vergleichbaren Bereichen in Teilzeit beschäftigt, kann der Arbeitgeber den Antrag auf Teilzeit in der Regel nicht ablehnen.

Was ändert sich aufgrund von Teilzeit bei Lohn und Sozialabgaben ?


Das Gehalt reduziert sich bei Teilzeitarbeit entsprechend der reduzierten Arbeitszeit. Dies hat auch Auswirkungen auf die Sozialversicherungsbeiträge, die ebenfalls anteilig berechnet werden. Dennoch bleibt der Versicherungsschutz in der gesetzlichen Kranken-, Renten-, Arbeitslosen- und Pflegeversicherung auch bei Teilzeit bestehen.

Welchen Urlaubsanspruch haben Arbeitnehmer bei Teilzeit ?


Der Urlaubsanspruch eines Arbeitnehmers richtet sich nach der vereinbarten Teilzeitarbeit. Arbeitnehmer haben pro Jahr mindestens vier Wochen Urlaub, unabhängig von der Anzahl der wöchentlichen Arbeitstage. Bei einer Reduzierung der Arbeitstage reduziert sich die Anzahl der Urlaubstage entsprechend.

Was gilt bei Teilzeit und Elternzeit?


Eltern haben während der Elternzeit einen besonderen Anspruch auf Teilzeitarbeit. Sie können ihre Arbeitszeit auf 15 bis 30 Stunden pro Woche reduzieren. Der Antrag muss spätestens sieben Wochen vor Beginn der Teilzeitarbeit gestellt werden. Nach der Elternzeit besteht grundsätzlich ein Anspruch auf Rückkehr zur vorherigen Arbeitszeit.

Was versteht man unter Altersteilzeit?


In einigen Unternehmen können ältere Arbeitnehmer Altersteilzeit in Anspruch nehmen, um den Übergang in den Ruhestand zu erleichtern. Dafür gibt es verschiedene Modelle. On der Regel wird die Arbeitszeit halbiert. Die Altersteilzeit kann frühestens ab dem 55. Lebensjahr in Anspruch genommen werden und bedarf einer Vereinbarung mit dem Arbeitgeber.

Geht eine Rückkehr von Teilzeit zu Vollzeit?


Arbeitnehmer haben keinen gesetzlichen Anspruch auf eine Rückkehr von Teilzeit- zur Vollzeitarbeit. Es empfiehlt sich, dies bereits bei der Vereinbarung der Teilzeitregelung mit dem Arbeitgeber zu besprechen und eine entsprechende Regelung schriftlich festzuhalten.

Aber: Unter bestimmten Voraussetzungen können Arbeitnehmer nach ihrer Teilzeit wieder Vollzeit arbeiten. Dafür wurde Anfang 2019 die sog. Brückenteilzeit eingeführt. Unter der sog. Brückenteilzeit versteht man eine zeitlich begrenzte Teilzeitarbeit, nach der der Arbeitnehmer wieder zurück in die Vollzeitarbeit kehrt. Die Arbeitszeit kann in einem Zeitrahmen von ein bis fünf Jahren verringert werden. Voraussetzung für die so. Brückenteilzeit ist, dass das Beschäftigungsverhältnis mehr als sechs Monate besteht und im Unternehmen mehr als 45 Beschäftigte arbeiten.

erstmals veröffentlicht am 11.10.2022, letzte Aktualisierung am 13.06.2024

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