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Kategorie: Anwalt Verkehrsrecht , 24.09.2021 (Lesedauer ca. 3 Minuten, 1050 mal gelesen)

Nebel – Was müssen Autofahrer beachten?

Lastwagen fahren auf einer nebeligen Straße Lastwagen fahren auf einer nebeligen Straße © freepik - mko

Nebel behindert oft überraschend die Sicht von Autofahrern und wird so schnell zum Unfallrisiko im Straßenverkehr. Fernlicht, Nebelscheinwerfer, Nebelschlussleuchte: Welches Licht ist jetzt das Richtige? Wann darf man nicht mit Nebelscheinwerfern fahren? Wie schnell darf man bei Nebel und schlechter Sicht fahren? Und wieviel Abstand muss man zum Vordermann einhalten?

Fernlicht, Nebelscheinwerfer, Nebelschlussleuchte: Welches Licht muss man bei Nebel einschalten?


Nebel schränkt die Sicht für den Autofahrer erheblich ein. Aus diesem Grund muss ein Autofahrer laut Straßenverkehrsordnung bei einer Sichtbehinderung durch Nebel auch am Tag mit Abblendlicht fahren. Das Tagfahrlicht reicht für gute Sichtverhältnisse nicht aus. Das Fernlicht sollten Autofahrer möglichst nicht benutzen, da es durch den Nebel zu Reflektionen kommt, die die Sicht eher verschlechtern, statt sie zu verbessern.

Bessere Sicht erhalten Autofahrer mit dem Abblendlicht. Das Abblendlicht schaltet sich nicht automatisch ein, da Lichtsensoren Nebel nicht erkennen. Es muss vom Autofahrer immer dann eingeschaltet werden, wenn innerhalb einer Ortschaft die Sichtweite unter 60 Meter liegt. Auf Autobahnen muss das Abblendlicht eingeschaltet werden, wenn die Sichtweite weniger als 150 Meter beträgt, und bei allen anderen Straßen bei einer Sichtweite von weniger als 100 Metern.

Nebelscheinwerfer dürfen eingeschaltet werden, wenn die Sicht des Autofahrers u.a. durch Nebel stark beeinträchtigt ist. Sie können zusammen mit dem Abblendlicht oder alleine benutzt werden. Sobald sich die Sichtverhältnisse verbessern, muss der Nebelscheinwerfer wegen der Gefahr der Blendung anderer Verkehrsteilnehmer sofort wieder ausgeschaltet werden. Ansonsten riskiert der Autofahrer ein Bußgeld.

Es gibt keine Pflicht die Nebelschlussleuchte im Straßenverkehr bei schlechter Sicht einzuschalten. Sie darf nur eingeschaltet werden, wenn die Sichtweite des Autofahrers 50 m oder weniger beträgt, das gilt auch in geschlossenen Ortschaften. Als Orientierung dienen die Leitpfosten am Straßenrand von Landstraßen und Autobahnen, die genau 50 Meter Abstand haben. Die Geschwindigkeit muss auf maximal 50km/h verringert werden. Auch die Nebelschlussleuchte muss ausgeschaltet werden, wenn sich die Sicht verbessert, ansonsten droht ein Bußgeld zwischen 20 und 35 Euro.

Fahren ohne Licht bei schlechter Sicht – welche Strafe droht?


Autofahrer, die ohne Licht fahren oder nicht rechtzeitig abblenden, riskieren ein Bußgeld zwischen 20 Euro. Werden andere Verkehrsteilnehmer dadurch gefährdet, steigt das Bußgeld auf 25 Euro. Kommt es zu einer Sachbeschädigung, sind 35 Euro fällig.

Autofahrer, die trotz Sichtbehinderungen am Tag, wie etwa durch Nebel oder starken Regen, kein Abblendlicht benutzen, riskieren innerorts ein Bußgeld von 25 Euro und außerorts von 60 Euro.

Welche Geschwindigkeit ist bei Nebel erlaubt?


Autofahrer müssen laut Straßenverkehrsordnung ihre Geschwindigkeit den Sichtverhältnissen anpassen. Bei Nebel ist die Geschwindigkeit daher zu drosseln. Die Straßenverkehrsordnung regelt, dass bei einer Sichtweite von weniger als 50 Meter ein Autofahrer nicht schneller als 50 km/h fahren darf – das gilt auch auf Autobahnen! Grundsätzlich muss ein Autofahrer die Geschwindigkeit seines Fahrzeugs so anpassen, dass er in der für ihn einsehbaren Strecke jederzeit anhalten kann. Hält sich ein Autofahrer nicht an die Geschwindigkeitsbegrenzung, droht ihm je nach Höhe des Geschwindigkeitsverstoßes ein Bußgeld, ein Fahrverbot sowie Punkte im Verkehrszentralregister in Flensburg.

Unter Umständen müssen Autofahrer, die sich im Nebel einer Kreuzung nähern, ihre Geschwindigkeit auch unter 50 km/h drosseln. Dies entschied das Oberlandesgericht Schleswig (Aktenzeichen 7 U 153/03) im Fall eines Traktorfahrers, der bei aufziehendem Nebel mit ungefähr 70 km/h in eine Kreuzung fuhr und dabei einen von rechtskommenden, vorfahrtsberechtigten Autofahrer, der leicht zu schnell fuhr, übersah. Nach Auffassung des Gerichts ist bei nebelbedingt schlechten Witterungsverhältnissen eine Geschwindigkeit von 70 km/h im Kreuzungsbereich zu hoch. Der Verkehrsteilnehmer müsse in dieser Situation damit rechnen, dass er für andere Verkehrsteilnehmer schlecht erkennbar sei. Beide Fahrzeugführer verhielten sich damit verkehrswidrig und mussten im Verhältnis 75 Prozent zu 25 Prozent für die Unfallfolgen aufkommen.

Wieviel Abstand muss man bei schlechter Sicht zum Vordermann einhalten?


Bei Nebel und schlechten Sichtverhältnissen ab Sichtweiten 50 Meter oder weniger muss der Autofahrer einen Abstand zum Vordermann von mindestens 25 Meter einhalten. Um den Abstand einschätzen zu können, empfiehlt es sich an den Leitpfosten am rechten Fahrbandrand zu orientieren. Sie sind in einem Abstand von 50 Meter angebracht.

erstmals veröffentlicht am 02.05.2013, letzte Aktualisierung am 24.09.2021

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