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Kategorie: Anwalt Arbeitsrecht , 07.01.2021 (Lesedauer ca. 2 Minuten, 934 mal gelesen)

Schnee und Eis: Welche Konsequenzen drohen verspäteten Arbeitnehmern?

Schnee und Eis: Welche Konsequenzen drohen verspäteten Arbeitnehmern? © mko - topopt

Im Winter führen Schneefall und Glätte schnell zu einem Verkehrschaos auf den Straßen und auch im Schienenverkehr. Viele Arbeitnehmer schaffen es dann oft nicht pünktlich am Arbeitsplatz zu erscheinen. Mit welchen Konsequenzen müssen verspätete Arbeitnehmer rechnen, wenn sie witterungsbedingt zu spät am Arbeitsplatz erscheinen?

Arbeitnehmer trägt Wegerisiko


Jeder Arbeitnehmer ist dafür verantwortlich, dass er pünktlich bei seiner Arbeitsstätte ankommt. Er trägt das sog. Wegerisiko. Die Verspätung auf dem Arbeitsweg muss allerdings 24 Stunden vor Antritt der Fahrt zur Arbeitsstätte vorhersehbar gewesen sein.
Es gibt nur eine gesetzliche Ausnahme von diesem Wegerisiko: Wenn der Arbeitnehmer durch einen in seiner Person liegenden Grund ohne sein Verschulden nicht rechtzeitig am Arbeitsplatz erscheint. Das kann ein persönlicher Unglücksfall, wie ein Wohnungsbrand oder Verkehrsunfall sein, oder auch eine Krankheit. Schnee und Glätte sind eine höhere Gewalt, die keinen persönlichen Grund darstellen, entschied das Bundesarbeitsgericht (Aktenzeichen 5 AZR 283/80).

Im Winter müssen Arbeitnehmer nämlich damit rechnen, dass Straßen morgens glatt sind und Züge oder Flugzeuge möglicherweise aufgrund von heftigem Schneefall oder Eis nicht fahren, beziehungsweise nicht fliegen. Dem Arbeitnehmer ist es in diesen Fällen zu zumuten entsprechend früh das Haus zu verlassen und seinen Weg zur Arbeit so zeitig aufzunehmen, um Verspätungen zu vermeiden. Wenn Bus und Bahn ausfallen und die Strecke zur Arbeit auch nicht mit dem Auto zurückgelegt werden kann, ist es dem Arbeitnehmer zu zumuten ein Taxi zu nehmen.

Chef zügig über Verspätung informieren


Fahren Züge oder fliegen die Flugzeuge witterungsbedingt nicht mehr, dann sollte der Arbeitnehmer seinen Chef umgehend über seine voraussichtliche Verspätung informieren. Das gleiche gilt, wenn er mit seinem Auto auf nicht absehbare Zeit in einem Stau steht.

Wichtig: Arbeitnehmer erhält für ausgefallene Arbeitszeit keinen Lohn!


Für die ausgefallene Arbeitszeit hat der Arbeitnehmer keinen Anspruch auf Lohnfortzahlung. Dies stellt auch das Bundesarbeitsgericht (Aktenzeichen 5 AZR 283/80) im Fall eines Handwerkers, der aufgrund heftigen Schneefalls, Schneeverwehungen und teilweise gesperrten Straßen an drei aufeinanderfolgenden Tagen zu spät im Betrieb erschien. Der Arbeitgeber bot ihm an, die ausgefallene Zeit nach zu arbeiten oder als Urlaub zu nehmen. Dies lehnte der Arbeitnehmer ab und klagte auf Lohnzahlung bis zum Bundesarbeitsgericht. Das Bundesarbeitsgericht bestätigte die Auffassung des Arbeitgebers, dass es keine Lohnzahlung für witterungsbedingte Ausfallzeiten gibt. Dem Arbeitnehmer stehe eine Lohnzahlung bis zu einer Dauer von sechs Wochen zu, wenn er durch ein unverschuldetes Unglück an der Verrichtung der Dienste gehindert werde. Ein solcher Fall sei bei Verspätungen wegen Schnee und Eis nicht gegeben, da hier alle Arbeitnehmer gleichermaßen von diesem Ereignis betroffen seien.

Kann Arbeitgeber aufgrund der Verspätung eine Abmahnung aussprechen?


Der Arbeitgeber kann nur einen schuldhaften Vertragsverstoß eines Arbeitnehmers abmahnen. Tritt ein unvorhergesehener Einbruch von Eis und Schnee auf und plant der Arbeitnehmer witterungsbedingt ausreichend Zeit für seinen Arbeitsweg ein, kann der Chef ihn nicht abmahnen. War dem Arbeitnehmer allerdings aufgrund von Wetterberichten bereits 24 Stunden vor Antritt des Arbeitsweges die auf ihn zukommende Witterungslage bekannt, muss er sich darauf einstellen und alles tun, um rechtzeitig am Arbeitsplatz zu erscheinen. Wem hier Verschulden an seiner Verspätung nachgewiesen werden kann, riskiert eine Abmahnung.

Ist eine witterungsbedingte Verspätung ein Kündigungsgrund?


Wer einmalig aufgrund der Witterungsverhältnisse zu spät am Arbeitsplatz erscheint, muss keine Kündigung fürchten. Hat ein Arbeitnehmer allerdings schon einige schuldhafte Vertragsverstöße auf dem Kerbholz, kann die Verspätung der Grund für den Arbeitgeber sein, eine Kündigung des Arbeitsverhältnisses auszusprechen.

erstmals veröffentlicht am 25.01.2013, letzte Aktualisierung am 07.01.2021

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