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Strafrecht , 22.12.2016

Strafrecht: Auch verabredete Schlägereien sind strafbar!

Verabreden sich rivalisierende Jugendgruppen zu einer Schlägerei, riskieren sie einer Verurteilung wegen gemeinschaftlicher Körperverletzung, auch wenn alle mit der Schlägerei einverstanden waren.

Das Landgericht Stuttgart (Aktenzeichen 20 KLs 57 Js 58352/11) hat drei Jugendliche wegen gemeinschaftlicher gefährlicher Körperverletzung zu unterschiedlichen Sanktionen des Jugendstrafrechts verurteilt. Sie hatten die Taten als Mitglieder einer Jugendgruppe begangen, die nach vorangegangenen wechselseitigen Provokationen mit Angehörigen einer weiteren Gruppe Jugendlicher und junger Erwachsener verabredet hatte, sich miteinander zu schlagen. Alle Beteiligten stimmten zu, die Auseinandersetzung auch mit Faustschlägen und Fußtritten auszutragen, selbst wenn damit massive Verletzungen einhergehen. Bei der dann folgenden Schlägerei erlitten mehrere Jugendliche der gegnerischen Gruppe erhebliche Verletzungen, die zum Teil mit einem stationären Krankenhausaufenthalt verbunden waren.

Das Landgericht hat die Angeklagten wegen der von ihnen begangen oder als Mittäter der übrigen Gruppenmitglieder zu verantwortenden Körperverletzungen verurteilt. Die von den später Verletzten aus der gegnerischen Gruppe erteilten Einwilligungen in die Schläge und Tritte hat es nicht als Rechtfertigung zugunsten der Angeklagten gewertet. Nach Auffassung des Tatgerichts verstießen die Körperverletzungen trotz dieser Einwilligungen im Sinne von § 228 StGB gegen die "guten Sitten". Gegen dieses Urteil gingen die angeklagten Jugendlichen in Revision- ohne Erfolg!

Der Bundesgerichtshof (Aktenzeichen 1 StR 585/12) hat die Auffassung des Landgerichts Stuttgarts bestätigt. Die Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs hat bislang bereits Einwilligungen von späteren Opfern von Körperverletzungen keine rechtfertigende Wirkung beigemessen, wenn die Taten mit einer konkreten Gefahr des Todes für die Opfer verbunden sind. Verabredete wechselseitigen Tätlichkeiten zwischen Gruppen schließt die Wirksamkeit der erteilten Zustimmung zu eigenen Verletzungen stets aus, weil die typischerweise eintretenden gruppendynamischen Prozesse generell mit einem so erheblichen Grad an Gefährdung des Lebens und der körperlichen Unversehrtheit der Kontrahenten verbunden sind, dass die Grenze der "Sittenwidrigkeit" der Taten überschritten ist.

Auch „dritte“ Halbzeit verstößt gegen die guten Sitten

Diese Entscheidung des Bundesgerichtshofs wird sich auch auf die strafrechtliche Bewertung verabredeter Schlägereien zwischen rivalisierenden Hooligan-Gruppen (häufig sog. Dritte Halbzeit) auswirken. Selbst wenn solche körperlichen Auseinandersetzungen auf getroffenen Abreden über die Art des "Kampfes" beruhen, werden sich die Taten wegen der typischen Eskalationsgefahren trotz der Einwilligungen sämtlicher Beteiligungen als Verstoß gegen die "guten Sitten" erweisen.

Dagegen sind mit erheblichen Gesundheitsgefahren verbundene Sportwettkämpfe auch bei Austragung durch Mannschaften nicht betroffen. Das vorhandene Regelwerk der Sportarten, dessen Einhaltung regelmäßig durch eine neutrale Instanz kontrolliert wird, begrenzt üblicherweise den für die Beteiligten vorhandenen Gefährdungsgrad. Wie schon bisher sind strafbare Körperverletzungen hier erst dann gegeben, wenn diese aus grob regelwidrigem Verhalten hervorgehen, so der Bundesgerichtshof.


erstmals veröffentlicht am 05.05.2014, letzte Aktualisierung am 22.12.2016

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