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Kategorie: Anwalt Verkehrsrecht , 28.02.2017 (Lesedauer ca. 3 Minuten)

Berliner Richter verurteilen illegales Autorennen mit Mord-Strafe

Berliner Richter verurteilen illegales Autorennen mit Mord-Strafe © CC0 - Daniel Nanescu - splitshire.com

Auf deutschen Autobahnen wird immer wieder jenseits von jeder Geschwindigkeitsbegrenzung über den Asphalt geheizt. Nicht selten endet die Raserei im Tod oft unschuldiger Dritter, wie im Falle des 69-jährigen Rentners auf dem Berliner Kudamm im Februar 2016. CDU- und SPD-Politiker fordern seit längerem härtere Strafen. Nun haben die Richter am Berliner Landgericht im Berliner Raserprozess ein bahnbrechendes Urteil gesprochen: lebenslange Haftstrafen wegen Mordes.

Grundsätzlich gilt: Auf deutschen Straßen darf ein Autofahrer nur so schnell fahren, wie er sein Auto ständig beherrscht. Dabei muss sich seine Geschwindigkeit den Straßen- und Witterungsverhältnissen anpassen. Autofahrern, die mit stark überhöhter Geschwindigkeit am Straßenverkehr teilnehmen, drohen bislang Bußgeld, Punkte in Flensburg und ein Fahrverbot. Führt die Raserei sogar zu einem Autounfall, kann das zu einer Mithaftung beim Raser führen, selbst wenn der Unfallgegner einen erheblichen Fahrfehler begangen hat. Im Gesetzesentwurf, der noch den Bundestag passieren muss, sollen illegale Autorennen künftig mit Haftstrafen belegt werden können. Die Richter am Berliner Landgericht haben dem nun vorgegriffen: Nicht fahrlässige Tötung, sondern schlicht Mord lautet das Urteil. Das Ergebnis für die Angeklagten: lebenslange Haftstrafen.

Illegales Autorennen über den Berliner Kudamm


Es klingt nach einem übertriebenem Actionmovie, ist jedoch bittere Realität: Am 01. Februar 2016 liefern sich zwei Raser ein Geschwindigkeitsduell. Mit bis zu 170 Stundenkilometern brettern sie über den Kurfürstendamm, über Hauptverkehrsstraßen, die selbst nach Mitternacht noch gut befahren sind. Nach elf missachteten roten Ampeln und vielen uneinsehbaren Kreuzungen kracht einer der beiden Raser in das Auto des 69-jährigen Rentners. Erst nach über 70 Metern kommt das Fahrzeug zum Stehen. Der Insasse, ein pensionierter Arzt, ist tot.

Berliner Raser-Urteil: Mit Mordwaffe Auto Tötung billigend in Kauf genommen


Die Berliner Richter hatten zu entscheiden: War es Fahrlässigkeit oder Vorsatz? Sie argumentieren: Es lag zwar keine Mordabsicht vor, aber sie nahmen billigend in Kauf, dass Menschen verletzt oder getötet werden könnten. Die Richter prangerten die Gleichgültigkeit der Raser an und ließen die von der Verteidigung aufwendig erstellten psychologischen Gutachten, nach denen die Autofahrer sich ihrer Folgen angeblich nicht bewusst waren, nicht gelten. Und so nahm der vorsitzende Richter auch in Kauf, einen der beiden Raser, der bislang nicht vorbestraft war, mit der gleichen Haftstrafe belegen zu müssen wie sein bereits häufig straffällig gewordener Raserkollege: Beide erhalten lebenslange Haftstrafen wegen Mordes und einen lebenslangen Führerscheinentzug . Die Verteidigung, die unter anderem mit Hilfe der Gutachten sehr viel mildere Strafen anvisiert hatte, will in Revision gehen.

Gesetzesentwurf: Strafe statt Ordnungswidrigkeit


Das oben beschriebene Urteil greift quasi einem Gesetzesentwurf vor, das vor der Abstimmung im Bundestag steht: Demnach sollen illegale Autorennen keine Ordnungswidrigkeit mehr, sondern künftig eine Strafe im Sinne des Strafrechts darstellen und im Normalfall mit zwei Jahren Haft, bei Todesfolge mit zehn Jahren Haft belegt werden.

Derzeit wird Geschwindigkeitsüberschreitung und Raserei folgendermaßen bestraft:



Laser, Radar & Co


Nachgewiesen wird die Autobahnraserei anhand von Geschwindigkeitsmessungen. Diese erfolgen per Laserpistolen, Radargeräte, Spiegelmessverfahren, Lichtschranke oder auch Rückberechnung anhand von Bremsspuren. Nicht selten liefert sich der Autobahnraser eine Verfolgungsjagd mit der Polizei. Dabei kann die Polizei von ihrem Fahrzeug aus die überhöhte Geschwindigkeit messen. Manchmal geschieht dies sogar durch Einsatz eines Polizeihubschraubers.

Stark überhöhte Geschwindigkeit auf der Autobahn – diese Strafen drohen


Mit 190 durch die Baustelle oder mit 330 km/h über die Autobahn heizen - Autobahnraserei beginnt mit deutlichen Geschwindigkeitsübertritten. Überschreitet ein Autofahrer mit 51-60 km/h die zulässige Höchstgeschwindigkeit, drohen ihm ein Bußgeld von 280 Euro, zwei Punkte in Flensburg und zwei Monate Fahrverbot. Bei einer Überschreitung von 61-70 km/h muss der Raser mit 480 Euro, zwei Punkte in Flensburg und drei Monate Fahrverbot rechnen.

Illegale Autorennen – diese Strafen drohen derzeit


Ein Teilnehmer eines illegalen Autorennens kassiert ein Bußgeld von 400 Euro, zwei Punkte in Flensburg und ein Fahrverbot von drei Monaten. Veranstalter solcher Autorennen müssen mit 500 Euro Bußgeld rechnen. Wird beim Autorennen noch ein Radarwarner oder ein Laserstörgerät am Fahrzeug gefunden, sind derzeit weitere 75 Euro und die Beschlagnahme des Geräts fällig. Das Gerät darf auch vernichtet werden. Über 70 km/h Geschwindigkeitsüberschreitung wird richtig teuer: 680 Euro, zwei Punkte in Flensburg und drei Monate Fahrverbot.

erstmals veröffentlicht am 16.09.2016, letzte Aktualisierung am 28.02.2017

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