Logo anwaltssuche.de
Arbeitsrecht ,

Arbeitsrecht: Welche Konsequenzen hat die Transparenz von Facebook in der Praxis?

Der Spiegel veröffentlichte in seiner Ausgabe vom 24.10.2011 ein Interview mit einem hochrangigen Facebook-Manager. Darin macht der Facebook-Manager deutlich, dass Facebook "vollständig transparent" für seine User sein will. Arbeitsrechtlich gesehen birgt eine Situation der vollständigen Transparenz gewisse gefahren.

Zwei Fragen stellen sich in der Praxis häufig beim Thema Facebook und Arbeitsrecht:

1. Was, wenn der Chef oder Kollegen negative Einträge des Arbeitnehmers über den Arbeitgeber auf Facebook finden?

2. Für ausgiebige Nutzer von Facebook stellt sich oft auch folgende Frage: Was ist die arbeitsrechtliche Konsequenz, wenn jemand Facebook (zu oft) während der Arbeitszeit nutzt?

Zu 1.: Es ist äußerst riskant, sich über den Chef oder über Kollegen auf öffentlich zugänglichen Internetseiten von Facebook zu äußern. Sollte herauskommen, dass der Arbeitnehmer seinen Chef "blöd" oder "fies" findet, wird dies in aller Regel zu arbeitsrechtlichen Konsequenzen (Abmahnung oder im Widerholungsfall zur Kündigung) führen. Selbst zu einem vertrauten Kollegen sollte man besser nichts Negatives über den Arbeitgeber via Facebook sagen. Man weiß nie, ob man sich später mit dem Kollegen zerstreitet und er dem Arbeitgeber die Korrespondenz zuspielt. Es ist zwar strittig, ob eine negative Äußerung, die nur zwischen Kollegen geäußert wird, von der der Arbeitgeber im Nachhinein erfährt, einen Verstoß gegen die arbeitsrechtlichen Pflichten darstellt. Das Arbeitsverhältnis wird hierdurch jedenfalls erheblich belastet.

Technisches Unwissen kann das Arbeitsverhältnis auch gefährden. Falls der User von Facebook versehentlich eine Nachricht, die eigentlich nur für einen anderen Nutzer gemeint war, postet (also für alle Internetuser des Facebook-Profils sichtbar macht), dann ist die negative Äußerung öffentlich und damit in der Regel ein Verstoß gegen arbeitsvertragliche Pflichten, die eine Abmahnung oder im Widerholungsfall eine Kündigung nach sich ziehen können.

Zu 2.: Wer sich während der Arbeitszeit um sein Profil auf Facebook kümmert oder mit Freunden Nachrichten austauscht, riskiert ebenfalls in der Regel eine Abmahnung und im Widerholungsfall die Kündigung des Arbeitsverhältnisses. Vor allem, wenn - wie meistens - der Arbeitsvertrag die private Nutzung des Internets während der Arbeitszeit untersagt, verstößt man gegen seine arbeitsvertraglichen Pflichten, wenn man während der Arbeitszeit Zeit mit Facebook verbringt.

Fachanwaltstipp Arbeitnehmer: Am besten ist es, sich auf Facebook oder auf Chat-Foren etc. gar nicht über den Arbeitgeber zu äußern. Selbst positiv gemeinte Äußerungen können - aus dem Kontext gerissen - vom Arbeitgeber missverstanden werden. Zur privaten Internetnutzung: Selbst wenn sie gestattet ist, sollten Sie es hierbei nicht übertreiben. Insbesondere wenn die Nutzung während der Arbeitszeit passiert, riskieren Sie andernfalls eine Abmahnung und im Wiederholungs- oder im Extremfall auch eine (fristlose) Kündigung Ihres Arbeitsverhältnisses. Es ist auch schon vorgekommen, dass Arbeitgeber Arbeitnehmer, die sie loswerden wollten, hier bewusst in eine Falle gelockt haben, indem sie die private Nutzung des Internets zunächst tolerierten und dann plötzlich deswegen kündigten.

Fachanwaltstipp Arbeitgeber: Sie sollten sich sehr genau überlegen, ob Sie die private Internetnutzung überhaupt gestatten. Ich empfehle bereits im Arbeitsvertrag eine private Internetnutzung zu verbieten, oder jedenfalls auf dringende Fälle zu beschränken. Andernfalls kann es passieren, dass sie in rechtliche Schwierigkeiten geraten, wenn Sie oder einer Ihrer Mitarbeiter zum Beispiel in Krankheitsfällen auf den PC eines Mitarbeiters zugreifen müssen, auf dem sich auch private Inhalte (E-Mails etc.) befinden. Vor Gericht können auf diese Weise erlangte Daten einem Beweisverwertungsverbot unterliegen.

Alexander Bredereck
Rechtsanwalt und Fachanwalt für Arbeitsrecht

Rechtsanwalt Alexander Bredereck
Am Festungsgraben 1, 10117 Berlin
gelistet in: Berlin
Lesen Sie hier weitere Fachartikel im Themenbereich Arbeit & Beruf
Hier finden Sie bundesweit Rechtsanwälte für Arbeitsrecht

War dieser Expertentipp für Sie hilfreich?
Eigene Bewertung abgeben: stern_grau stern_grau stern_grau stern_grau stern_grau

0.0 / 5 (0 Bewertungen)
Diese Beiträge könnten Sie interessieren:
Kategorie: Anwalt Arbeitsrecht    (1 mal gelesen)

Mobbing hat sich im Berufsalltag und im Arbeitsrecht in den letzten Jahren zu einem bedeutenden Thema entwickelt. Dabei können die Auswirkungen von Mobbing im Job für den Betroffenen dramatisch sein. Mittlerweile ist es unbestritten, dass es aufgrund von Mobbing zu schweren seelische und körperliche Erkrankungen bei Arbeitnehmer kommen kann. Doch Mobbing-Opfer haben Rechte und können sich wehren!

Kategorie: Anwalt Arbeitsrecht    (64 mal gelesen)

Aktuellen Statistiken zur Folge erlebt jede zweite Frau sexuelle Belästigungen am Arbeitsplatz. Dabei scheint die Grenze zwischen harmloser Anmache und übergriffigen Verhalten vielen männliche Kollegen nicht klar zu sein. Was ihnen aber klar sein sollte, sexuelle Belästigung kann zur fristlosen Kündigung des Arbeitverhältnisses führen.

4.0 / 5 (7 Bewertungen)
Kategorie: Anwalt Arbeitsrecht    (96 mal gelesen)

Handy, Regenschirm, Portemonnaie oder Uhr weg: Immer wieder kommt es in Betrieben und Firmen vor, dass Mitarbeiter bestohlen werden. Haftet in solchen Fällen der Arbeitgeber?

3.9 / 5 (7 Bewertungen)
Kategorie: Anwalt Arbeitsrecht    (105 mal gelesen)

Wer herabwürdigende und fremdenfeindliche Äußerungen in einer „WhatsApp-Gruppe“ verbreitet, muss mit der Suspendierung seines Dienstverhältnisses rechnen, entschied aktuell das Verwaltungsgericht Augsburg.

3.9 / 5 (7 Bewertungen)
Kategorie: Anwalt Arbeitsrecht GKS Rechtsanwälte    (107 mal gelesen)

Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) hat in einer aktuellen Entscheidung eine Kündigung bestätigt, die ein rumänischer Arbeitnehmer von seinem Arbeitgeber erhalten hatte, weil er während der Arbeitszeit private Nachrichten über Facebook schrieb. Nach Ansicht der Richter durfte der Arbeitgeber überprüfen, welche Webseiten sein Arbeitnehmer während der Arbeitszeit besucht, um sicherzustellen, dass die Arbeitszeit ausschließlich für berufliche Angelegenheiten genutzt werde.

3.9 / 5 (11 Bewertungen)
Kategorie: Anwalt Arbeitsrecht GKS Rechtsanwälte    (85 mal gelesen)

Nach Untersuchungen der Auskunftei Creditreform sind in Deutschland aktuell ca. 6,7 Mio. Menschen überschuldet und nicht in der Lage, ihren Zahlungsverpflichtungen nachzukommen. Obwohl die Überschuldung und die Zahlungsunfähigkeit der natürlichen Personen daher tendenziell zugenommen haben, nehmen die Insolvenzverfahren für Verbraucher und selbstständige oder ehemals selbstständige Personen ab.

4.0 / 5 (2 Bewertungen)
Kategorie: Anwalt Arbeitsrecht    (103 mal gelesen)

Ausbildungsverhältnisse können bei persönlichem Fehlverhalten ebenso wie Arbeitsverhältnisse fristlos gekündigt werden. Dies musste ein Auszubildender erfahren, als er von seinem Chef die fristlose Kündigung erhielt, weil er nachts bei Pflasterarbeiten mit roten Pflastersteinen ein Hakenkreuz auf eine Straße gepflastert hatte.

4.0 / 5 (2 Bewertungen)
Kategorie: Anwalt Arbeitsrecht    (219 mal gelesen)

Jahresabschluss oder Projekte, die 2015 unbedingt noch fertigen werden müssen – laut einer aktuellen Statistik muss in Deutschland jeder vierte Arbeitnehmer an den Feiertagen arbeiten. Doch es gibt gesetzliche Grenzen.

Kategorie: Anwalt Arbeitsrecht    (65 mal gelesen)

Was geschieht mit dem Resturlaub, wenn ein Arbeitnehmer stirbt? Bislang war es in Deutschland so, dass mit dem Tod des Arbeitnehmers auch sein Urlaubsanspruch erlischt. Jetzt hat ein Gericht entschieden, dass der Urlaubsanspruch eines verstorbenen Arbeitnehmers vererbbar ist.

4.3 / 5 (3 Bewertungen)
Kategorie: Anwalt Arbeitsrecht    (137 mal gelesen)

Immer wieder gibt es in der Juristerei kuriose Fälle: Eine Fußgängerin hatte bei Grün die Straße überquert – natürlich im Vertrauen darauf, dass sie unfallfrei die andere Seite der Straße erreichen würde. Doch es kam anders: Ein LKW-Fahrer erfasste die Frau, während er nach links abbog. Das interessante: Auch für ihn war die Ampel grün – also die Fahrt grundsätzlich erlaubt.

5.0 / 5 (1 Bewertungen)
Kategorie: Anwalt Arbeitsrecht GKS Rechtsanwälte    (210 mal gelesen)

Als Geschäftsführer hat man viel um die Ohren und trägt Verantwortung für das Unternehmen. Nicht selten wächst einem diese komplexe Aufgabe genau dann über den Kopf, wenn das Unternehmen in der Krise ist. Wahrscheinlich fragt sich jeder erstmal, ob man dann einfach so "kündigen" kann.

5.0 / 5 (3 Bewertungen)


Alle Expertentipps zum Arbeit & Beruf
Suche in Fachbeiträgen